Die Geburtshilfe am Krankenhaus in Leonberg macht zum 1. April überraschend dicht. Das stößt auch in den sozialen Netzwerken auf große Enttäuschung und Unverständnis.
„Das war bestimmt eine schwierige Entscheidung, aber lieber so, als mit zu wenig Infrastruktur.“ Das schreibt eine Facebook-Nutzerin zum überraschend verkündeten frühen Aus für die Geburtshilfe in Leonberg. Der Kreißsaal wird nun nicht 2028 an die derzeit entstehende Flugfeldklinik verlagert, wie ursprünglich geplant, sondern bereits zum 1. April aufgegeben.
Mit dieser Meinung steht die Userin allerdings weitgehend alleine da. Neben zahlreichen Kommunalpolitikern zeigt sich auch das Netz entrüstet über die plötzliche Schließung. Viele reagieren mit Enttäuschung und Ernüchterung, der Wegfall der Station sei „schade“ oder gar „ein Armutszeugnis“.
Unter anderem werden die weiteren Wege in andere Kliniken beklagt, die werdende Mütter bald auf sich nehmen müssen. Nach Böblingen, Ludwigsburg oder Stuttgart zu fahren, sei für Gebärende „eine Tortur“, schreibt eine Userin auf Facebook. Eine andere Nutzerin, deren Kinder in Leonberg entbunden worden seien, resümiert: Die Klinik in Böblingen stelle für sie aufgrund der Anfahrt „überhaupt keine Alternative“ dar.
Schließung des Kreißsaals des Krankenhauses Leonberg: Längere Wege für werdende Mütter
Gerade in einer ohnehin emotionalen und körperlich herausfordernden Situation bedeute eine längere Anfahrt zusätzlichen Stress, so der Tenor vieler Kommentare. Die Sorge, dass größere Kliniken stärker ausgelastet sein könnten, wird ebenfalls mehrfach geäußert.
Auch zu den Gründen für die Schließung gibt es viel Kritik. „Das kommt davon, wenn es nur noch um Profit geht anstatt um die Menschen“ heißt es da, oder: „Da wird mal wieder am falschen Ende gespart“. Finanzielle Aspekte sind dem Aufsichtsratsvorsitzenden des Klinikverbundes Südwest, dem Landrat Roland Bernhard, und dem Geschäftsführer Alexander Schmidtke zufolge allerdings kein wesentlicher Grund für die Schließung. Vielmehr hätten sinkende Geburtenzahlen zu der Entscheidung geführt sowie eine nach der Kündigung des Chefarztes der Leonberger Frauenklinik gefährdete medizinische Qualität.
Für diese hohe Qualität ist der hebammengeführte Kreißsaal bekannt – deshalb wird er in Zukunft wohl von zahlreichen werdenden Müttern vermisst. „Ich fand Böblingen schrecklich und Leonberg tip top“, schreibt eine Facebook-Userin. Viele weitere Frauen würden den Leonberger Kreißsaal anderen Kliniken klar vorziehen.
Geburtshilfe im Krankenhaus Leonberg: Kreißsaal mit besonderem Profil
Eine Nutzerin weist auf eines der besonderen Merkmale hin: „Sehr schade, wieder eine Geburtshilfe weniger, die nach dem Konzept der WHO/UNICEF-Initiative ‚Babyfreundlich‘ gearbeitet hat und zertifiziert ist.“ Zentrales Ziel dieser Initiative ist es, die Betreuung von Müttern und Neugeborenen so zu gestalten, dass Bindung, Entwicklung und insbesondere das Stillen bestmöglich gefördert werden. Für viele Familien ist das ein wichtiges Argument bei der Wahl des Geburtsortes.
Unmut über Kommunikation mit Beschäftigten des Krankenhauses Leonberg
Nicht zuletzt löst bei vielen Usern auf Social Media der Umgang mit den Beschäftigten Unmut aus. Diese wurden erst am Dienstagmorgen über die bevorstehende Schließung informiert. Ein Facebook-Nutzer mutmaßt: „Das sieht so aus, als ob alles von langer Hand geplant wurde und nun scheibchenweise offenbar wird.“ Ein anderer unterstellt den Verantwortlichen fehlende Transparenz und eine zu kurzfristige Ankündigung.
Dem medizinischen Personal der Geburtshilfe sowie den Hebammen soll angeboten werden, künftig in Böblingen oder im Krankenhaus Nagold zu arbeiten. Ob alle dieses Angebot annehmen, ist offen.
Für einige User ist dennoch schon jetzt klar, welches Signal diese Entscheidung aus ihrer Sicht sendet: „Leonberg wird Provinz, leider.“ Die Diskussion über die Zukunft der medizinischen Versorgung vor Ort dürfte damit noch lange nicht beendet sein.