Neubauprojekt in Stuttgart-Möhringen Ein „offener Bürocampus“ an der Landhauskreuzung

Von Josef Schunder 

Bis zu 3900 zusätzliche Arbeitsplätze könnten an der Landhauskreuzung in Stuttgart-Möhringen entstehen. Manche Gemeinderatsfraktionen haben Zusatzwünsche.

Siegreicher Entwurf, aber:  Einige Gebäude sollen niedriger werden. Foto: Pickard Chilton/Glück Landschaftsarchitektur/ARP Stuttgart
Siegreicher Entwurf, aber: Einige Gebäude sollen niedriger werden. Foto: Pickard Chilton/Glück Landschaftsarchitektur/ARP Stuttgart

Stuttgart - Großer Daimler-Bürostandort, Pressehaus und Musicaltheater: Viele Arbeitsplätze und auch Publikumseinrichtungen ballen sich an der Landhauskreuzung in Möhringen schon zusammen. Jetzt wird die Bedeutung noch wachsen. Das Immobilienunternehmen Hines will nach dem Kauf des früheren IBM-Areals in der Plieninger Straße 140 auf den üppigen Parkplatz- und Nebenflächen groß bauen. Von bis zu 3900 zusätzlichen Büroarbeitsplätzen ist die Rede. Am 19. März sollen die Pläne im Städtebauausschuss den fachlichen Beratern der Stadt präsentiert werden. Die Gemeinderatsfraktionen haben bereits erste Eindrücke formuliert.

Grüne und Linke fordern einen Anteil von Wohnungen einzuplanen

Im Umwelt- und Technik-Ausschuss forderten die Grünen und die Linke, einen Anteil von regelrechten Wohnungen vorzusehen, nicht nur ein Boardinghaus und Service-Apartments. Die SPD hielt ein „übergreifendes Mobilitätskonzept“ für nötig, das mit Carsharing und anderem allerdings schon angedacht ist. Die Linke warnte vor „einem gebauten Verkehrsstau“. Die FDP hielt es für „normal“, dass zusätzlicher Verkehr entsteht. Die CDU begrüßte die geplante Überbauung von Parkplätzen. Städtebaubürgermeister Peter Pätzold (Grüne) sagte zu, dem Investor den Wunsch nach mehr Wohnungen über Service-Apartments und Boardinghouse hinaus zu übermitteln. Der vorliegende Entwurf könne eine Grundlage für den Bebauungsplan werden, meint die Verwaltung.

Auf dem Tisch liegt der inzwischen geringfügig überarbeitete Siegerentwurf aus einem städtebaulichen Ideenwettbewerb: sechs Gebäudekomplexe und zwischen den beiden Dreiergruppen eine grüne Fuge mit Bäumen, Wasserfläche, Rad- und Fußwegen. Sie verläuft zwischen der Plieninger Straße beim Daimler-Komplex und der Siedlung am Stöfflerweg. Entlang dieser Fuge, empfahl das Preisgericht, sollten „belebende Erdgeschossnutzungen“ entstehen. Der Entwurf stammt vom Architekturbüro Pickard Chilton in Connecticut/USA, das mit den Stuttgarter Büros Glück Lanschaftsarchitektur und ARP Architektenpartnerschaft zusammenarbeitete.

Die Zäune sollen fallen

Bei der Überarbeitung waren seit Herbst die Höhen der Gebäude korrigiert worden: von 38 bis 50 Metern auf maximal 48,9 Meter. Das höchste Gebäude entstünde direkt an der Landhauskreuzung. Die Grünachse wurde im Entwurf dafür stellenweise bis zu viereinhalb Meter schmäler. So sollen – in allen Gebäuden und auf allen Etagen zusammen – nach wie vor bis zu 120 000 Quadratmeter Geschossfläche möglich werden. Umgerechnet sind das fast 17 Fußballfelder.

Wichtig ist den Projektentwicklern bei Hines, dass ein „offener Bürocampus“ entsteht, dass die jetzigen Zäune fallen und dass jedermann dort durchgehen kann. Welche Firmen sich dort einmal ansiedeln werden, ist noch offen. „Wir führen Gespräche“, sagt Valerie Nierbauer vom Hines-Büro in Stuttgart.

Die Stadt möchte die Aufstellung eines neuen Bebauungsplans noch im Sommer beschließen lassen. Es könnte zwei Jahre oder mehr dauern, bis für alle Flächen ein neues Baurecht vorhanden ist. Angestrebt ist allerdings eine Realisierung in mehreren Abschnitten. Am Ende soll das einstige IBM-Gebäude fallen, in dem Daimler-Mitarbeiter tätig sind, und auch dort ein Neubau entstehen. Ziehen die Daimler-Mitarbeiter dann direkt in ein fertiggestelltes Gebäude nebenan ein? So ein Direktumzug wäre denkbar, sagt Valerie Niebauer – wenn Daimler sich dafür entscheide.

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