Wer derzeit mit der Bahn von Sachsenheim nach Stuttgart fahren und nicht umsteigen will, der sollte besser überpünktlich am Bahnhof stehen. Denn der Metropolexpress (MEX) in die Landeshauptstadt fährt nur stündlich. In Zukunft könnte sich das ändern. Wann genau, ist zwar noch unklar, doch kurz vor Weihnachten hat die Regionalversammlung Stuttgart beschlossen, die Route der S5 bis nach Vaihingen/Enz zu verlängern - das käme auch den Sachsenheimern zugute. Die Schusterbahn soll dann ebenfalls deutlich weiter fahren als bisher. Die Planungen im Überblick.
Nach dem aktuellen Fahrplan fährt die S-Bahn tagsüber im Viertelstundentakt von Stuttgart bis nach Bietigheim-Bissingen. Nach Beschluss der Regionalversammlung soll die S5 bald halbstündlich weiter nach Vaihingen/Enz fahren. Anvisiertes Ziel ist es, S-Bahn und MEX zu kombinieren und jeweils vier Fahrten pro Stunde in beide Richtungen anzubieten. Jede Bahn würde dann an den bestehenden Haltestellen in Sersheim, Sachsenheim und Ellental halten. So könnte auch der Großteil der bestehenden Gleise genutzt werden. Für die Wende in Vaihingen steht außerdem eine Reaktivierung der ehemaligen Stadtbahnstrecke im Raum.
Wie wird die Schusterbahn erweitert?
Die Schusterbahn soll künftig von Esslingen bis nach Walheim führen und so in das bestehende S-Bahn-Netz integriert werden. Neben den bestehenden S-Bahn-Stationen würde sie vor der Einfahrt nach Walheim dann auch in Besigheim halten, auch eine neue Station in Bietigheim-Nord ist möglich. Damit das funktioniert, muss außerdem in Kornwestheim ein Kreuzungsbauwerk errichtet werden. Dafür werden vorerst 113 Millionen Euro Baukosten veranschlagt.
Was sagen die Kommunen?
„Es ist eine hervorragende Nachricht. Und auch überfällig“, sagt Vaihingens Oberbürgermeister Uwe Skrzypek. „Für uns ist das eine willkommene Chance, vom Rand mehr in die Region Stuttgart zu rücken.“ In den anderen Städten gehen die Reaktionen in eine ähnliche Richtung. „Alle sind sich seit Langem einig, trotzdem ist bisher nichts passiert“, sagt Arved Oestringer, Pressesprecher der Stadt Sachsenheim. „Jetzt hoffen wir auf eine Beschleunigung des Projekts und auf spürbare Verbesserungen.“
Bei aller Freude über den Durchbruch, kleinere Bedenken gibt es an verschiedenen Stellen dennoch. In Bietigheim, das durch die Erweiterungen ein Knotenpunkt im S-Bahn-Netz werden würde, mahnt Pressesprecherin Anette Hochmuth Probleme bei der Streckenführung an: „Wir haben am Viadukt eine Engstelle, die sich nicht beheben lässt. Da wird die Fahrplangestaltung sehr wichtig sein.“
Für Skrzypek haben zwei Faktoren besondere Priorität: „Das Projekt darf nicht zulasten der Regionalbahnen gehen“, sagt er. Wichtig sei außerdem, dass die S-Bahn unabhängig von der letztendlichen Streckenführung im Vaihinger Bahnhof halten könne. „Die Wege zwischen S-Bahn, Regionalbahn, Bus und Autoparkplätzen müssen kurz bleiben“, betont der Oberbürgermeister.
Wie sehen Zeitplan und Kosten aus?
Derzeit gehen die Verantwortlichen für die Erweiterung der S5 von Kosten im Bereich von bis zu 74 Millionen Euro aus. Für den Ausbau der Schusterbahn sind aktuell 206 Millionen Euro eingeplant. Wann genau die Pläne konkretisiert und verwirklicht werden, ist noch offen. Priorität hat für die Bahn zunächst, dass Stuttgart 21 den Betrieb aufnimmt. Und auch der MEX-Verkehr soll vollständig anlaufen.