Netflix-Serienhit Was bleibt nach dem „Stranger Things“-Hype?
Das Finale von „Stranger Things“ hat für Diskussionen, Tränen und Fan-Theorien gesorgt. Diese sieben Fragen zu der Netflix-Erfolgsserie sind nach dem Ende noch nicht geklärt.
Das Finale von „Stranger Things“ hat für Diskussionen, Tränen und Fan-Theorien gesorgt. Diese sieben Fragen zu der Netflix-Erfolgsserie sind nach dem Ende noch nicht geklärt.
Ist das wirklich das Ende von „Stranger Things“ – oder fängt jetzt erst alles an? Nach dem großen Finale der fünften Staffel weigert sich die Serie beharrlich, einfach abzutreten. Stattdessen lässt sie Fans mit offenen Fragen, wilden Theorien, emotionalen Abschieden und jeder Menge Nostalgie zurück. Zwischen angeblichen Geheimfolgen, Plotlücken, ikonischen Songs und der Zukunft der Stars zeigt sich: „Stranger Things“ ist mehr als nur eine Serie, die endet – sie ist ein popkulturelles Phänomen. Wir stellen die wichtigsten Fragen.
Jein! Wenn man dem Online-Getuschel der „Stranger Things“-Hardcore-Fans glaubt, die allerdings oft so gut informiert sind wie der Verschwörungstheoretiker von nebenan, müsste an diesem Mittwoch eine geheime neunte Episode der fünften Staffel erscheinen. Bisher (Stand: 13 Uhr) ist das nicht passiert. Den Duffer-Brüdern, die hinter der Serie stecken, ist zwar alles zuzutrauen, doch dass sie ein Finale nach dem Finale hervorzaubern, ist trotzdem eher unwahrscheinlich. Fest steht allerdings, dass die „Stranger Things“-Macher den Fans zum Abschluss einen Blick hinter die Kulissen erlauben: Ab dem 12. Januar ist auf Netflix die Doku „Ein letztes Abenteuer: Making ‚Stranger Things 5‘“ verfügbar.
Auch hier gehen die Meinungen auseinander. Der Horrorfaktor war zwar in früheren Staffeln höher – manche behaupten sogar, nichts sei diesmal gruseliger gewesen als Robins Umgang mit den Schallplatten im Studio des Radiosenders WSQK. Doch die Duffer-Brüder haben in der finalen Staffel die vielen Handlungsstränge virtuos verknotet und ihre Geschichte clever zu Ende erzählt – kein Vergleich zum verkorksten Finale von zum Beispiel „Game of Thrones“ oder „How I Met Your Mother“. Und auch in der fünften Staffel liefert die Serie wieder zahllose wunderbare Details – vom Workout-Outfit Elevens, das aus „Die Goonies“ geklaut ist, bis zu Dustins Highschool-Abschluss-Auftritt, bei dem er genau das tut, was Eddie vorhatte, der sich in der vierten Staffel für seine Freunde opferte. Und überhaupt zählt die Bromance zwischen Steve und Dustin zu den entzückendsten Dingen, die es seit langem im Fernsehen zu sehen gab „Stranger Things“ war immer eine Serie von Nerds über Nerds für Nerds – und das Finale ist aufregend, spektakulär, pathetisch und witzig zugleich.
Eines der größten Löcher im Plot des Finales ist aber der Showdown mit Vecna. Der Kampf gegen ihn und den Mind Flayer gewinnen Eleven, Will, Nancy, Steve und Co. überraschend leicht. Wo sind all die Domogorgons, wenn man sie braucht? Die Duffer-Brüder haben in einem Interview behauptet, sie wären nicht da gewesen, weil Vecna völlig davon überrascht wurde, in seinem eigenen Zuhause überfallen zu werden. Doch diese Erklärung finden die meisten Fans ziemlich unbefriedigend – und machen sich in zahlreichen Internet-Memes über die Auszeit, die sich die Blumenkopf-Monster gegönnt haben, lustig.
