Neu im Kino: „Dracula“ Am Blut wird hier gespart

Caleb Landry Jones in der Dracula-Rolle Foto: Leonine Studios

Dracula im Kino, das ist nun wirklich nichts Neues. Kann der französische Regisseur Luc Besson dem Stoff Neues abgewinnen?

Dracula lebt! Nicht nur zwischen den Buchdeckeln von Bram Stokers berühmtem Schauer-Briefroman aus dem Jahr 1897; besonders im Kino geht die Nachtgestalt in diversen Verkörperungen um, zuletzt 2024 in Robert Eggers „Nosferatu“. Warum, zur Hölle, braucht es da eine weitere Dracula-Adaption?

 

Hier geht es nicht um einen blutrünstigen Dämon

Weil die meisten Bram-Stoker-Exegeten den Vampir bloß als blutrünstigen Dämon, nicht aber als radikal Verliebten sehen, könnte die mutmaßliche Antwort von Luc Besson lauten. Der kehrt in „Dracula: Die Auferstehung“ tatsächlich eine bislang wenig beachtete Facette des angeblich besonders grausamen, sagenumwobenen Osmanen-Pfählers Vlad Draculea hervor.

Bessons Dracula (Caleb Landry Jones) ist ein Mann, der gerne isst, spielt, lacht und liebt. Als er von seinen Generälen vom Bett aufs Marsfeld gezerrt wird, befiehlt Dracula seinem Hauspriester, Gottes Schutz für seine junge Frau Elisabeta (Zoë Bleu) zu erwirken. Als Elisabeta dennoch stirbt, ermordet Dracula den Priester und zieht fortan als von Gott Verfluchter auf der Suche nach seiner wiedergeborenen Liebe durch die Jahrhunderte, bis ihm im Paris des Jahres 1889 Mina Murray (wieder Bleu) begegnet, die er für Elisabetas Reinkarnation hält.

Das Kreuz mitten ins Herz

In den Grundzügen hält sich Besson an Stokers Plot, verändert die Geschichte aber in entscheidenden Details. Caleb Landry Jones bereichert die klassische Monster-Ikonografie um rührend romantische Aspekte und spielt Dracula als leidenschaftlichen Gatten, der häusliche Geborgenheit dem Kampfgetümmel vorzieht. „Jag’ diese Barbaren bis zum letzten Mann“, hetzt der Priester gegen die Osmanen. Dracula wird ihm bald darauf ein Kreuz ins vor Hass dampfende Herz rammen. Mit bösem Witz schießt Besson gegen Kriegstreiberei und Bigotterie und betont Draculas Widerwillen, sein Glück dem Krieg gegen die Osmanen zu opfern.

Mit Christoph Waltz als erstaunlich weltlichem Priester tritt Dracula ein weit weniger fanatischer Vampirjäger entgegen als in Stokers Ur-Version mit dem Charakter des Abraham van Helsing. Waltz ist vor allem lustig in seiner Rolle, verharmlost sie im satirischen Understatement aber auch.

Der Vampir im Gewand eines Dandys

Dafür triefen manche Szenen geradezu vor schwarzem Humor, etwa, wenn Dracula die Frauen an Europas Fürstenhöfen zunächst mit einem besonderen Parfum bezirzt (Patrick Süskind lässt grüßen), um sie, angeekelt von ihrer Ignoranz und Dekadenz, dann aber doch bis auf den letzten Tropfen auszusaugen.

Dracula ist hier kein brutaler Beutegreifer, sondern ein an Zeit und Menschen leidender Underdog im Gewand eines Dandys, wie sich vielleicht auch Besson gerne sehen will, nachdem ein Strafverfahren gegen ihn wegen eines Vergewaltigungsvorwurfes 2023 eingestellt wurde. „Dracula: Die Auferstehung“ ist kein perfektes Werk, an dem sich orthodoxe Horrorfans schon wegen des geringen Hämoglobinfaktors stoßen werden. Eine liebevolle Neubetrachtung des alten Blutsaugers bietet der Franzose Luc Besson aber allemal.

Dracula: Die Auferstehung. Finnland, England, Frankreich 2025. Regie: Luc Besson. Mit Caleb Landry Jones, Zoë Bleu, Christoph Waltz. 129 Minuten. Ab 16 Jahren.

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