Neubau in Leinfelden-Echterdingen Das ärgert die Anwohner an den Hochhausplänen

Stefan Trucksäß, Nicolas uns Susanne Zschörper (v.l.) stehen der geplanten Neubebauung kritisch gegenüber. Foto: Philipp Braitinger

Die geplanten Häuser nördlich und südlich der Bunsenstraße in Musberg sorgen bei vielen Nachbarn für tiefe Sorgenfalten. Was bewegt die Menschen vor Ort?

Sie wohnen genau daneben. Über viele Jahre hat sich die bauliche Situation am östlichen Rand von Musberg kaum verändert. Seit einigen Monaten werden jedoch die Pläne für zwei neue Hochhäuser in der Bunsenstraße immer konkreter. In der Nachbarschaft sind viele Menschen deswegen besorgt. Sie haben sich in der „Bürgerinitiative Bunsenstraße“ zusammengeschlossen.

 

Stefan Trucksäß ist Teil der Bürgerinitiative und wohnt genau neben jenem Grundstück, das nach dem Willen der Stadt rasch bebaut werden soll. Ihn stört vor allem die Massivität der beiden geplanten Hochhäuser nördlich der Bunsenstraße, wie er vor Ort erklärt. Zunächst ist es ihm aber wichtig zu betonten, dass in der Nachbarschaft wohl niemand gegen einen Wohnungsneubau generell sei. „Dinge ändern sich“, sagt Trucksäß. Es sehe jeder ein, dass die Stadt neue Wohnungen brauche.

Aber müssen es zwei große Hochhäuser mit fast hundert Wohnungen sein? Sechs Vollgeschosse und ein Staffelgeschoss sind derzeit vorgesehen. Und es könnten noch technische Anlagen obendrauf kommen. Aus Trucksäß’ Sicht sollten die Häuser höchstens fünf Stockwerke hoch sein. Das Gelände ist zwar abschüssig. Nichtsdestotrotz wird das bisherige Wohngebiet vor allem von kleineren Gebäuden mit zwei, drei oder vier Stockwerken bestimmt. Hochhäuser gibt es nur eines in dem Gebiet. Dass dieses Haus nun als städtebauliche Begründung für weitere Hochhäuser in der Nachbarschaft dienen soll, sieht nicht allein Stefan Trucksäß kritisch.

Zu Stoßzeiten stauen sich die Autos am Kreisverkehr bei Musberg

Nicolas und Susanne Zschörper wohnen ebenfalls neben jenem Grundstück, das nach dem Willen der Stadt neu bebaut werden soll. Nicolas Zschörper fragt, ob denn die Infrastruktur überhaupt so viele neue Bewohner aufnehmen könne. „Wir haben schon jetzt eine starke Verkehrsbelastung“, erklärt er. Besonders zu den Stoßzeiten stauten sich die Autos rund um den Kreisverkehr zwischen Musberg und Leinfelden. Hinzu komme die Parkplatzsituation. Die vorgesehenen privaten und öffentlichen Parkplätze für die neuen Bewohner würden kaum reichen, befürchtet er. Und der Verkehr ist nur das eine Thema. Wie ist es mit anderen Einrichtungen, Schulen und Kindergärten beispielsweise?

Nicht direkt neben dem heiß diskutierten Baufeld, aber in zweiter Reihe wohnt Sebastian Lange. Er hat sich für die Bürgerinitiative intensiv mit dem Bauvorhaben beschäftigt und verschiedene Computersimulationen angefertigt, um die Höhen und Kubaturen der geplanten Gebäude anschaulich zu verbildlichen. „Wie kann man so etwas städtebaulich begründen“, fragt er rhetorisch mit Blick auf die Darstellung auf dem Bildschirm. In seiner umfangreichen Stellungnahme an das Planungsamt der Stadt hat er außerdem weitere kritische Punkte wie die zukünftige Verschattung formuliert. Hinzu könnte kommen, dass die neuen großen Gebäude den Fluglärm in die Nachbarschaft tragen könnten.

Dass so große Hochhäuser gebaut werden sollen, das schreiben die Anwohner dem Wunsch des Investors zu. Aus Sicht der Nachbarn sind Stadt und Gemeinderat dem Investor zu weit entgegengekommen. Sie kritisieren das bisherige Verfahren. Es habe zwar eine Mehrfachbeauftragung gegeben, aus welcher ein Siegerentwurf hervorgegangen war. An die Anwohner habe man dabei zu wenig gedacht, meinen die Nachbarn. Und warum man sich trotz massiver öffentlicher Kritik so sehr an den Siegerentwurf klammere, fragen sie sich auch.

Entscheidung des Gemeinderats steht noch aus

Die Stadt betont indessen, dass aufgrund der Kritik aus der Nachbarschaft die Pläne des Investors bereits abgespeckt wurden. Auf dem Rathaus befürchtet man, die Firma Strenger mit weiteren Verringerungen beim Bauvolumen vollends zu vergraulen und damit auf absehbare Zeit keine neuen Wohnungen auf den Flächen nördlich der Bunsenstraße zu bekommen.

Wie geht es nun weiter? Zunächst möchten die Anwohner abwarten, ob der Bebauungsplan in der aktuellen Form vom Gemeinderat verabschiedet wird. Ob danach ein Gerichtsverfahren gegen die Pläne angestrebt werden sollen, wird sich dann zeigen.

Details der Pläne

Fläche
Die beiden Bebauungsplanverfahren erstrecken sich auf einer Gesamtfläche von rund 13800 Quadratmetern. Die Firma Strenger möchte im nördlichen, das Unternehmen BPD im südlichen Baufeld bauen.

Wohnraum
Ursprünglich waren einmal 235 Wohnungen geplant. Nachdem die Pläne bereits in der Vergangenheit abgespeckt wurden, könnten es etwas weniger Wohnungen werden. Vermutlich werden einmal 500 bis 600 Menschen in dem Gebiet wohnen.

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