Neubaupläne in Waiblingens Zentrum Auf die Tankstelle soll ein Ärztehaus folgen

Von Annette Clauß 

Wo rund 60 Jahre Treibstoff verkauft wurde, könnte sich in Zukunft alles um die Gesundheit drehen: Zwei Investoren aus Waiblingen planen an der Querspange einen Neubau, der aus verschiedenen Gründen kritisch gesehen wird.

Schräg gegenüber des Waiblinger Postplatzes stehen   derzeit noch die Überbleibsel der 1961 errichteten Tankstelle. Foto: Gottfried Stoppel
Schräg gegenüber des Waiblinger Postplatzes stehen derzeit noch die Überbleibsel der 1961 errichteten Tankstelle. Foto: Gottfried Stoppel

Waiblingen - Ein Gesundheitszentrum mit Arztpraxen, inhaltlich passenden Läden im Erdgeschoss und möglicherweise Räumlichkeiten für betreutes Wohnen wollen zwei Investoren aus Waiblingen schräg gegenüber des Postplatzes errichten. Bebaut werden sollen nach deren Plänen das Gelände der seit diesem Sommer stillgelegten Avia-Tankstelle, das dem Investor Dietrich Heymann gehört, sowie drei weitere Grundstücke, die im Besitz der Stadt sind. Ihre Pläne haben Hartmut Villinger und Dietrich Heymann nun dem Waiblinger Gemeinderat präsentiert.

Das Gelände, das vor vielen Jahren als Bauplatz für eine Zeitungsdruckerei gedacht gewesen sei, wolle man mit einer „hochwertigen Bebauung“ versehen, erläuterte Hartmut Villinger. Es könne als Eingangstor zur Innenstadt und als ein Frequenzbringer für diese dienen. „Wir wollen eine lebendige Stadt, ein Ärztehaus auf der grünen Wiese wäre Unsinn.“ Von der Idee, in dem Bau mit rund 5500 Quadratmetern Nutzfläche auch Gastronomie unterzubringen sei man aber abgerückt.

Gemeinderat überrascht von Gesprächen mit Investoren

Für die Praxisräume gebe es bereits konkrete Anfragen von Ärzten und das Umfeld passe bestens – in unmittelbarer Nachbarschaft sind schon eine Apotheke, ein Sanitätshaus und die Zentralklinik angesiedelt, letztere ein Projekt von Villingers Bruder Ulrich. Das Gesundheitszentrum werde die medizinische Versorgung in Waiblingen langfristig sichern, betonte Hartmut Villinger.

Dass sich auf dem Gelände in bester Lage etwas tun muss – darüber waren sich die Gemeinderätinnen und -räte einig. Allerdings gab es einige Kritik, teils am Projekt selbst, teils am Vorgehen der Stadtverwaltung. Diese hatte offenbar schon vor rund zwei Jahren Gespräche mit den Investoren aufgenommen, ohne dass die Räte davon wussten. Verwunderung löste auch ein Schreiben aus, das ein Anwalt im Auftrag von Thomas und Stefan Bauer, Eigentümern eines Nachbargrundstücks, an das Gremium versandt hatte.

Darin werden die Räte gebeten, die Planung für das Avia-Areal zu überdenken und „eine städtebaulich sinnvolle Gesamtlösung unter Einbeziehung aller Grundstücke beziehungsweise Grundstückseigentümer anzustreben“. Der Vorwurf an die Stadt: diese habe die Interessen der übrigen Grundstückseigentümer, die sich zu einer gemeinsamen Überplanung des Areals bereit erklärt hätten, ignoriert.

Weitere Eigentümer fühlen sich übergangen

Thomas Bauer erklärte auf Nachfrage unserer Zeitung: „Wir wollen das Projekt nicht verhindern oder blockieren.“ Allerdings fühlten sein Bruder und er sich veräppelt. Bereits in den Jahren 2015, 2016 und 2018 sei man auf die Stadt zugegangen, um über Ideen für eine Bebauung des Gesamtareals zwischen der Fronacker- und der Fuggerstraße zu sprechen, immerhin gehöre der Familie Bauer das größte Grundstück im Areal. Die Verwaltung habe das Ansinnen jedoch abgelehnt und versichert, erst wenn die Tankstelle nicht mehr in Betrieb sei, werde man das Projekt gemeinsam mit allen Eigentümern angehen. Umso überraschter sei er gewesen, als im Sommer plötzlich ein fertig formulierter Bauantrag nebst Planung der Investoren Villinger und Heymann von der Stadt präsentiert worden sei.

Er habe das Anwaltsschreiben nicht erhalten, obwohl er auch Mitglied des Gemeinderats sei, sagte der Oberbürgermeister Andreas Hesky in der Sitzung: „Deshalb nehme ich auch keine Stellung dazu.“ Hesky versicherte, man habe nur „lockere Gespräche“ mit den Investoren geführt, bei denen nichts zugesichert worden sei. Auch Hartmut Villinger bestätigte, es gebe bislang keine Zusage von der Stadt, dass diese die drei für das Projekt benötigten Grundstücke an die Investoren verkauft.

Auch am Bauprojekt selbst gab es Kritik. So pocht die CDU-Fraktion darauf, dass unter dem Ärztehaus eine öffentliche Tiefgarage mit drei Ebenen gebaut wird, eigentlich geplant waren lediglich Stellplätze für die im Ärztehaus Beschäftigten. Die Fronackerstraße sei bereits jetzt hochbelastet, argumentierte der Architekt Cemal Isin: „Stellplätze ziehen nur zusätzlichen Verkehr an.“

Das Kienzle-Areal als Alternativstandort?

Sie sei offen für ein Ärztehaus, sagte Iris Förster von der Agtif-Fraktion: „Aber will man der Fronackerstraße noch mehr Verkehr zumuten?“ Auch müssten alle Beteiligten gleiche Chance bekommen, sagte Förster im Hinblick auf die anderen Eigentümer. Und brachte dann einen neuen Standort für ein Ärztehaus ins Gespräch: Das einige hundert Meter entfernte Kienzle-Areal, das ebenfalls in Privatbesitz ist. Die Diskussion endete mit dem einstimmigen Grundsatzbeschluss, eine städtische Aufwertung im Bereich der vier Grundstücke anzugehen. Eine Mehrheit der Räte stimmte auch dem Beschluss zu, dass die Grundlage dafür die vorgelegten Pläne des Büros Isin + Co sein könnten.

Zunächst will man aber die Ergebnisse einer von 57 Bürgerinnen und Bürgern beantragten Bürgerbeteiligung zur Aufwertung des Quartiers abwarten, sie soll im kommenden Frühjahr stattfinden.




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