InterviewNeue Abgeordnete Gabriele Reich-Gutjahr (FDP) aus Stuttgart „Es gibt noch viele Liberale“

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Die Kandidatin der Liberalen hat im Wahlkreis Stuttgart II im ersten Anlauf das Zweitmandat errungen und wird in den Landtag einziehen. Trotzdem will die ehemalige Regionalrätin ihren Beruf als Beraterin weiter ausüben.

Gabriele Reich-Gutjahr hätte kein Problem damit, wenn nicht die stärkste Fraktion den künftigen Ministerpräsidenten stellen würde. Foto: Lichtgut/Verena Ecker Foto:  
Gabriele Reich-Gutjahr hätte kein Problem damit, wenn nicht die stärkste Fraktion den künftigen Ministerpräsidenten stellen würde. Foto: Lichtgut/Verena Ecker
Stuttgart - Die Kandidatin der Liberalen hat im Wahlkreis Stuttgart II das Zweitmandat errungen und wird in den Landtag einziehen. Trotzdem will sie ihren Beruf als Beraterin weiter ausüben.
Frau Reich-Gutjahr, wie erklären Sie sich das Wiedererstarken der FDP ?
Wir haben klare Positionen bezogen und Dinge thematisiert, die uns wirklich am Herzen liegen. Ich erinnere mich an eine Veranstaltung beim Bauernverband. Dort haben wir über die Frage diskutiert, ob Stuttgart Ackerflächen opfern soll, um zu wachsen. Ich habe mich dort für den Straßenbau rund um Stuttgart stark gemacht. Meine Positionen waren in dieser Runde vielleicht nicht populär, aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass eine klare Meinung Anerkennung findet.
Auf dem Land sind Ihre Ergebnisse schwächer als in der Stadt. Woher kommt das?
In Stuttgart gibt es offenbar doch viele Liberale – das ist gut so. Ich habe im Wahlkampf oft gehört, dass den Menschen eine liberale Stimme im Bund fehlt. Die Frage nach einem Stadt-Land-Gefälle ist schwierig zu beantworten. Wahrscheinlich sind unsere Themen wie Datenschutz bei jungen Wählern gut angekommen. Vielleicht sind auch die freiheitlich denkenden Bürger in der Stadt etwas häufiger anzutreffen als im ländlichen Raum.
Können Sie sich eine Regierungsbeteiligung eher unter Führung der Grünen oder unter Führung der CDU vorstellen?
Zwischen uns und den Grünen gab es in der Vergangenheit einige Reibungspunkte. Daher kann ich mir ein solches Bündnis nur schwer vorstellen. Da sind die Grünen aber jetzt am Zug, und wir werden die Positionen abgleichen. Ich sehe im Übrigen kein Problem darin, wenn ein Ministerpräsident nicht aus der stärksten Fraktion käme. Das war bei Winfried Kretschmann nach der letzten Wahl ja auch der Fall. Grundsätzlich sollten wir nur in eine Regierung eintreten, wenn wir unsere Positionen gut vertreten und durchsetzen können. Andernfalls sollten wir uns zurückhalten
Sie sind beruflich stark eingebunden. Wie wollen Sie ihre Arbeit mit einem Landtagsmandat unter einen Hut bringen?
Ich sehe mich aufgrund meiner beruflichen Erfahrungen gut für die Arbeit in der Wirtschaftspolitik vorbereitet. In meinem Beruf als Beraterin komme ich mit vielen Menschen aus der Wirtschaft in Kontakt. Das hilft mir, Bodenhaftung zu behalten und die aktuellen Entwicklungen unmittelbar zu hören. Daher will ich meine berufliche Tätigkeit vorerst nicht aufgeben.

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