Netflix zeigt Anime-Kunst aus dem Studio Ghibli Hayao Miyazakis 8 schönste Filme

Von Bernd Haasis 

Mutige Mädchen retten die Welt – darum geht es meistens in den fantastischen filmischen Parabeln des japanischen Animationskünstlers Hayao Miyazaki, die nun beim Streaming-Dienst Netflix zu sehen sind.

Seltsame Geschöpfe hausen in „Mein Nachbar Totoro“ im Wald – und in der Fantasie zweier Schwestern Foto: imago images/Mary Evans 59 Bilder
Seltsame Geschöpfe hausen in „Mein Nachbar Totoro“ im Wald – und in der Fantasie zweier Schwestern Foto: imago images/Mary Evans

Stuttgart - Der alte Traum vom Vogelflug hat es dem japanischen Anime-Künstler Hayao ­Miyazaki angetan, fliegende Zauberwesen und Luftschiffe bevölkern seine Filme. Oft muss die Welt gerettet werden vor Krieg und Zerstörung, und meist tun dies mutige Mädchen. Viele Bilder Miyazakis sind erschreckend, das Gefühl, nirgends sicher zu sein, ist dann mit Händen zu greifen; zugleich gibt es ­immer Rettung in der Besinnung auf Menschlichkeit, auf ein Miteinander, auf die Erkenntnis dass man gemeinsam stärker ist.

Myazaki hat den oft belächelten Anime-Film als Kunstform international etabliert. Viele seiner Heldinnen ähneln der Protagonistin der TV-Serie „Heidi“ (1974), die er mit animiert hat, doch jede hat einen ausgeprägten Charakter: Die geschmeidige Idealistin Nausicaä, die vor Energie sprudelnde Saki in „Totoro“.

Unterbewusstes und ­Mythologie, Traum und Albtraum gehen bei Miyazaki wundersame Symbiosen ein, in der der assoziativen Kraft seiner Motiven entfaltet sich die Welt als magischer Ort, an dem menschliche Vorstellungskraft ihre Flügel ausbreiten darf. Einige Werke aus dem Tokioter Trick-Studio Ghibli, das Miyazaki mit seinem Kollegen Isao Takahata aufgebaut hat, sind nun bei Netflix zu sehen. Wir haben eine Auswahl der acht schönsten zusammengestellt, die der Altmeister selbst gedreht hat – in chronologischer Reihenfolge.

1. Nausicaä (1984)

Der Erfolg dieses Werks war der Ausgangspunkt für die Gründung des Studios Ghibli im Jahr 1985. Und Miyazaki hatte sein Vokabular beisammen: Die Welt ist von giftigen Pilzen und mutierten Insekten verseucht, in bewohnbaren Enklaven tobt der Krieg. Die Prinzessin aus dem Tal der Winde, eine tollkühne Fliegerin mit großem Herzen, setzt ihr Leben ein für den Frieden und gelangt zu höherer Erkenntnis – assistiert von einem jungen Piloten.

2. Das Schloss im Himmel“ (1986)

Hier schweben ganze Städte durch die Luft, Piraten und andere ­begehren einen magischen Flugstein. Dieser rettet das Waisenmädchen Sheeta, das dann mit dem Waisenjungen Pazu einen Weltenunterdrücker aufhält.

3. „Mein Nachbar Totoro“ (1988)

Zwei Mädchen finden im Wald ein seltsames Pelzgeschöpf, das laut röhrt und über Zauberkräfte verfügt, sowie ein mehrbeiniges „Katzentaxi“. Eine Ode an die kindliche Fantasie in schwierigen Situationen ist dieser Film: Die Mädchen bangen um ihre Mutter, die im Krankenhaus liegt.

4. „Kikis kleiner Lieferservice“ (1989)

Zunächst trudelt die 13-jährige Kiki ungelenk auf ihrem ­Besen durch die Welt, in der sie ihren Platz finden muss. Eine der zauberhaftesten Film-Hexenfiguren aller Zeiten hat der heimliche Feminist Miyazaki hier geschaffen: Mit grundehrlicher ­Lebenslust und -liebe entwaffnet sie alle, die ihren positiven Blick auf die Welt für naiv halten.

5. Prinzessin Mononoke (1997)

Ein Prinz und ein Wolfsmädchen kämpfen hier gegen eine Eisenhütte, die den Wald zu zerstören droht und mit ihm die alten Mythen – eine große Parabel auf Gier und Umweltzerstörung.

6. Chihiros Reise in Zauberland (2001)

Eine ängstliche Halbwüchsige gerät in eine geisterbahnartig geprägte Mythenwelt und reift zur unerschrockenen Persönlichkeit. So universell ist die Bildsprache, dass die Reihung unerhörter Traumbilder intuitiv wirkt, ohne dass die Zuschauer die Bezüge zur japanischen Shinto-Religion verstehen müssen.

7. „Das wandelnde Schloss“ (2004)

Die Flammen des Krieges geißeln ein Jules-Verne-Europa des 19. Jahrhunderts, das in bester Steampunk-Tradition schillert. Die verhexte Hutmacherin Sophie und der exzentrische, sehr japanische Zauberer Hauro, dessen Schlosstür sich zu wechselnden Orten öffnet, gehen da eine Schicksalsgemeinschaft ein, in der gegenseitiger Respekt etwas gilt. Im Kleinen überwinden sie, was die Welt vergiftet.

8. „Ponyo“ (2008)

Von Verschmutzung und Überfischung der Meere handelt diese sehr eigene Hommage an Hans Christian Andersens „Kleine Meerjungfrau“. Darin schickt der rotmähnige Meeresfürst dunkle Wasserwürmer aus, die sich zu mächtigen Wellen mit Augen türmen – und der fünfjährige Sosuke geht mit einem kleinen Zaubermädchen in seinem Spielzeugboot auf Abenteuerfahrt, bis die Meeresgöttin ein Einsehen hat.