Zwischen Rosenbergplatz und der Haltestelle Schwab-/Bebelstraße, versteckt in einem Hinterhof, fand Florida Petal ihre erste Wirkungsstätte. Seit August 2022 wird der Westen an anderer Stelle floral aufgemischt, nun soll der Springsflower Market die Ecke zwischen Café Seyffer's und dem Spätzleschwob zum Aufblühen bringen – dazu später mehr.
Mysterium: Florida Petal
Uns interessiert zunächst: Wer steckt eigentlich hinter der künstlerisch aufbereiteten Instagram-Seite, die 80s-Vibes mit einer mysteriösen Summertime Sadness verbindet – Kenner wissen mehr. Es ist Luzie Marquardt. Die Fotografin begrüßt uns mit einem Lächeln in ihrem Studio im besten Westen der Stadt. Dafür zog es sie raus aus ihrem Kosmos, dem Stuttgarter Süden – ihrem Heimathafen, wie sie selbst so schön sagt.
Vor zehn Jahren jobbte sie bereits in der Eisdiele am Marienplatz oder beim Blumenstand Blooms. Dies weckte ihr Interesse an Floralem und so trat sie Ostern 2020 das erste Mal mit Florida Petal in Erscheinung.
Kreative Konzeption, statt Blumenladen
"Ich wusste nur: Ich will, dass Blumen weiterhin Teil meines Lebens sind und wenn ich es jetzt nicht probiere, dann gehe ich den Schritt gar nicht mehr." Man dürfe sich nicht irritieren oder entmutigen lassen, findet die gebürtige Stuttgarterin, die in Essen Kunst studierte. "Es braucht einen langen Atem. Und auch wenn es jemanden gibt, der es besser macht, lasst euch nicht verunsichern. Wenn man eine Idee hat und es schafft, den Leuten diese zu vermitteln, dann findet sich immer jemand, dem sie gefällt."
Pop-ups, Präsenz, Positionierung
Also poppte Luzie mit einem Blumenstand in der City auf. "Der Pop-up am Kultur Kiosk war mir wichtig, um mehr Sichtbarkeit zu bekommen", erklärt sie. Aber tatsächlich sei es nicht ihr Ziel, sich irgendwo mit einem Blumenstand zu präsentieren. Für Luzie geht es bei Florida Petal eher um Konzeption, sie sei keine Floristin. "Was ich mit Florida Petal machen möchte, ist kreative Konzeption, die mit Blumen zu tun hat."
Interessierte können immer wieder, zu bestimmten Anlässen, auch mal Blumensträuße bei ihr vorbestellen. "Was mir aber wichtig ist: Ich bin kein Blumenladen, wo es immer etwas auf Halde, also vorrätig gibt. Alles, was ich mache, ist kuratiert und kein Mitnehmprodukt, das man mal so an der Straßenecke entdeckt und einsteckt. Da fließt ganz viel Konzeption mit ein."
Die Beschreibung erinnert fast schon an ein Kunstwerk. Davon möchte der Kreativkopf lieber nicht sprechen, aber sie räumt ein: "Es ist durchaus etwas Delikateres, Durchdachteres." Sich von Anfang an, klar zu positionieren und nicht auf allen Hochzeiten zu tanzen, sei ihr dabei besonders wichtig.
Florida, Versace und Lana Del Rey-Vibes
Und Luzie freut die Entwicklung beim floralen Berufszweig. "Es ist so schön zu sehen, dass sich in diesem angestaubten Blumenbusiness Nischen bilden und jeder so seinen eigenen Weg geht." Die Rede ist von Lifestyle und damit Blumensträußen/-kreationen, die individuell daherkommen und zu einem passen – und nichts mehr mit dem klassischen Blumenladen zu tun haben. "Wer zum Beispiel Lana Del Rey-Vibes haben möchte, ruft bei Florida Petal an."
Aber warum Blumen? Diese positive Vergängnis, von der auch Nietzsche als "Bejahung des Vergehens" spricht, sei für Luzies künstlerische Arbeit ein wichtiger Baustein und würde immer mitschwingen. "Das hat mich immer an Blumen fasziniert und deshalb möchte ich auch, dass es etwas ganz Exklusives ist, weil es etwas ist, bei dem man schon beim Kauf weiß, dass es vergeht." Die Fotografin spricht von etwas Temporärem, Morbidem und gleichzeitig auch Wunderschönem – und da wären wir wieder bei der Summertime Sadness und Lana Del Rey.
Und was hat es mit dem Namen auf sich? "Der ist aus einer totalen Laune heraus entstanden. Ich wusste, ich will was mit Blumen machen und ich hatte zu diesem Zeitpunkt ganz klar vor Augen, wie mein Look aussehen soll." Es fallen Stichworte wie "80er-Jahre", "Vintage", "Versace", "Seidenblusen", "krasse Blumenmuster", "irgendwas mit Florida" – damit ist dann wohl alles gesagt. Und auch wenn Luzie findet, dass sie mitterweile etwas ruhiger und klarer geworden ist, ist sie dennoch überzeugt: "Der Name passt perfekt." Für alle, die es interessiert: Petal heißt übrigens Blumenblatt (englisch, französisch).