Dass sich Eleven vielleicht opfern muss, um die Welt zu retten, hatte sich im Verlauf der fünften Staffel immer deutlicher angedeutet. Und tatsächlich gab es dann eine spektakulär-tränenreiche Abschiedsszene. Im sehr langen Epilog des Finales stellt ein wunderbarer Meta-Diskurs den Tod aber gleich wieder infrage: Mike wird zum Erzähler der Geschichte, der sich nicht nur für seine Freunde und sich mögliche Happy-Ends ausdenkt, sondern auch für Eleven, die überlebt haben und unbemerkt entkommen sein könnte, um sich vor dem Militär zu verstecken. Den Fans bleibt es überlassen, sich selbst zu entscheiden, ob sie Mikes Version glauben wollen oder nicht. Und auch der Cast hat keine definitive Antwort. Max-Darstellerin Sadie Sink glaubt zum Beispiel, dass Eleven tot ist, und die Erzählung Mikes nur sein Versuch ist, mit dem Verlust umzugehen.
Die Duffer-Brüder haben es diesmal mit dem Pop etwas übertrieben. Kate Bushs „Running Up That Hill“ war der Song der dritten Staffel, Metallicas „Master Of Puppets“ der der vierten. Aber welcher Song der Tracklist der fünften Staffel hat diese wirklich geprägt? Schließlich gibt es hier eine große Konkurrenz: Tiffanys „I Think We’re Alone Now“, Diana Ross’ „Upside Down“, Iron Maidens „The Trooper“, David Bowies „Heroes“ und die beiden Prince-Nummern „When Doves Cry“ und „Purple Rain“ – und natürlich haben sich die Zugriffszahlen für alle diese Songs bei Spotify und Co. seit der Ausstrahlung des „Stranger Things“-Finales vervielfacht. Auch den Verkauf des Brettspiels „Dungeons & Dragons“ dürfte die Serie nebenbei angekurbelt haben.
Nell Fisher, die als Holly öfter und länger im Bild zu sehen war als alle anderen Darstellerinnen und Darsteller (ja, es gibt Nerds, die die Zeit gestoppt haben), ist die Entdeckung der fünften Staffel. Die 14-Jährige hat auf jeden Fall Starpotenzial und soll schon für den nächsten „Fantastic Four“-Film im Gespräch sein. Zu denen, die auch nach „Stranger Things“ weiter erfolgreich sein dürften, zählen vor allem Joe Keery (Steve Harrington), der es 2025 sogar geschafft hat als Musiker unter dem Namen Djo mit seinem Song „End of Beginning“ Taylor Swifts „The Fate of Ophelia“ auf Platz 2 der Streamingcharts zu verdrängen, und Sadie Sink (Max), die gerade am Broadway Theater spielt und im nächsten „Spider-Man“-Film dabei sein wird.
Natürlich! Auch wenn es keine Fortsetzung im eigentlichen Sinne gibt, ist doch bereits ein Spin-off geplant. „Stranger Things: Tales From ’85“ ist eine Animationsserie, die noch 2026 bei Netflix erscheinen soll – und in die Zeit zurückkehrt, als die Kleinstadt Hawkins von Monstern aus dem Upside Down heimgesucht wird. Außerdem haben die Duffer-Brüder angedeutet, dass es einen weiteren Ableger geben könnte – allerdings mit neuen Charakteren, neuem Schauplatz und einer anderen Monsterwelt. Und abseits des Bildschirms gibt es zahlreiche andere Möglichkeiten, sich weiterhin in der „Stranger Things“-Welt zu gruseln. Zum Beispiel in dem Theaterstück, „Stranger Things – First Shadow“, das bereits am Londoner Westend und am New Yorker Broadway die Vorgeschichte zu der Saga erzählt hat und vielleicht auch irgendwann nach Deutschland kommt. Oder Caitlin Schneiderhans Buch „Stranger Things: One Way or Another: A Nancy Wheeler Mystery“, in dem Nancy zur Detektivin wird – mit Robin als Sidekick.
Stranger Things (2016-2025). Alle Episoden der fünf Staffeln sind bei Netflix verfügbar. Die Dokumentation „Ein letztes Abenteuer: Making ‚Stranger Things 5‘“ startet am 12. Januar.