Netzengpass in Baden-Württemberg Ohne Stromnetze keine Energiewende
Das Stromnetz muss für den Ausbau der Erneuerbaren Energien gewappnet sein – sonst droht die Energiewende zu scheitern, meint unser Redakteur Jonas Schöll.
Das Stromnetz muss für den Ausbau der Erneuerbaren Energien gewappnet sein – sonst droht die Energiewende zu scheitern, meint unser Redakteur Jonas Schöll.
Was eigentlich nach einer positiven Nachricht klingt, offenbart ein paradox anmutendes zentrales Problem der Energiewende: In Norddeutschland bläst der Wind so stark und treibt die Turbinen der Windräder an, dass diese Strom in Hülle und Fülle erzeugen. Doch anstatt sich über den grünen Energiesegen zu freuen, droht in Baden-Württemberg ein Netzengpass. Das Problem: Die Leitungen, die den Windstrom in den Süden transportieren sollen, kommen an ihre Belastungsgrenze.
„Danke Ampel“, spotten manche in den Kommentarspalten sozialer Netzwerke. Doch als Futter für absurde Blackout-Debatten kann der Sparaufruf der „StromGedacht“-App vom Montag nicht herhalten. Stromabschaltungen im Land waren zu keiner Zeit zu befürchten.
Dennoch ist der Vorfall ein Weckruf: Mit Windkraft- und Photovoltaik-Anlagen allein ist es nicht getan. Es braucht Leitungstrassen, die den Windstrom aus dem Norden Deutschlands in den Süden transportieren. Das Stromnetz muss mit dem Erneuerbaren-Ausbau Schritt halten können – sonst droht die Energiewende zu scheitern.
Dringender Handlungsbedarf besteht vor allem darin, Schwung in den schleppenden Bau der Suedlink zu bringen, der sich seit Jahren verzögert. Lange behördliche Verfahren bremsen die geplante 700 Kilometer langen Stromtrasse von Schleswig-Holstein nach Baden-Württemberg immer wieder aus. Nach jahrelangem Verzug soll die Trasse erst 2028 fertiggestellt sein. Bis dahin ziehen noch einige Stürme ins Land, die bei Windrädern im Norden einen Stromsegen hervorrufen – über den sich aber im Süden niemand freuen kann, weil er hier nicht ankommt.