Neu im Kino Die Apokalypse kann kommen

Keira Knightley in „Auf der Suche nach einem Freund für das Ende  der Welt“ Foto: Verlieh
Keira Knightley in „Auf der Suche nach einem Freund für das Ende der Welt“ Foto: Verlieh

Im Film „Auf der Suche nach einem Freund für das Ende der Welt“ finden Keira Knightley und Steve Carell in den letzten Tagen der Menschheit zusammen.

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Stuttgart - Nachts am Straßenrand. Eine Mann und eine Frau sitzen stumm im geparkten Auto und hören Radio. Die Mission der Raumfähre sei gescheitert, sagt der Nachrichtensprecher, der Asteroid wird weiter auf die Erde zurasen, noch drei Wochen bis zum Einschlag. Da steigt die Frau wortlos aus und eilt hinweg. Alles, was sie jetzt noch machen kann, will sie ohne ihren Mann machen. Diesen biederen Versicherungsangestellten (Steve Carell) aber rüttelt nicht mal ein Weltuntergang aus seiner traurigen Existenz heraus. Er schleicht weiter mit tranig-stoischer Miene ins nun ziemlich leere Büro, in dem die „Kleiderordnung aufgehoben“ und sogar viele Chefstellen frei geworden sind.

Dodge heißt unser Held, und dieser Name, der als Verb auch „ausweichen“ oder „abwehren“ bedeutet, ist sozusagen Programm. Da sollen die um ihn herum sich doch benehmen, als gäbe es kein Morgen, also hemmungslos fressen, saufen, rauchen und koksen, ja sogar ihre Kinder teilnehmen lassen an hysterisch-fröhlichen Orgien. Dodge bleibt ernst und wortkarg, sitzt da als Spaßbremse und ignoriert, während die ehemaligen Bürger anarchisch durcheinanderkopulieren, auch die durchaus willige Frau, mit der er noch verkuppelt werden sollte. Er ignoriert natürlich auch die Zettel an den Hauswänden, auf denen nach Jungfrauen fürs letzte Mal gesucht wird oder auch – als Abkürzung ins Jenseits – nach einem Killer. Nicht mal der Suizidalkörper, der plötzlich von oben auf seine Windschutzscheibe kracht, kann Dodges Tagesroutine ändern. Bis dann die heulende Nachbarin Penny (Keira Knightley) vor seinem Fenster steht und die Story ihre erwartete Wendung nimmt.

Die Regisseurin Lorene Scafaria, die ihr Spielfilmdebüt als eine mit schwarzem Humor gewürzte Endzeitgeschichte begonnen hat, steuert nun hinein in eine romantische Komödie und in ein Roadmovie. Die flippig-extrovertierte, im Grunde ihres Herzens aber liebe und emotionale Engländerin Penny will nämlich ein Flugzeug auftreiben, um zu ihrer Familie zu fliegen, und Dodge möchte seine Jugendliebe aufsuchen und sehen, ob da vielleicht noch ein Feuer brennt. Es geht also darum, wie schon der Filmtitel sagt, die letzten Tage mit jemandem zu verbringen, den man liebt. Und lange wissen Penny und Dodge nicht, dass sie eigentlich schon gefunden haben, was sie suchen.

Jeder will auf seine Weise gut sterben

Dass sich in diesen Zeiten etwas anbahnt, was nicht mehr zu beherrschen ist – ein Krieg, eine Pandemie, ein Klimawechsel oder eben ein Brocken aus dem All –, dieses Katastrophengefühl schlägt sich immer öfter im Kino nieder. Bei Roland Emmerichs „2012“ bricht dann noch einmal die große Action aus, bei Lars von Triers „Melancholia“ die große Depression. Immer aber geht es darum, die letzten Tage mit Sinn aufzuladen. Wenn Penny und Dodge durchs Land fahren, begegnen sie Menschen, die auf ihre Weise ihre Existenz zu Ende bringen wollen. Ein Polizist stellt immer noch Strafzettel wegen Tempoüberschreitung aus, die Angestellten eines Fast-Food-Restaurants tanzen herum wie eine dauergrinsende Freundschaftssekte, an einem Strand werden Erwachsene getauft – und ein Pick-up-Fahrer kann das Warten einfach nicht mehr ertragen und hat seinen Tod schon für jetzt bestellt.

In diesem Film aber soll es die Liebe sein. Zu Beginn haben die Bilder noch mit Straßenmob und Brutalo-Endzeit kokettiert, nun aber lassen sie sich sanft nieder in einem Gefühl von bittersüßer Romantik und Melancholie. Der zunächst geglückte Versuch, Sentimentalität und Pathos zu unterlaufen, ist schon lange eingestellt, auch Szenen von Gewalt oder Plünderungen sind nicht mehr zu sehen, die amerikanische Provinz, in der auch noch eine Versöhnung mit Dodges Vater (Martin Sheen) zu erledigen ist, wirkt sogar seltsam idyllisch. Die Perspektive wird nun auch ganz eng, die Menschheitskatastrophe extrem individualisiert: Es zählen letztlich nur noch die, von denen erzählt wird. Lorene Scafaria hat einen Trostfilm gedreht, der auch mit den passenden Songs („The Sun ain’t gonna shine anymore“) ausgestattet ist, ja, man könnte sogar sagen: einen Wohlfühlfilm für die Apokalypse.




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