„Liebe. Jetzt!“ bei ZDF Neo Serie erzählt von der Lockdown-Stimmung im Land

Streitende Generationen: Heiner Hardt (li.) und Sebastian Fräsdorf Foto: ZDF/Muehle 15 Bilder
Streitende Generationen: Heiner Hardt (li.) und Sebastian Fräsdorf Foto: ZDF/Muehle

Die Serie „Liebe. Jetzt!“ bei ZDF Neo erzählt in ihrer „Christmas Edition“ von der Stimmung im Lande. Anders als in der ersten Staffel im Frühjahr sitzen die Menschen nicht mehr nur am Monitor. Aber sie haben das Leben mit Corona trotzdem satt.

Kultur: Thomas Klingenmaier (tkl)

Stuttgart - Mit erstaunlichem Tempo und erfreulicher Pfiffigkeit hat man im Frühjahr bei ZDF Neo auf den Lockdown reagiert und aktuelle Geschichten aus einer Welt erzählt, in der wir andere Menschen vor allem via Bildschirm in privaten oder dienstlichen Videoschaltungen erleben. Eine der damals entstandenen Serien, „Liebe. Jetzt!“, erhält nun ihre „Christmas Edition“, also sechs neue Folgen von je rund siebzehn Minuten, die im Hier und Jetzt spielen. Linear sind sie an diesem Dienstag ab 23.15 Uhr bei ZDF Neo zu sehen, in der Mediathek stehen sie bereits vorab bereit.

Nicht mehr bloß im Videochat

Manches ist anders als im Frühjahr. Wir klinken uns nicht mehr heimlich in die Videochats der Figuren ein und sehen das, was die Webcams aufnehmen, weil auch die Menschen nicht mehr nur am Rechner sitzen, sondern einander wieder real begegnen – wenn auch unter bestimmten Bedingungen mit Maske. Gleich in der ersten Episode mit dem Titel „Weihnachtszauber“ gibt es dieser Schutzmaßnahme wegen auch Zoff. Ein Großvater (Heiner Hardt) weigert sich, so einen Mund-und-Nasen-Schutz vorzubinden, wenn er seinen alleinerziehenden Schwiegersohn Manuel (Sebastian Fräsdorf) und dessen Tochter Martha (Úna Lir) besucht. Manuel lässt ihn maskenlos nicht über die Schwelle.

Die Kamera hat also mehr Bewegungsfreiheit als im Frühjahr, aber das macht die von wechselnden Autoren geschriebenen, von verschiedenen Regisseuren inszenierten Episoden nicht fröhlicher, im Gegenteil. Im Frühjahr wurden mit einem gewissen Amüsement die Hindernisse und Absurditäten des Online-Flirts, der Beziehungsdiskussionen mit einem Monitorbild, der intimen Stunden auf Abstand erkundet. Nun sind die Figuren – einige kennen wir aus den früheren Folgen, einige sind neu – einander körperlich näher, aber sie wirken müder, gereizter, ratloser.

Ein Gedanke in allen Köpfen

Ob Beziehungsknatsch oder Beziehungsanbandelung, ob Versöhnung oder Burgfrieden, alles scheint überschattet von etwas außerhalb des Gezeigten und Gesagten. Niemand hier muss es aussprechen, der Gedanke ist einer, den die ganze Republik hat: Was, wenn das nun noch lange so weitergeht? Was, wenn auf Corona die nächste Pandemie folgt?

Die erste Staffel von „Liebe. Jetzt!“ war spritziger. Wer in diesen Tagen einfach ein wenig schmunzeln will, ist mit ihr besser beraten. Aber die zweite, immer noch vergnügliche, ist näher dran an der Unsicherheit im Lande: Von der nicht bleischwer, sondern in leichter Form zu erzählen ist ein schöner Akt der Courage.

Ausstrahlung: ZDF Neo, 1. Dezember 2020, 23.15 Uhr. Alle sechs Folgen bereits vorab in der Mediathek des Senders abrufbar.




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