Neu im Kino Was taugt „Louise und die Schule der Freiheit?“

Alexandra Lamy (Mitte) als Lehrerin unter den Dorfkindern Foto: Neue Vision Filmverleih

Um 1880 führte Frankreich die Bildung für alle ein – kein leichtes Spiel, wie „Louise und die Schule der Freiheit“ zeigt.

Wie wichtig Schule ist, hat zuletzt die Pandemie gezeigt, als Kinder und Jugendliche monatelang auf sie verzichten mussten. Eltern, Lehrer und Ärzte beklagen die Langzeitfolgen. Mit heutigem Wissen ist es schwer vorstellbar, dass Bauernkinder Ende des 19. Jahrhunderts ohne regelmäßige Schulbildung überhaupt gesund aufwachsen konnten. In Frankreich zum Beispiel bemühte sich der Staat erst um 1880 nach dem Sturz Napoleons III. um Bildungsgerechtigkeit für alle. Mit Einführung der allgemeinen Schulpflicht sollte besonders die Situation der Kinder auf dem Land verbessert werden, die bisher allein auf den elterlichen Höfen schufteten.

 

Wilde Vergangenheit in der Pariser Commune

Von der Einführung eines Gesetzes bis zu seiner Umsetzung ist es aber oft ein steiniger Weg. Das erzählt Éric Besnard in seinem Historiendrama „Louise und die Schule der Freiheit“ anhand der Geschichte einer fiktiven Lehrerin namens Louise Violet (Alexandra Lamy), die von Paris in ein Bauern-Dorf strafversetzt wird, um dort eine Schule aufzubauen. Die alleinstehende Frau wird im Dorf misstrauisch beäugt und vom Bürgermeister Pierre Manceron (Grégory Gadebois) erst einmal im Stall neben der Kuh einquartiert, wo Louise aus ein paar Baumstümpfen und Holzbrettern ein provisorisches Klassenzimmer einrichtet. Die Kinder bleiben dem Unterricht jedoch fern. Erst, nachdem Louise bei jeder Familie ein paar Schnäpse geleert und sogar bei einer Geburt geholfen hat, trotten die ersten in Louises Klasse. Der Erfolg wird bald wieder getrübt; von einer Brandstiftung im Rohbau des neuen Schulhauses und von Louises wilder Vergangenheit während der Pariser Commune, die besonders den konservativen Dorf-Patriarchen Pierre auf die Palme bringt, der Louise gerade even noch heiraten wollte.

Zuletzt hat sich Éric Besnard in „Á la Carte – Freiheit geht durch den Magen“ (2021) mit der Erfindung des Restaurants kurz vor der französischen Revolution beschäftigt, um daran den Prozess der Demokratisierung von Dienstleistungen und Nahrungsmitteln zu zeigen, die lange Zeit nur Adligen vorbehalten waren. In „Louise und die Schule der Freiheit“ erinnert er an die Bedeutung demokratisch organisierter Bildung, die prinzipiell jedem Menschen gleiche Startmöglichkeiten unabhängig von Einkommen, Religion und Wohnort verschaffen soll.

Eine spannende Zeitreise

Historisch glaubwürdig vermittelt Besnard die Bedingungen des Dorf-Alltags mit all seinen Begrenzungen und Sachzwängen. So gut es das Schulgesetz meint: Lange Bildungszeiten blieben auf dem Land ein Luxus, den sich Familien wortwörtlich vom Mund absparen mussten. So, wie Louise versucht, den Dörflern das ABC zu vermitteln, muss sie ihrerseits lernen, Eltern nicht zu verurteilen, die auf die Mitarbeit ihrer Kinder zählten. All das vermittelt der Film nicht als trockene Geschichtsstunde, sondern als anschauliche Zeitreise. Das Eltern-Lehrer-Verhältnis mag nicht immer das Beste sein, eine gute Schule funktioniert aber nur zusammen.

Louise und die Schule der Freiheit. Frankreich 2024. Regie. Éric Besnard. Mit Alexandra Lamy, Grégory Gadebois. 109 Minuten. Ab 12 Jahren.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Kino