Neubaupläne in Ludwigsburg Wüstenrot plant ein Stadtquartier

Der Wüstenrot-Turm im Vordergrund bleibt stehen. Der weiße Gebäudeblock in der Bildmitte und die dazwischenliegenden Immobilien werden  voraussichtlich abgerissen. Das Unternehmen will dort ein Quartier für Wohnungen, Büros und Handel bauen. Foto: Google
Der Wüstenrot-Turm im Vordergrund bleibt stehen. Der weiße Gebäudeblock in der Bildmitte und die dazwischenliegenden Immobilien werden voraussichtlich abgerissen. Das Unternehmen will dort ein Quartier für Wohnungen, Büros und Handel bauen. Foto: Google

Wohnungen, Büros, Handel: Wo derzeit noch die Wüstenrot-Belegschaft arbeitet, soll von 2023 an ein neues Stadtquartier in Ludwigsburg wachsen. Das markante Hochhaus bleibt zwar stehen, aber im Umfeld sollen mehrere Gebäude abgerissen werden.

Lokales: Tim Höhn (tim)
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Ludwigsburg - Das Wüstenrot-Hochhaus ist eines der markantesten Gebäude in Ludwigsburg. 72 Meter ragt es im Süden der Stadt in die Höhe, als wuchtiger Solitär. Nicht wirklich schön, hat sich das Haus in den vergangenen 40 Jahren trotzdem in so etwas wie ein Wahrzeichen verwandelt. Weswegen, als das Unternehmen 2016 entschied, den Sitz nach Kornwestheim zu verlagern, viele befürchteten, auch der Turm stehe zur Disposition. Inzwischen steht fest: Das tut er nicht. „Es gibt keinerlei Pläne, das Hochhaus aufzugeben“, sagt der Firmensprecher Immo Dehnert auf Nachfrage unserer Zeitung.

Das Gebäude aus den 1970er Jahren sei in einem guten Zustand und mit rund Tausend Mitarbeitern belegt. Das werde sich auch nicht ändern, wenn im Jahr 2023 der neue, 400 Millionen Euro teure Campus in Kornwestheim fertig werde.

Für die Ludwigsburger Südstadt wird der Wegzug von Wüstenrot zur Zäsur

Das allerdings wird wohl die einzige Konstante bleiben. Nördlich des Hochhauses gruppiert sich auf Ludwigsburger Gemarkung eine ganze Reihe von Gebäuden, die von der Wüstenrot&Württembergische-Gruppe (W&W) nach dem Umzug nicht mehr benötigt werden. Darunter ein wesentlich niedrigerer Hochhausblock zwischen der Hohenzollernstraße und den Bahngleisen, der in den 1950er Jahren errichtet wurde. „Der könnte im Zuge der Neugestaltung abgebrochen werden“, sagt Dehnert. Das Gleiche gelte für die zwischen den Hochhäusern liegenden Gebäuderiegel. Nicht betroffen sind die Immobilien weiter nördlich, die W&W lediglich gemietet hat. Insgesamt umfasst das Ludwigsburger Wüstenrot-Areal 22 000 Quadratmeter.

Viel Platz für Neues, und deswegen dürfte das Jahr 2023 zur Zäsur für die Südstadt Ludwigsburgs werden. Die W&W-Gruppe hat bereits umfassende Ideen entwickelt. Das Unternehmen will seine Grundstücke nicht verkaufen, sondern in Eigenregie umgestalten und mit Gebäuden für Wohnungen, Büros und Handel bestücken – ein neues Stadtquartier. „Das liegt zwar nah an der Bahnlinie, ist aber mit entsprechendem Schallschutz sicher sehr gut zum Wohnen geeignet“, sagt Dehnert.

Für die Stadt sind die Pläne mehr als nur ein Trostpflaster

Für die Stadt, für die der Wegzug eines der wichtigsten Gewerbesteuerzahlers einen herben Verlust darstellt, ist das mehr als ein Trostpflaster. Denn Wohnungen fehlen an allen Ecken und Enden. Insofern, sagt der Chefstadtplaner Martin Kurt, gehe das Wüstenrot-Konzept in die richtige Richtung. Aber es seien noch Fragen zu klären. Etwa, wie das Parkplatzproblem vor Ort gelöst wird. Ob und wann eine direkte Busverbindung vom Bahnhof bis zu Wüstenrot geschaffen wird. Auch die Frage, inwiefern die vorhandenen Grünflächen ausgeweitet werden können, muss beantwortet werden. Selbst wenn es sich um ein privates Projekt handelt, kann die Stadtverwaltung über den Bebauungsplan Entwicklungen, die sie für schädlich hält, stoppen.

Entscheidend dürfte sein, wie dicht Wüstenrot bauen möchte. Das Unternehmen denkt offenbar an hohe Häuser, und grundsätzlich hat das Rathaus damit kein Problem. Während es für andere Teile der Stadt strenge Höhenvorgaben gibt, gilt diese Ecke als Standort, der auch für Hochhäuser geeignet ist. Auch am Bahnhof soll in den kommenden Jahren ein riesiges Haus für Wohnungen und Gewerbe in die Höhe wachsen. Aber: Alles hat Grenzen, und zwischen den Zeilen lässt sich heraushören, dass die Verwaltung noch nicht vollends begeistert ist von den Ideen, die Wüstenrot hinter verschlossenen Türen präsentiert hat. „Auch wir wollen, dass dort ein lebendiges Quartier mit einem gesunden Nutzungsmix entsteht“, sagt Kurt. Aber über die Details müsse man noch sprechen.

Wechsel in Großraumbüros

Einzug
Ende des vergangenen Jahres haben rund 1200 Beschäftigte von W & W die neuen Büros auf Kornwestheimer Gemarkung bezogen. Einen weiten Weg hatten sie nicht zurückzulegen: Die meisten von ihnen haben zuvor in den Bürohäusern südlich des sogenannten GDF-Knotens gearbeitet, die nunmehr abgerissen werden sollen, um Platz zu schaffen für den zweiten Bauabschnitt des neuen Wüstenrot-Campus. Umgezogen sind unter anderem das Rechenzentrum, die IT und der Vertriebsinnendienst von Wüstenrot. Viele Mitarbeiter, so heißt es bei W & W, seien angetan von den neuen Räumlichkeiten, einige würden sich aber auch noch schwer tun mit dem Wechsel in die Großraumbüros. Eine Kantine für die Beschäftigten gibt es im Hochhaus, die neuen Bürohäuser verfügen zudem über ein Bistro, das ganztägig geöffnet ist und in dem auch ein Mittagstisch angeboten wird.

Tagung Die Büros in den beiden neuen W & W-Häusern werden ergänzt durch Seminar- und Tagungsräume. Dort treffen sich am Mittwoch, 17. Januar 2018, die Führungskräfte des Hauses zur Jahresauftaktveranstaltung.

Ausblick Noch in diesem Jahr beginnt der Abriss der alten Bürohäuser östlich der Ludwigsburger Straße. Dann wird mit der Verwirklichung des zweiten Bauabschnitts begonnen. 2023 ist die Fertigstellung vorgesehen. Der Standort Stuttgart wird aufgegeben, Karlsruhe wohl verkleinert.




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