Die Zukunft ist rosig
Außerdem bringt der Blick in die Zukunft die Augen der Blumen-Artistin zum Leuchten. "Mein Wunsch ist es, irgendwann die krassesten Celebrity-Hochzeiten auszustatten", sagt sie lachend. Dadurch, dass sie Fotografin sei, würde Luzie gern mehr kreative Konzeptionen mit Blumen ausprobieren sowie Stylings und Set-Designs angehen. "Am Ende läuft es für mich immer auf ein Bild oder etwas Visuelles hinaus."
Bei einem Konzept für eine Hochzeit spielt die handwerkliche Arbeit genauso wie das "Hirnen" am PC eine Rolle und das wiederum spielt der hoffnungslosen Romantikerin, wie sie sich selbst bezeichnet, ganz gut in die Karten und ist genau ihr Ding. "Was ich mir erträume, was aber nie passieren wird: Dass mich Paris Hilton anruft, wenn sie heiratet."
Was bei Florida Petal auch ausgebaut werden soll: Mono-Bouquets. Das sind Sträuße, reduziert auf eine Blume – "juicy but bold". Die Besonderheit der Blume soll hervorgehoben werden, muss aber nicht super natürlich, sondern darf auch gezüchtet aussehen: Welcome to Miami!
Und was kommt nach Stuttgart? Miami? Erstmal das neue Studio/Atelier in Stuttgart-West.
Studio, Atelier, Werkstatt
Der eigene Wintergarten wurde zu lange und zu sehr belagert, mit Fotos machen und Blumen. "Da habe ich gemerkt: Du willst was Exklusives machen, das auch seinen Preis hat, dann kannst du die Leute nicht zu dir nach Hause bestellen." Luzie machte sich auf die Suche nach einer passenden Location und stieß über eine Online-Plattform auf die Annonce von Lilli Ceramics und Manjula Keramik, die eine Werkstatt gesucht hatten.
Durch Zufall kannten sich die kreativen Ladys bereits, zwei Wochen später bezogen die Drei gemeinsam ihren "creative space" in der Hasenbergstraße 103. Doch wie so oft bei so viel Kreativität und Leidenschaft stellt sich schnell der Erfolg ein, das eigene, kleine Unternehmen wächst und der Platz wird knapp. "Durch Zufall wurde genau zum richtigen Zeitpunkt der Werkraum 18 frei und weil ich schon vor gefühlt zehn Jahren manifestiert hatte, dass ich dort mal mein Atelier haben werde, bin ich natürlich sorfort eingezogen."
Es sei eigentlich gar nicht geplant gewesen, das Studio zu öffnen. Schließlich hat Luzie genug zu tun, mit Floral Design, Set-Design/-Styling und diversen Fotojobs, so dass sie einfach keine Kapazität, aber auch nicht unbedingt das Beürfnis verspürt habe, daran etwas zu ändern. Doch durch die großen Fenster wurden die Menschen in der Umgebung neugierig, fragten, wann es denn endlich losgehe etc. – bis die Blumen-Künstlerin nachdenklich wurde. "Eigentlich schon schade, das Potential des Raumes nicht zu nutzen", fand und entschied: "Ich mache vorerst, temporär, einen kleinen Springflower Market."
Springflower Market und viele neue Projekte
Was dürfen Kund:innen dort erwarten? Regionale Blumen, von Gärtnern aus der Region. Luzie wolle damit auch ein Statement setzen gegen Flugware aus Equador oder Rosen aus Kenia. "Die Jahreszeiten schenken uns echt tolle Blumen und die sollte man zelebrieren." Den ganzen Frühling über soll es den Springflower Market im Studio an der Ecke Vogelsang-/Seyfferstraße geben. "Einfach um Präsenz zu zeigen, aber eben auch, um die Ecke hier im Westen ein wenig zu beleben."
Wichtig ist Luzie zu zeigen, dass ihr auch einzelne Blumensträuße Freude bereiten. "Es müssen nicht immer die riesen Projekte sein." Denn durch das schlichtere, einfachere Arbeiten mit Blumen hätte sie einen guten Ausgleich zu größeren Jobs im Ausland beispielsweise. "Florida Petal ist zu einem coolen, entspannten und vielschichtigen Business herangewachsen und ermöglicht mir u.a. dieses neue Studio aufblühen zu lassen."
Awareness, Nachhaltigkeit und Floral Friends
Doch nicht nur das. Luzie will vor allem auch Awareness schaffen. "Es ist wichtig zu fragen: Wo kommen meine Blumen her?", findet sie. Nachhaltigkeit ist das große Stichwort unserer Zeit. "Und das soll auch der Springflower Market vermitteln. Es gibt eben nicht immer alles." Was es aber auf jeden Fall bald bei Florida Petal auch geben wird, sind Begegnungen mit anderen Floral Friends. Denn Luzie genießt den Austausch mit der Blumen-Community. Danach habe sie sich auch lange gesehnt und so keimte der Gedanke in ihr auf: Wie wär's eigentlich mal mit einem Floral-Community-Space? "Dort sollen super viele Sachen passieren, die mit Blumen und Botanik zu tun haben." Das könnte so aussehen: Workshops treffen auf eine Ikebana-Soiree und Pflanzen-Expert:innen vor Ort. Klingt spannend, wir bleiben dran!
Mehr Eindrücke von Florida Petal und ihrem Springflower Market bekommt ihr in der Bildergalerie und mehr allgemeine Infos gibt's hier >>>
Florida Petal, Vogelsangstr. 57, Stuttgart-West, Springflower Market jeden Fr 12-18 und Sa 10-14 Uhr