Neu im Kino „Gladiator II“ Die spinnen, die Römer! Was taugt die Fortsetzung von „Gladiator“
Was für ein merkwürdiger Quatsch! Ridley Scotts Monumentalfilm „Gladiator II“ liebt das Spektakel – und Haie dürfen auch mitspielen.
Was für ein merkwürdiger Quatsch! Ridley Scotts Monumentalfilm „Gladiator II“ liebt das Spektakel – und Haie dürfen auch mitspielen.
Donald Trump und seinem Mob, der im Januar 2021 das Kapitol in Washington stürmte, dürfte dieser Film gefallen. Denn wenn der Mann, der nun wieder Präsident der Vereinigten Staaten ist, sich in der Vergangenheit als Opfer eines „korrupten, verdorbenen und bewaffneten Justizsystems“ inszenierte, wollte er genau solche Bilder von den politischen Machthabern erzeugen, wie jene, die Ridley Scott in der späten Fortsetzungen seines Films „Gladiator“ (2000) vom römischen Imperium entwirft.
Die Zwillingsbrüder Geta und Caracalla, die sich den Kaiserthron teilen, inszeniert Scott als homosexuell veranlagte, dekadent-grenzdebile, von der Syphilis gezeichnete Tyrannen, die sich lieber im Kolosseum, im Circus Maximus oder bei Orgien vergnügen, als sich um die Sorgen des Volks zu kümmern. Im Rom des Jahres 200 nach Christus ist es Zeit, dass sich was dreht. Es ist Zeit, so behauptet es der Film, für echte Männer, die für Recht und Ordnung sorgen: Make The Roman Empire Great Again!
Gleich drei solcher starken Männer, die zumindest äußerlich Donald Trump dann doch gar nicht ähneln, hat dieser merkwürdige, überlange und altmodische Monumentalfilm im Angebot: Lucius Verus (Paul Mescal aus „Normal People“) ist der verlorene Sohn des Original-Gladiators Maximus, der damals von Russell Crowe gespielt wurde. Lucius, der sich in der nordafrikanischen Provinz Numidia versteckt hat, wird als Gefangener nach Rom gebracht und erweist sich wie sein Vater als wortkarg-gewaltiger Gladiator mit großem Gerechtigkeitssinn. „Diese Stadt ist verseucht“, stellt er schon bei seiner Ankunft in Rom fest. Da ist Marcus Acacius (Pedro Pascal aus „The Last of Us“), der Lucius’ Mutter Lucilla (Connie Nielsen) geheiratet hat und mit ihr, dem Senat und 5000 Soldaten das Kaiserpaar stürzen will. Er hat auf seinem Feldzug aber auch den Tod von Lucius’ Frau angeordnet und ist darum die Zielscheibe der Rachefantasien seines Stiefsohns. Und da ist Macrinus (Denzel Washington), ein ehemaliger Sklave, der als Meister der Intrige der heimliche Herrscher der Stadt ist: „Rom muss fallen, ich muss ihm nur einen Stoß geben“, sagt er.
Das klingt nach „Game of Thrones“, oder? Ja, tatsächlich borgt sich Ridley Scott für „Gladiator II“ von der Fantasyserie nicht nur Pedro Pascal, der dort auch mal in die Arena steigen musste („Der Berg und die Viper“), und die Lust an explizit zur Schau gestellter Gewalt, sondern auch die Vorliebe für arglistige Machenschaften. Allerdings bleiben diese Ränkespiele hier Denzel Washington vorbehalten. Sein Macrinus ist dann auch die einzige Figur in dieser 300 Millionen Euro teuren Produktion, die ausreichend Tiefe hat, um einigermaßen interessant zu sein.
Angesicht dieses kuriosen Popcorn-Kino-Machwerks wirkt Roland Emmerichs zunächst ziemlich enttäuschende Gladiatorenserie „Those About To Die“, die im Sommer dieses Jahres bei Prime Video gestartet ist, und die auf Daniel P. Mannix’ gleichnamigen Sachbuch beruht, das auch eine der Grundlagen für die „Gladiator“-Drehbücher war, gar nicht mehr so übel.
In Ridley Scotts Männerfilm (Connie Nielsen ist die einzige Frau, die mehr als zwei Sätze sagen darf) geht auch sonst viel schief. Wie leichtfertig „Gladiator II“ sexuelle Offenheit mit moralischer Verdorbenheit gleichsetzt, ist heutzutage untragbar. Die gestelzten Dialoge sind oft unfreiwillig komisch („Wo wir sind, gibt es keinen Tod! Wo der Tod ist, sind wir nicht!“) Die Story, bei der man sich mal an Sophokles’ „König Ödipus“ und mal an „Das Leben des Brian“ erinnert fühlt, ist ein krudes Durcheinander, das auch nicht durch ein paar „Spartacus“-Zitate gerettet werden kann. So viel wirrer wäre die Verfilmung des zwischenzeitlich mal bei Nick Cave bestellten Scripts gar nicht gewesen, in dem Maximus nach seinem Tod von den römischen Göttern zurück auf die Erde geschickt wird, um Jesus und seine Jünger zu ermorden.
Aber wahrscheinlich ist das alles sowieso nur Nebensache, weil es bei „Gladiator II“ vor allem auf die Schauwerte ankommt. Und davon gibt es in den 148 Minuten dann doch jede Menge. Selten wurde das alte Rom so spektakulär in Szene gesetzt. Und die Idee, die Arena im Kolosseum unter Wasser zu setzen, um dort Gladiatoren auf zwei Schiffen gegeneinander kämpfen zu lassen, während sie von Haien umkreist werden, ist so trashig-absurd, dass sie fast gut ist.
Gladiator II. 148 Minuten. Regie: Ridley Scott. Mit Paul Mescal, Pedro Pascal, Denzel Washington. Ab 16 Jahren
Ben-Hur (1959)
In William Wylers mit elf Oscars ausgezeichnetem Monumentalfilm spielt Charlton Heston einen jüdischen Kaufmann, der zum Wagenlenker im Circus Maximus wird.
Spartacus (1960)
Der Gladiator Spartacus führt einen Sklavenaufstand gegen Rom an. In der Titelrolle des Films Stanley Kubricks , der mit vier Oscars ausgezeichnet wurde, ist Kirk Douglas zu sehen
Barrabas (1961)
Anthony Quinn spielt den biblischen Mörder Barabbas, der erst verbannt, dann zum Gladiator wird und schließlich zum Christentum findet.
The Arena (1974)
Roger Cormans Exploitation-Version des Sandalenfilms erzählt von knapp bekleideten Sklavinnen (unter ihnen Pam Grier), die als Gladiatorinnen gegeneinander antreten müssen.
Gladiator (2000)
Ridley Scotts mit fünf Oscars ausgezeichneter Film, der von einem römischen Tribun (Russell Crowe) erzählt, der erst zum Sklaven und dann zum Gladiatoren-Star wird, löste ein Comeback des Monumentalfilms aus.