Netzausbau vor Ort Energiewende verständlich machen

Künftig könnten Wallboxen nur dann zügig angeschlossen werden, wenn ihr Besitzer Eingriffe des Netzbetreibers zulässt. Foto: imago images/Martin Bäuml Fotodesign via www.imago-images.de

Im Verteilnetz für Strom müssen Wallboxen oder Photovoltaikanlagen angeschlossen werden. Das führt zurzeit zu Wartezeiten. An der Lösung müssen alle mitwirken, fordert Eva Drews.

Netze BW schlägt Alarm: Seit die Aggressionen Russlands gegen die Ukraine die Verwundbarkeit der Energieversorgung unübersehbar werden ließ, wird der Verteilnetzbetreiber im Land von Anschlussanfragen für Photovoltaikanlagen, Wallboxen und Speichern überrannt. Häufig gibt das vorhandene Netz den Anschluss aber nicht her. Ein Ausbau wiederum aber wird nicht selten von langwierigen behördlichen Verfahren oder Einsprüchen von Bürgern behindert oder verzögert sich durch Lieferschwierigkeiten.

 

Ohne zusätzliche Maßnahmen wird es nicht gehen. Eine davon ist die netzdienliche Steuerung von Letztverbrauchern, die so genannte Spitzenglättung, deren konkrete Ausgestaltung derzeit die Bundesnetzagentur erarbeitet. Dabei geht es darum, dass Netzbetreiber künftig etwa das Laden von Elektroautos beschränken können sollen, wenn ansonsten eine Überlastung des Netzes zu befürchten ist. Schon unter dem damaligen Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) gab es einen entsprechenden Vorstoß, der allerdings einen so großen öffentlichen Aufschrei auslöste, dass der Minister den Entwurf wieder zurückzog.

Dieses Mal geht die Diskussion zumindest bei den Beteiligten des Verfahrens sehr viel unaufgeregter vonstatten. Das liegt unter anderem daran, dass der Netzbetreiber künftig zum Anschluss verpflichtet werden soll, sofern der Verbraucher zustimmt, dass sein Ladevorgang notfalls zeitweise eingeschränkt werden könnte. Beide Seiten würden also profitieren. Und es liegt wohl auch daran, dass die Öffentlichkeit noch nicht so recht Wind von dem Thema bekommen hat.

Vereinzelt ist bereits von einer „Entmündigung der Letztverbraucher“ die Rede, die ihr Elektroauto nicht mehr nach ihren Bedürfnissen laden dürften. Und von Blackout-Gefahren durch Elektroautos. Beides ist Unsinn, denn es geht nicht um eine Abschaltung von Ladeboxen, sondern um eine mögliche Drosselung, und einen dramatischen und großflächigen Blackout würden zu viele gleichzeitig ladende Autos auch nicht auslösen, sondern maximal einen regionalen Stromausfall. Das verständlich zu erklären, bevor Populisten das Thema auszuschlachten beginnen, wäre eine wichtige Aufgabe der Politik und der Netzbetreiber.

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