Neubau von Bäckerei Bald gibt es in Großbottwar Brötchen am Drive-in-Schalter

Stephanie Tadday und ihr Bruder Christian Nestel haben große Pläne für das riesige Gelände am Ortsrand von Großbottwar. Foto: Werner Kuhnle

Die Bäckerei Nestel baut auf 60 Ar eine neue Zentrale mit allem drum und dran – und vermutlich einem Alleinstellungsmerkmal im Landkreis Ludwigsburg.

Schon Ende des 19. Jahrhunderts haben die Ahnen der Familie Nestel in Oberstenfeld professionell Teig geknetet und Brot in den Ofen geschoben. Bis heute hat die gleichnamige Bäckerei ihren Sitz in der Gemeinde. Allerdings hat sich der Betrieb im Laufe der Zeit zu einem mittelständischen Unternehmen mit fast 250 Mitarbeitern gemausert. Die Kapazitäten am bisherigen Standort in der Ortsmitte sind erschöpft. „Wir bekommen praktisch wöchentlich Anfragen, ob wir eine Filiale übernehmen wollen. Dazu fehlt uns aber der Platz, den es unter anderem braucht, um den Teig ruhen zu lassen“, sagt Christian Nestel, der die Geschäfte zusammen mit seinen Schwestern Stephanie Tadday und Michaela Ritz führt. Ein Problem, das demnächst der Vergangenheit angehören dürfte.

 

Die Familie will Nägel mit Köpfen machen und ihre Zentrale nach Großbottwar verlagern. Dort hat sich Werner Nestel bereits 2017 in weiser Voraussicht am Ortseingang aus Richtung Oberstenfeld das Grundstück der früheren Treppenbaufirma Majer gesichert. Seine drei Kinder, die das Ruder vor wenigen Jahren von ihm übernommen haben, wollen dort nun auf einer Fläche von 60 Ar einen Neubau errichten lassen. Geplant ist ein unterkellertes, in Teilen zweigeschossiges Gebäude mit insgesamt 8500 Quadratmetern. Zum Vergleich: im bisherigen Domizil muss sich das Nestel-Team mit rund 1000 Quadratmetern arrangieren.

So soll die neue Zentrale einmal ausschauen. Foto: Nestel/Harsch

Der Clou ist, dass in den Neubau ein Drive-in-Schalter integriert sein wird. Ein Angebot, das Nestel seinen Kunden schon bei einer Filiale in Beilstein im Landkreis Heilbronn unterbreitet. „Das dürfte es im Landkreis Ludwigsburg noch nicht geben“, sagt Stephanie Tadday.

Frank Sautter, Geschäftsführer der Bäckerinnung Alb-Neckar-Nordschwarzwald, kann das zwar nicht abschließend bestätigen. Tatsache sei aber, dass solche Drive-in-Schalter im Großraum Stuttgart selten vorkämen, weil man auch den entsprechenden Platz für eine Zufahrt brauche.

In Beilstein hat sich das Konzept jedenfalls bewährt, wie Stephanie Tadday berichtet. „Es ist zum Beispiel für Eltern praktisch, die mit dem Auto unterwegs sind, Brezeln besorgen wollen, aber nicht ihre Kinder auf der Rückbank aus dem Maxi-Cosi holen und dann wieder anschnallen wollen“, sagt die 41-Jährige. „Man kann dann auch mal in legerer Kleidung das Haus verlassen, wenn man zum Bäcker will“, ergänzt ihr Bruder Christian.

Café mit Sitzgelegenheiten für mehr als 100 Gäste

Ein weiterer Baustein der neuen Zentrale wird neben dem klassischen Verkauf am Tresen ein Café samt Sonnenterrasse auf dem Dach sein. Mehr als 100 Sitzplätze sollen hier zur Verfügung stehen. Dazu sind Besprechungsräume und zeitgemäße Sozialräume angedacht. „Es soll auch toll für die Mitarbeiter werden“, betont Christian Nestel. Deshalb wolle man auch im Freien einen Rückzugsort mit Sonnendeck schaffen, an dem sich das Team in den Arbeitspausen ausruhen kann. Die Räumlichkeiten in dem Domizil können auch für Veranstaltungen oder Meetings gemietet werden, sagt Stephanie Tadday.

