Neu bei Netflix: „The Ballad of Buster Scruggs“ Ein Coen-Western voller böser Komik

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Die Coen-Brüder legen ihren neuen Film ohne Kinostart gleich exklusiv bei Netflix vor. „The Ballad of Buster Scruggs“ ist ein fieser, hochkomischer Episodenwestern. Die guten Märchenenden für die netten Helden kann man hier gleich vergessen.

Ein singender Cowboy, aber ein ziemlich irrer: Tim Blake Nelson als Revolverheld Buster Scruggs Foto: Netflix 12 Bilder
Ein singender Cowboy, aber ein ziemlich irrer: Tim Blake Nelson als Revolverheld Buster Scruggs Foto: Netflix

Buster - Scham kannten schon die alten Groschenheft- und Schmökerautoren keine, die zuerst über den Wilden Westen flunkerten. Einerseits dachten sie sich die schrillsten Räuberpistolen und monumentalsten Abenteuer aus, anderseits verklärten sie für Leser im Osten die angeblich gesetzestreuen unter den Westmännern zu unbesiegbaren Saubermännern mit guten Manieren, salonfähiger Sprache und Herzen voller Edelmut.

Diese Märchenwelt schnappen sich die Coen-Brüder und bringen sie in „The Ballad of Buster Scruggs“ mit den Grausamkeitsbildern des Spät- und Italowestern zusammen. Der großartig besetzte und wunderbar fotografierte Episodenfilm, der für den Streamingdienst Netflix entstand und dort ab sofort zu sehen ist, schiebt Postenkartenalbum und Höllengemälde ineinander und reißt Witze, neben denen schwarzer Humor wie ein weißes Lätzchen wirkt.

Nicht bloß Sänger

Die Titelfigur (Tim Blake Nelson) zum Beispiel reitet in der ersten Episode durch den Wilden Westen, als sei sie aus einem Musical entlaufen und werde bei der ersten Begegnung mit einem Präriehund vor Schreck vom Pferd fallen. Tatsächlich ist dies ein Revolverheld, dessen übermenschliche Schießkunstdemonstrationen selbst dann etwas Psychopathisches hätten, wenn der Bursche nicht noch Shownummern daraus machen würde. Allerdings zeigen die Coen-Brüder hier den Nachteil flinker Treffsicherheit. Jeder Sieg lockt neue ruhmsüchtige Duellanten an.

Zeit für Konfetti

Zunächst fürchtet man, nun wollten die längst etablierten Coen-Brüder („Fargo“, „True Grit“) mit hingeprotzt Makabrem Quentin Tarantino übertrumpfen. Aber dann merkt man den feinen Unterschied: Dieses beständige Überdrehtsein des Brutalen und Gemeinen und die schroffen Kontraste zu westernromantischen Momenten schaffen einen subversiven Irrsinn. Der stanzt das beliebte Märchen von der guten alten Zeit in einem Westen, in dem der Tüchtige noch sein Glück mit beiden Fäusten machen konnte, zu Konfetti.

Ursprünglich sollte dies eine Serie für Netflix werden, aber Joel und Ethan Cohen fanden, die Geschichten seien zu einem 132 Minuten lange Film komprimiert witziger und druckvoller. Tatsächlich ist „The Ballad of Buster Scruggs“ vom Fleck weg ein Klassiker: ein böser Spaß für Westernhasser und Westernfreunde zugleich.