Neubaugebiet in Stuttgart-Stammheim Baggerbiss im Gebiet Langenäcker-Wiesert

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Mit einem Festakt wurde der Baustart für das Neubauvorhaben im Osten des Bezirks gefeiert. Rund 320 Wohneinheiten sollen dort entstehen. Die Liste der Interessenten ist lang.

Vom Bürgermeister zum Baggerführer: Mit einem symbolischen Baggerbiss hat der Stuttgarter Technikbürgermeister Dirk Thürnau im Kreise geladener Gäste die Erschließungsmaßnahmen für das Wohnbauprojekt im Stammheimer Osten gestartet. Foto: Chris Lederer
Vom Bürgermeister zum Baggerführer: Mit einem symbolischen Baggerbiss hat der Stuttgarter Technikbürgermeister Dirk Thürnau im Kreise geladener Gäste die Erschließungsmaßnahmen für das Wohnbauprojekt im Stammheimer Osten gestartet. Foto: Chris Lederer

Stammheim - Franz Müller (Name von der Redaktion geändert) steht an der Hebert­straße und schaut auf die Äcker und Wiesen davor: „Schon als Bub bin ich hier herumgesprungen und habe mit der Sense Gras geschnitten“, sagt der gebürtige Stammheimer. Eines der Grundstücke im Gebiet Langenäcker-Wiesert gehört dem Senior. „Mein Großvater war Landwirt und wollte schon in den 50er Jahren hier bauen. Daraus wurde zu seinen Lebzeiten leider nichts. Jetzt bauen hier bald meine Kinder – ich bin froh, dass es endlich losgeht!“

Einen Steinwurf von Müller entfernt, sitzt der Technikbürgermeister Dirk Thürnau an den Steuerknüppeln eines Baggers. Heute ist Festakt im 8,8 Hektar großen Neubaugebiet Langenäcker-Wiesert. Hier sollen in den kommenden Monaten rund 320 Wohneinheiten entstehen, inklusive Kindertagesstätte, Spielplatz, Biotopen und Grünflächen.

Unter dem Dröhnen des Dieselmotors lässt Bürgermeister Thürnau die Schaufel senken, gräbt sie tief in den Boden und holt eine volle Ladung Erde heraus: Der Baggerbiss ist vollbracht, der symbolische Baustart erfolgt. In den kommenden Monaten werden dann die Profis übernehmen und zunächst Kanalrohre verlegen, Straßen pflastern und asphaltieren sowie einen Grünanger anlegen. Wenn die Erschließung fertig ist, können die Häuser gebaut werden.

450 Interessenten im Bezirksrathaus registriert

„Jede Neubebauung ist heutzutage umstritten“, sagt Bezirksvorsteherin Susanne Korge. Erhalt von Ackerflächen, Grün und Natur stünde auf der einen, die Schaffung von Wohnraum auf der anderen Seite. „Da schlagen zwei Herzen in meiner Brust“, sagt sie. Aber am Ende müsse eine Entscheidung her und der Gemeinderat habe sich diese nicht leicht gemacht. „Wie schwierig die Suche nach Wohnraum ist, sieht man an den Grundstücks- und Mietpreisen.“ Und an der Liste mit derzeit 450 Interessenten, die sich im Bezirksrathaus registriert haben, um über den Verlauf des Projekts informiert zu werden. „Ich freue mich, dass seitens der Stadt die Themen Ökologie und Nachhaltigkeit sehr wichtig genommen werden, zum Beispiel bei der Entwässerung mit einem Mulden-Rigolen-System und mit dem Anlegen von Wildbienen-Habitaten.“

Bürgermeister Dirk Thürnau verwies eingangs seiner Rede auf den langen Vorlauf des Projekts, mit dem schon 2005 begonnen wurde. Erst Ende 2013 wurde der Bebauungsplan beschlossen. Es folgte darauf zunächst ein freiwilliges Umlegungsverfahren, bei dem sich aber nicht alle Eigentümer einig wurden, wodurch es durch ein amtliches Verfahren abgelöst wurde. Im Zuge dessen hatten dann Eigentümer geklagt, was zu weiteren Verzögerungen geführt hatte. „Glücklicherweise konnte der Rechtsstreit im letzten Jahr zugunsten der Landeshauptstadt entschieden werden“, sagt Thürnau.

Stadt investiert 7,2 Millionen Euro

Die Stadt investiert in die Erschließung, inklusive Planungsleistungen, rund 7,2 Millionen Euro. 2,4 Millionen entfallen auf den Neubau öffentlicher Straßen und Wege, gut zwei Millionen auf den Neubau von Kanälen und Versickerungsflächen. Eine Besonderheit in Langenäcker-Wiesert wird die Trennung von Abwasser und Niederschlagswasser. Das Abwasser fließt direkt in die Kläranlage, und wird dort gereinigt. Das Niederschlagswasser wird in der zentralen Grünfläche vor Ort gesammelt, versickert dort und wird nur ausnahmsweise bei besonders starkem Niederschlag ins Kanalsystem umgeleitet. „Der zentrale Grünanger hat aber mehr zu bieten als die Versickerung von Oberflächenwasser. Er dient zur Naherholung und bietet Kindern eine große Fläche zum Spielen, Klettern und Erkunden.“ Dem nicht genug: In dem Bereich „werden die seltenen Wildbienen, die hier im Neubaugebiet angetroffen wurden, neue Lebens- und Nahrungsräume finden“.

Das gesamte Baugebiet hat eine Fläche von 88 000 Quadratmeter, davon werden rund 20 000 Quadratmeter Verkehrsflächen und 8400 Quadratmeter öffentliche Grünflächen. Zudem sollen 70 neue Bäume gepflanzt werden. Die Bauarbeiten erfolgen in drei Abschnitten, unter anderem, um die dort lebenden Wildbienen zu schützen. Begonnen wird mit dem Mulden-Rigolen-System im Grünanger, gefolgt von Erschließungsmaßnahmen im Süden und Westen, anschließend im nördlichen Teil des Baugebiets. Die Arbeiten sollen Ende 2019 abgeschlossen sein. Im Sommer 2019 soll bereits mit den privaten Bauvorhaben im südlichen und westlichen Teil begonnen werden. Die Vermarktung der städtischen Grundstücke soll laut Bezirksvorsteherin Susanne Korge im Juli, August beginnen.

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