Neubau im Zollernalbkreis Umzug in die neue Klinik

Das neue Klinikum von oben – 183 Patienten können hier behandelt werden. Foto: Grohe
Das neue Klinikum von oben – 183 Patienten können hier behandelt werden. Foto: Grohe

Die neue Klinik in Balingen soll künftig eng mit der Uniklinik Tübingen kooperieren. Auch der zweite Standort in Albstadt soll erhalten bleiben.

Landespolitik: Michael Petersen (mip)
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Balingen - Die Kernbotschaft für die Menschen im Zollernalbkreis formuliert der Tübinger Klinikdirektor: „Achtzig bis neunzig Prozent aller Krankheiten können in den Krankenhäusern von Balingen und Albstadt behandelt werden“, sagt Professor Michael Bamberg. Und für Patienten, denen dort nicht mehr geholfen werden könne, sei der Weg zur Maximalversorgung im Tübinger Universitätsklinikum nicht weit. Trotz der strikten wirtschaftlichen Trennung beider Häuser, die sich in enger räumlicher Nachbarschaft befinden, spricht Bamberg von einer Kooperation: „Wir sind im Geiste verbunden.“ Konkret heißt das, dass die Ärzte in Balingen oder Albstadt beispielsweise engen Kontakt mit den Spezialisten in Tübingen pflegen, oft auch im Rahmen von Videokonferenzen.

Zuvor war die Uniklinik Tübingen einige Jahre lang Teilhaber an der Zollernalb Klinikum gGmbH gewesen, bis im Jahr 2009 das Bundeskartellamt eingriff. Die Beteiligung des Tübinger Klinik wurde mit der Begründung untersagt, die Marktmacht des Verbundes sei zu groß und würde zu einer regionalen Monopolstellung führen. Das stieß zwar auf Unverständnis, doch man fügte sich. Nach der angeordneten Entflechtung gehören dem zwölfköpfigen Aufsichtsrat des Zollernalb-Klinikums nun noch zwei Vertreter aus Tübingen an. Neben Michael Bamberg ist dies die Kaufmännische Leiterin des Uniklinikums, Gabriele Sonntag.

Kreiskrankenhaus in Hechingen wird aufgegeben

In Balingen beziehen derzeit Patienten und Mediziner den ersten von zwei Bauabschnitten des Klinikums. Die letzten Ärzte wechseln von Hechingen in die Kreismetropole. Dass das Kreiskrankenhauses in Hechingen aufgegeben wird, hat in der Stadt sehr viel Unmut bereitet. Wegen des  großen Besucherandrangs der Bürgerschaft musste eine Kreistagssitzung sogar vom Landratsamt in die Balinger Stadthalle verlegt werden. Doch die Proteste auch eines Fördervereins mit 3000 Mitgliedern halfen letztlich nichts, die Entscheidung der Kreisräte fiel im Mai 2005 knapp gegen Hechingen aus.

Günther-Martin Pauli spricht nun von einem „Zwei-Standorte-Konzept“ in Balingen und Albstadt mit weiteren Optionen. Damit deutet er an, dass irgendwann ein Ein-Standort-Konzept folgen könnte und sich das gesamte Krankenhauswesen des Kreises auf Balingen konzentrierte. Doch eine Aufgabe des erst vor einigen Jahren sanierten Klinikums von Albstadt ist keinesfalls beschlossene Sache.

Der zweite Bauabschnitt soll 2014 fertig sein

Beschlossen ist dagegen ein zweiter Bauabschnitt in Balingen, der jetzt begonnen wird und bis 2014 abgeschlossen sein soll. Laut Pauli liegen die Investitionen bei insgesamt 80 Millionen Euro, von denen 33 Millionen Euro vom Land und 47 Millionen vom Landkreis getragen werden. Einer Privatisierung erteilte Pauli, der auch dem Aufsichtsrat des Zollernalb-Klinikums vorsteht, eine deutliche Absage. „Die Investitionen des Landkreises in die Klinik sind ein klares Signal, dass wir weiterhin die kommunalpolitische Verantwortung für die Krankenhäuser tragen werden.“

Mehr als tausend Balinger haben sich in den letzten Wochen den Krankenhausneubau angesehen, für den laut Geschäftsführer Josef Weiss mehr Geld ausgegeben worden ist als jemals für ein Bauprojekt im Kreis. 183 Betten bietet Balingen nun, vier OP-Säle, sechs Stationen, 18 Intensivbetten. Beim Farbkonzept durften die Mitarbeiter Einfluss nehmen. Das brachte ein Patt, wie Landrat Pauli berichtet. Das kühle Grün des Altbaus ist passe, der Kompromiss führte zu viel Gelb-Orange in den und um die Zweibettzimmer der Patienten, für andere Räume wurde Blau gewählt. Stolz ist Pauli auf die Geräuschdämmung, trotz der Nähe zur B 27 ist von der vierspurigen Verkehrsader nicht zu hören. Und es gibt mehr Platz für Angehörige, die sich bisher auf den Fluren drängten.

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