Neubeginn in Sindelfingen Neuer OB: Was für Kleemann wichtig wird
Sindelfingen bleibt in der Hand eines CDU-Bürgermeisters: Der 40-jährige Markus Kleemann tritt in große Fußstapfen, analysiert unser Redakteur.
Sindelfingen bleibt in der Hand eines CDU-Bürgermeisters: Der 40-jährige Markus Kleemann tritt in große Fußstapfen, analysiert unser Redakteur.
Er sollte am Ende doch Recht behalten. „Die Leute wollen einen Kandidaten mit Bürgermeister-Erfahrung“, sagte Markus Kleemann (CDU) am Abend des ersten Wahlgangs am 11. Mai im Rathaus-Foyer, in dem er noch 273 Stimmen hinter dem Erstplatzierten Max Reinhardt (FDP) gelandet war.
Damals klang das etwas kühn – rechnete er doch damit, dass der größere Teil der Wähler von Lukas Rosengrün zu ihm überlaufen würde. So kam es nun tatsächlich, obwohl der unterlegene Ehninger Bürgermeister sich nach seiner Niederlage für Max Reinhardt ausgesprochen hatte.
Dass auch im Endspurt kein klarer Favorit hervorging, zeigt, wie differenziert die Sindelfinger Bürgerschaft denkt: Kein Lager konnte einen durchschlagenden Vorsprung erringen. Nur 79 Stimmen trennen die beiden am Ende, das ist homöopathisch. Was war das Zünglein an der Waage? „Kaffeesatzleserei“, sagt Reinhardt am Tag nach der Wahl selbst. Sehr erwachsen blickt er bereits nach vorne, will Markus Kleemann die Hand reichen zur Zusammenarbeit. Gut so.
Sonst könnte sich wiederholen, was vor 24 Jahren den Start von Bernd Vöhringer überschattete: Zwischen ihm und dem unterlegenen FDP-Kandidaten Andreas Knapp flogen im Gemeinderat die Funken. Gleichzeitig steht die knappe Entscheidung sinnbildlich für die Herausforderungen, die vor dem neuen OB liegen: In einer Stadt, die sich offenkundig nicht eindeutig auf eine Richtung festlegen wollte, wird es mehr denn je auf Ausgleich, Kommunikation und Fingerspitzengefühl ankommen.
Die Menschen erwarten keinen Alleingang, sondern einen Oberbürgermeister, der integriert, erklärt und überzeugt. Wichtig dabei: Sindelfingen ist nicht Oberstenfeld. Es besteht ein Unterschied zwischen einem idyllischen 7500-Einwohner-Ort im Bottwartal und einer Großen Kreisstadt mit rund 65 000 Einwohnern, davon die Hälfte mit Migrationshintergrund, noch dazu mit einem Weltkonzern vor der Haustür, dem es auch schon mal besser ging.
Markus Kleemann wird Gräben zuschütten müssen, wird die Dimension der Verantwortung begreifen müssen, die jetzt auf ihm lastet. Doch darin liegen große Chancen: Er startet als unbeschriebenes Blatt von außen.