Neubaugebiet in Rielingshausen Der schwere Abschied vom Wärmenetz

Das Gebiet in Ortsrandlage soll nach wie vor erschlossen werden, aber ohne Wärmenetz. Foto: Archiv (Werner Kuhnle)

Die Häuser im Neubaugebiet im Marbacher Stadtteil Rielingshausen sollten mit einer innovativen Technik beheizt werden. Es wurde viel geplant und untersucht. Nun kommt die Rolle rückwärts.

Der Keltergrund in Rielingshausen sollte nicht irgendein Neubaugebiet sein. Vor allem dem Ortschaftsrat im Marbacher Stadtteil schwebte lange Zeit ein Quartier vor, das in Sachen Heiztechnik Maßstäbe setzt. Die Gebäude in dem rund sieben Hektar großen Neubaugebiet sollten an ein kaltes Nahwärmenetz angedockt werden. Über ein im Erdreich verbuddeltes Kollektorenfeld wollte man der Umgebung Wärme abringen und sie dann an die Häuser liefern. Eine Lösung, die schließlich auch der Gemeinderat mehrheitlich präferierte. Eine Lösung, auf die man sich die vergangenen zwei Jahre trotz mancher Unkenrufe versteifte – und die jetzt doch zu Grabe getragen wird.

 

Verzicht auf das Wärmenetz, lieber individuelle Lösungen

Schweren Herzens und bei nur vier Ja-Stimmen aus den Reihen der CDU und der Freien Wähler, aber gleich sechs Enthaltung und zwei Gegenstimmen der SPD-Räte Christiane Scheuing-Bartelmess und Uli Lauterwasser beschloss der Ortschaftsrat nun, auf das kalte Wärmenetz zu verzichten. Stattdessen müssen Häuser nach dem hohen Effizienzstandard 40 gebaut werden, um möglichst wenig Energie zu benötigen. Für die Heizungen wird es individuelle Lösungen geben, sodass es auf dezentrale Luft-Wärmepumpen hinauslaufen dürfte.

Dieses Konzept hatte Raphael Gruseck von der Ludwigsburger Energieagentur (LEA) dem Gremium zuvor ans Herz gelegt. Gruseck stellte nicht in Abrede, dass man mit der kalten Nahwärme vor zwei Jahren auf ein innovatives Modell gesetzt hatte. „Aber die Welt hat sich seitdem wahnsinnig schnell gedreht“, sagte der Fachmann. Der Effizienzvorteil des Netzes in einem Neubaugebiet sei gering. Zumal Wärmepumpen mittlerweile auch äußerst leise liefen. Dazu sei die Bebauung im Keltergrund nicht so dicht, folglich die Zahl der potenziellen Abnehmer überschaubar. Zudem sei bis dato kein Partner gefunden worden, der sich um die Leitungen hätte kümmern wollen.

Viele Gebäude hätten vom Wärmenetz nicht profitiert

Mit das größte Manko war aus Sicht von Gruseck aber, dass die bestehenden Gebäude in Rielingshausen von dem Projekt nicht profitiert hätten. Man schaffe es ja kaum, genügend Kollektoren-Fläche für eine Wärmeversorgung des Neubaugebiets zusammenzubekommen. Insofern könne das Netz erst recht nicht auf Wohnviertel ausgeweitet werden, die schon vor Jahren realisiert wurden, entsprechend weniger energieeffiziente Gebäude haben und deshalb sogar ein höheres Temperaturniveau benötigen.

Gruseck riet zudem davon ab, so viel personelle und finanzielle Ressourcen in ein einziges Vorhaben zu stecken, bei dem für ein ganzes Wohngebiet lediglich ein Wärmebedarf benötigt werde, der 15 Einfamilienhäusern im Bestand entspreche. Und das in einer Phase, wo man kurz- bis mittelfristig möglichst viele Wärmenetze in den vorhandenen Quartiere auf der Gemarkung bauen sollte. „Man sollte die Ressourcen dahin lenken, wo es notwendig ist“, resümierte Gruseck. „Wir müssen viel größer denken“, pflichtete ihm Ortsvorsteher Jens Knittel (Freie Wähler) bei. Christiane Scheuing-Bartelmess war indes enttäuscht von der Trendumkehr. „Wir hätten ein prima Vorzeige-Projekt gehabt“, meinte sie – für das im Rückblick quasi für die Katz viel geplant und untersucht wurde.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Marbach