Das Grundstück liegt unterhalb der Ortsdurchfahrt von Großbottwar gleich am Ortseingang. Foto: Werner Kuhnle

Herzstück des ganzen Komplexes werden die Backstube und die Kühlhäuser sein, in denen der Teig reifen und ruhen kann. Die Lagerflächen sollen so dimensioniert sein, dass die Stückzahlen nach oben gefahren werden können – was dann auch den Weg für eine Expansion freimacht. „Uns geht es nicht darum, 50 Standorte zu bedienen“, betont Christian Nestel. „Aber die eine oder andere Filiale mehr könnten wir von der neuen Zentrale aus schon mit unseren Waren beliefern“, kündigt der 39-Jährige an. „Wo das sein wird, muss man sehen. Ob im Ludwigsburger oder im Heilbronner Raum: wichtig ist, dass es passt“, ergänzt seine Schwester Stephanie Tadday, eine studierte Betriebswirtschaftlerin.

Bei der Standortauswahl für die neue Zentrale, in der auch die Verwaltung untergebracht sein wird, hat die Familie ebenfalls feste Maßstäbe angelegt. Ganz entscheidend war dabei insbesondere, die Waren nicht irgendwo fernab vom Schuss auf der grünen Wiese zu produzieren. „Obwohl wir das Filialnetz ausbauen wollen, werden wir weiter eine Handwerksbäckerei sein und sichtbar machen, wo unsere Produkte entstehen“, streicht Christian Nestel hervor, der Bäcker- und Konditormeister ist. „Ziel ist, für unsere Produkte mit noch mehr Technik die beste Umgebung zum Reifen zu schaffen. Das Rezept für ein Brot ist ja im Prinzip immer gleich, es geht aber um das Handling, die Details, wie viel Zeit man einem Teig zum Beispiel zum Reifen gibt“, erklärt er.

Das Material aus dem Vorgängerbau auf dem Grundstück soll, so weit es geht, wiederverwertet werden. Foto: Werner Kuhnle

Geduld ist auch im Hinblick auf den Neubau gefragt. Der Technische Ausschuss der Stadt Großbottwar hat zwar schon im Juli sein Okay für das Baugesuch gegeben, doch vom Landratsamt fehlt noch grünes Licht. Winkt auch das Kreishaus die Pläne durch, soll der Spatenstich im Frühjahr 2025 erfolgen und gegen Sommer 2026 die Eröffnung gefeiert werden. Von da an muss man in Großbottwar das Auto nicht mehr verlassen, wenn man beim Bäcker einkauft.

Hohe Investition und nachhaltige Technologie

Filialnetz
Der Neubau der Bäckerei Nestel soll in der Hoftalstraße in der Nähe des Kreisverkehrs am Ortseingang von Großbottwar aus Richtung Oberstenfeld entstehen. Der Familienbetrieb, der aktuell zehn Filialen zwischen Untergruppenbach im Landkreis Heilbronn und Steinheim an der Murr im Kreis Ludwigsburg betreibt, investiert dafür einen zweistelligen Millionenbetrag.

Stromversorgung
In ökologischer Hinsicht soll die Bäckerei moderne Standards erfüllen. Das gesamte Dach soll mit einer PV-Anlage bestückt werden. Der Strom soll selbst genutzt, überschüssige Energie ins allgemeine Netz eingespeist werden. Das Gebäude wird ohne klassische Heizung realisiert, stattdessen soll die Abwärme aus der Backstube und den Kühlanlagen genutzt und in großen Pufferspeichern für den täglichen Bedarf konserviert werden.

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