Ein One-Man-Theater-Klassiker als Kinoklamotte inmitten aktueller Gender-Wogen? Mit „Caveman“ und Moritz Bleibtreu hätte das sogar gut gehen können.

32 Jahre hat Rob Beckers One-Man-Stück „Caveman“ in zwischen auf dem Broadway-Buckel, 23 Jahre immerhin gibt es die von Esther Schweins inszenierte deutsche Fassung. Und noch immer füllen die Abgründe im Mann-Frau/Frau-Mann-Spiel, angesiedelt irgendwo zwischen Stand-up-Comedy, Vortrag und Therapiesitzung, in mittlerweile 70 Städten die Hallen.

Kinokomödie in Bestbesetzung

Was also kann schiefgehen, wenn man das Theaterwunder einem noch größeren Publikum in deutscher Kinokomödien-Bestbesetzung neu serviert? Schon nach wenigen Minuten ist klar: So ziemlich alles.

Dabei kann man Moritz Bleibtreu in der Hauptrolle keinen Vorwurf machen. Er arbeitet sich hart durch einen Erzählung-in- der-Erzählung-Plot, der vor lauter Gastauftritts-Garnierungen gerne mal den Faden verliert und den eigentlichen Schauspielerinnen und Schauspielern bald nurmehr das Aufsagen eiligst vergessener Sätze erlaubt.

Laura Lackmanns Film zündet nicht

Aber da ist doch der ewig konternde Wotan Wilke Möhring! Da ist doch die alles in Sekundenschnelle zerpflückende Martina Hill! Und da ist doch die gerne wunderbar unterkühlt ironische Laura Tonke! Und alle agieren sie in Till Brönners intelligentem Sound. Richtig – und doch will Laura Lackmanns Film nicht wirklich zünden.

Betreten: Moritz Bleibtreu, Jürgen Vogel und Wotan Wilke Möhring Foto: Constantin

Bobby, Autoverkäufer, der immer schon als Witzeerzähler auf einer Bühne stehen wollte und sich jüngst in ein Höhlengleichnis eigener Art träumte, bekommt seine Chance. Und statt schlechter Witze über Mammuts und die ewige Jäger/Sammlerinnen-Nummer, erzählt er dem Publikum sein Beziehungsdrama. Hilflos auf der Bühne – das ist Bleibtreus Moment. Und dann? Kalauert sich die Geschichte des von seiner Frau Claudia frisch verlassenen Mannes durch die Filmminuten. Bei Männerabenden mit Pizzaschachteln und bei Dauershoppen frustrierter Frauen kann sich das Publikum bald selbst auf einer Zeitreise wähnen. Hetero-Gähnen mit kleinen Queer-Noten – das geht auch als Mittelstandsselbsttherapie nicht durch. Wer da eine Abrechnung mit frühen Mario-Barth-Programmen wie „Männer sind primitiv, aber glücklich“ herbeischreibt, kann diese nie gesehen haben.

Wotan Wilke Möhrings feine Details

Laura Lackmanns „Caveman“ gerät schnell auf die Spur, ein Film über etwas zu sein. Jürgen Vogel etwa als Fenster putzender Urmann kämpft kurz dagegen an, als schauspielernder Dinosaurier vorgeführt zu werden – und verliert. Was von „Caveman“ im Kino bleibt? Kaum die belachte Gewissheit, dass Männer eine archaische Zumutung sind. Am ehesten noch die kleinen, feinen „Was willst du eigentlich?“-Gesten eines wie die ganze Crew spürbar unterforderten Wotan Wilke Möhring.

Caveman. D 2023. Regie: Laura Lackmann. Mit Moritz Bleibtreu, Laura Tonke, Wotan Wilke Möhring. 100 Minuten. Ab 12 Jahren.