Neubau bei Magstadt Straßenmeisterei ist beschlossen

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Der Kreistag billigt die acht Jahre alten Pläne für einen Neubau endgültig, nachdem die Baukosten um rund ein Drittel gedrückt wurden.

Noch fehlt dem Kreis das Grundstück. Es gehört  dem Gärtner Klaus Winter. Foto: factum/Archiv
Noch fehlt dem Kreis das Grundstück. Es gehört dem Gärtner Klaus Winter. Foto: factum/Archiv

Magstadt - Der Beschluss ist endgültig, zumindest deutet darauf alles hin: Nach jahrelangen Verzögerungen wird bei Magstadt eine neue Straßenmeisterei gebaut. So hat es der Kreistag bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung entschieden. Gut zehn Millionen Euro soll der Neubau kosten, rund ein Drittel weniger als noch vor kurzem geplant. Hinzu kommen noch etwas mehr als zwei Millionen Euro für die Ausstattung des Neubaus.

Die bisherige Straßenmeisterei in Leonberg ist zu klein, nicht mehr zeitgemäß und überdies nahe der Abrissreife. Allein eine Sanierung der Häuser wäre teurer als ein Neubau. Dieses Urteil steht seit 2009 fest. In diesem Jahr begann der Landkreis, einen Neubau zu planen. Dann stoppte die Landesregierung alle Überlegungen dazu, weil sie erwog, die Zuständigkeit für die Straßen den Kreisen zu entziehen und zu bündeln – um sich am Ende für das Gegenteil zu entscheiden. „Wir waren durch das Land lang genug in der Warteschleife“, sagte der CDU-Kreisrat Helmut Noë. Hinzu kam die allfällige Standortdebatte.

Noch fehlt dem Landkreis Entscheidendes: das Grundstück

Nun scheint die scheinbar unendliche Geschichte zu enden. Weitere Verzögerungen sind aber nicht ausgeschlossen, denn dem Landkreis fehlt Entscheidendes für einen Neubau: das Grundstück. Der Boden gehört dem Magstadter Gärtner Klaus Winter. Er wäre zwar bereit, seine Äcker abzugeben oder zu tauschen, aber nicht zum bisher gebotenen Preis. Auf der Liste der Tauschgrundstücke stand auch keines, das Winter akzeptiert hätte. Die Güte der Böden ist ihm zu niedrig. Der Sozialdemokrat Peter Pfitzenmaier mahnte eine gütliche Einigung an. Aber „die kann ich nicht garantieren“, sagte der Landrat Roland Bernhard und ließ keinen Zweifel am Willen, den Gärtner notfalls zu enteignen. „Das öffentliche Interesse überwiegt eindeutig“, sagte Bernhard.

Zuletzt galten noch die mit den Jahren gestiegenen Kosten als möglicher Grund eines Scheiterns. Fast 15 Millionen Euro standen am Ende unter dem Strich der Kalkulation. 2009 waren die Planer von fünf Millionen Euro ausgegangen. Um den Preis zu drücken, hatte die Kreisverwaltung das Planungsbüro Drees und Sommer beauftragt. Dessen Vorschlag ist so simpel wie wirkungsvoll. Ursprünglich sollte der Betrieb auf mehrere Bauten verteilt werden. Drees und Sommer vereint ihn in einem Haus. Der Vergleich mit bereits gebauten Straßenmeistereien fällt eindeutig aus: Kommunen, die sich für mehrere Bauten entschieden, zahlten rund ein Drittel mehr.

Zwischen Kalkulation und Angebot kann eine erhebliche Lücke klaffen

Allerdings sind die bisherigen Kosten nur geschätzt. Dass zwischen Kalkulation und Angebot eine erhebliche Lücke klaffen kann, belegte zuletzt das Vorhaben, nahe Herrenberg einen Aussichtsturm zu bauen. Die Kosten waren auf eine Million Euro hochgerechnet. Für weniger als 1,5 Millionen mochte aber kein Unternehmen auf Baustelle gehen. Als Grund gilt der Bauboom. Auf die hohe Nachfrage antwortet die Branche mit höheren Preisen. Aufschluss über die tatsächlichen Kosten soll ein Architektenwettbewerb bringen. Ergebnisse sollen im Frühjahr 2018 vorliegen.

Nebenbei ermöglicht der Neubau, ein potenziell lebensbedrohliches Problem zu lösen. Weil die Straßenmeisterei schrumpft, bliebe Platz für eine neue Rettungswache. Die Notärzte sollen gemäß den Vorgaben in 95 Prozent der Fälle innerhalb von 15 Minuten bei ihren Patienten sein. Im Kreis Böblingen „ist der Rettungsdienst weit davon entfernt“, sagte der stellvertretende Landrat Martin Wuttke. Der neue Standort könnte helfen, die Vorgaben zu erfüllen. An einem Neubau haben die Malteser Interesse bekundet. Sie könnten mit einem Zuschuss von bis zu 90 Prozent der Baukosten rechnen. Der Landkreis bliebe finanziell unbeteiligt.