Netzwerk für kindliche Bildung in Neuhausen Lebenslanges Lernen für Erzieherinnen

Sybille Peikert und Dunja Dayekh (rechts) sind in Kinderhaus Egelsee ein Team. Foto: Ines Rudel

Mit Schulungsangeboten für angehende Erzieher und ihre Anleiter bietet Sybille Peikert vom Kinderhaus Egelsee in Neuhausen trägerübergreifende Weiterbildung an.

Reporterin: Elisabeth Maier (eli)

Ein Netzwerk für angehende wie auch für erfahrene Erzieherinnen knüpft Sybille Peikert, die stellvertretende Leiterin des Kinderhauses Egelsee, in Neuhausen. Die Mentorin bildet Anleiterinnen und Auszubildende in den Kindertageseinrichtungen in der Fildergemeinde weiter. „Es geht uns darum, den Beruf noch attraktiver zu machen.“ Angesichts des Fachkräftemangels in der Branche sieht Peikert die Entwicklung von jungen Kräften als eine zentrale Aufgabe an. Doch auch den erfahrenen Kräften möchte sie Impulse geben. Lebenslanges Lernen sei „ein wichtiger Baustein“.

 

Initiative gegen den Fachkräftemangel

Dass in Kindergärten und -tagesstätten Erzieher und Erzieherinnen fehlen, ist ein allgemeines Problem. Auch die Gemeinde Neuhausen hat damit zu kämpfen. Die Warteliste in der Kindertagesbetreuung ist lang. In der Konkurrenz der Träger sind nach den Worten von Sybille Peikert „die beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten ein ganz zentrales Thema.“ Deshalb hat die Erzieherin im sozialpädagogischen Kompetenzzentrum Silberburg selbst eine Fortbildung gemacht, um an den Tagesstätten in Neuhausen ein neues Ausbildungskonzept zu entwickeln.

„Das Angebot ist trägerübergreifend“, sagt Elke Eberle, die Pressesprecherin der Gemeinde. So entwickle und halte man langfristig qualifiziertes Personal am Standort. „So entsteht eine Bindung an den Arbeitgeber“, sagt Eberle. „Durch den Austausch profitieren alle Seiten. Außerdem fühlen sich gerade die jungen Menschen mit ihren Problemen nicht alleine gelassen.“

Fernab von den Zwängen des Berufsalltags dürfen die Auszubildenden und ihre Anleiterinnen und Anleiter lernen und Themen vertiefen, die sie in der Praxis erleben. In Modulen unterrichtet Peikert Themen wie das Bild vom Kind oder die Arbeit mit den Eltern. Ein ganz wichtiges Thema ist auch die Benotung oder Bewertung. „Da mit den Jahren eigene Kriterien zu entwickeln, ist nicht leicht“, weiß die erfahrene Pädagogin. Für Probleme, die sich gerade in den ersten Berufsjahren auftun, hat die Erzieherin ein feines Gespür.

Austausch in getrennten Gruppen

In den zwölf Einrichtungen Neuhausens arbeiten insgesamt jeweils 24 Anleiter und Auszubildende in Tandems. „Bei den Modulen trenne ich die Gruppen“, sagt Peikert. Denn es gehe nicht nur darum, die Theorie zu vertiefen. Im geschützten Rahmen sollten Ausbilderinnen und angehende Erzieher und Erzieherinnen separat und damit auch ganz offen über ihre Probleme sprechen dürfen. Das sei im übergreifenden Netzwerk oft einfacher als in der eigenen Einrichtung.

„Alle lernen voneinander“, schwärmt Peikert vom guten Miteinander der Generationen. Gerade die Auszubildenden im ersten Jahr könnten viel von den Kolleginnen und Kollegen lernen, die schon fast fertig sind. Die Ausbilder bekommen ein geringfügiges Honorar. Wichtig sind Peikert zufolge aber gerade in diesem Beruf „die Anerkennung und die Wertschätzung.“ Die gemeinsame Arbeit mit der Mentorin bietet den Teilnehmern die Möglichkeit, jenseits der alltäglichen Zwänge gemeinsam über ihren Beruf nachzudenken und auf dieser Basis eigene Konzepte zu entwickeln.

Wie profitieren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von dem Zusatzangebot in den Neuhausener Kindertageseinrichtungen? „Das bedeutet natürlich für uns einen Mehraufwand“, sagt die 22-jährige Dunja Dayekh. Gerade im zweiten Ausbildungsjahr habe sie das Pensum als sehr heftig empfunden. In der Gruppe mit den Kolleginnen und Kollegen aus anderen Häusern über Probleme zu reden und gemeinsam über Lösungen nachzudenken, das fand die Erzieherin im dritten Ausbildungsjahr sehr ergiebig. Da bleibe im Alltag mit den Kindern oft zu wenig Zeit.

„Ich möchte meinen Auszubildenden die bestmögliche Betreuung mit auf den Weg geben“, sagt Christopher Loesener, der Chef des Sportkindergartens in Neuhausen. Da brauche man auch als erfahrener Anleiter Impulse. Er bekomme von Sybille Peikert „viele wertvolle Anregungen“. Zwar bleibt dem Chef des Sportkindergartens, den der Turn- und Sportverein trägt, nicht immer Zeit, um das trägerübergreifende Angebot zu nutzen. Der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen bringt dem Sportpädagogen der relativ kleinen Einrichtung sehr viel. Dieses vorbildliche Netzwerk in Neuhausen wolle er daher nicht missen.

Ausbildungswege

Die erste Station
Um den Beruf der Erzieherin oder des Erziehers zu ergreifen, ist das Berufskolleg – früher Vorpraktikum – Voraussetzung. Da wird auch in Kindertagesstätten gearbeitet. Das Praktikum ist unbezahlt. Bei einem mittleren Bildungsabschluss ist es Voraussetzung für die Aufnahme an einer Fachschule.

Weitere Möglichkeiten
Die praxisintegrierte Ausbildung zum Erzieher oder zur sozialpädagogischen Assistentin, genannt PIA, finden in Kindertageseinrichtungen statt. Das Oberkurspraktikum wie auch das Unterkurspraktikum während der zweijährigen Fachschulausbildung an der Schule für Sozialpädagogik sowie das Anerkennungsjahr für Erzieherinnen oder sozialpädagogische Assistenten wird ebenfalls in den Einrichtungen absolviert.

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