Da staunte der Gingener Jürgen Häfele nicht schlecht. Mit großem Gerät waren Arbeiter dabei, seine private Tannenschonung zu roden. Inzwischen ist klar: das Regierungspräsidium hat sich an seinen Bäumen vergangen – wegen der Zauneidechse.

Gingen/Fils - Ja ist den heut’ schon Weihnachten? Diese Frage dürfte sich Jürgen Häfele gestellt haben, als er am Mittwoch an seiner kleinen privaten Tannenschonung oberhalb der Trasse für die neue Bundesstraße 10 bei Gingen vorbeischaute. Schon von weitem sah der Gingener die Bäume wackeln. Arbeiter waren mit schwerem Gerät dabei, die zwei bis drei Ar große Fläche frei zu räumen.

Mit den Blaufichten und Nordmanntannen, die zu Hunderten fielen, versorgte der 76-Jährige sonst alljährlich seine Bekanntschaft an Weihnachten. Nun lag die komplette Ernte der nächsten zehn Jahre zusammen mit einigen größeren Exemplaren auf dem Wiesengrund. Sie würden im Auftrag des Regierungspräsidiums das Grundstück abholzen, damit es in ein Biotop für Zauneidechsen umgewandelt werden könne, erklärten die Arbeiter – eine Ausgleichsmaßnahme für den Straßenbau. Dass sie auf privatem Gelände und nicht auf einem Grundstück des Bundes zu Werke gingen, erfuhren sie erst von Jürgen Häfele.

Tatsächlich habe es im vergangenen Jahr Kaufverhandlungen gegeben, doch man habe sich im Preis nicht geeinigt. Jetzt wolle er das Areal behalten. Im Baureferat des Regierungspräsidiums ist man von dem Vorfall peinlich berührt. „Das ist eine ganz unglückliche Geschichte“, sagt die Sprecherin der Stuttgarter Behörde, Nadine Schneider. „Wir können uns nur entschuldigen.“ Dies ist mittlerweile geschehen. Das Grundstück, in dem bereits Löcher gegraben wurden, werde wieder hergerichtet. Für die Vernichtung des Bewuchses soll eine Entschädigung fließen. Allerdings klaffen auch hier die Preisvorstellungen noch weit auseinander.

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