Schwaben-Park im Rems-Murr-Kreis In der neuen Attraktion fliegen die Funken und spritzt die Gischt

Das Entsetzen währt nur kurz: Die neunjährige Mara (in Rosa) fand die Fahrt super. Foto:  

Wind- und Wassereffekte, echte Funken und einige Überraschungen erwarten die Fahrgäste im neuesten Fahrgeschäft des Schwaben-Parks. Wir sind bei der Eröffnung mitgefahren.

Rems-Murr: Phillip Weingand (wei)

Der Zug hebt ab und fliegt Richtung Meer – ein letzter Ausweg, um dem Überfall der Wildwest-Banditen doch noch zu entgehen. Doch kaum ist die eine Gefahr gebannt, folgt schon das nächste Abenteuer: Eines der Fenster klemmt und geht nicht zu, und die Schwäbische Eisenbahn hat den Tauchgang schon eingeleitet. Hastig muss sich die virtuelle Crew der „schwäbischen Eisenbahn“ etwas einfallen lassen, damit kein Wasser einbricht.

 

Für Hans Dampf wurden 40 Kilometer Kabel verlegt

Der Schwaben-Park hat am Samstag seine neueste Attraktion vorgestellt: „Hans Dampf – Die total verrückte Weltreise“ ist ein Eisenbahn- und Bahnhofssimulator. Statt Fenstern verfügen die echten Waggons dieser Bahn über Bildschirme, auf denen die virtuelle Landschaft vorbeizieht. Und nicht nur das: Windeffekte, echte Bewegungen, Rumpeln und Klopfen, Dampf und sogar Gischt sorgen dafür, dass sich die Reise ganz real anfühlt, auch wenn sich die beiden Waggons eigentlich keinen Zentimeter vorwärts bewegen.

Damit die Illusion glaubwürdig wirkt, war ein riesiger Aufwand nötig: Für das Bahnhofsgebäude, in dem sich alles abspielt, hat sich der Schwaben-Park von realen alten, schwäbischen Bahnhöfen wie jenem an der Laufenmühle inspirieren lassen. Auf 600 Quadratmetern Fläche wurden 40 Kilometer Kabel verlegt, 35 Beamer erwecken die Charaktere und den Zug zum Leben. Jeder der beiden Waggons wiegt acht Tonnen, Passagiere werden in je 24-köpfigen Gruppen eingelassen. Schon im Wartebereich werden die Fahrgäste mit KI-gestützten Ticketschaltern, Videoanimationen und einem riesigen leuchtenden Globus auf die bevorstehende Reise vorbereitet und lernen die charmante dreiköpfige Crew des Zugs kennen.

Die Unterhaltung beginnt schon im Wartebereich

Der Wartebereich von Hans Dampf Foto: Gottfried Stoppel

Wenn die virtuelle Fahrt beginnt, flimmern zunächst der Schwaben-Park und der Ebnisee über die Bildschirm-Fenster, das Publikum quittiert das Wiedererkennen begeistert. Je nach aufgespieltem Programm geht die Reise dann um die Welt weiter – mal geht es in den wilden Westen, andere Fahrten führen nach Ägypten. Die Route wird zufällig ausgewählt. Hindernisse gibt es für die Bahn nicht – schwimmen, tauchen, fliegen, selbst Zeitreisen sind kein Problem, Jim Knopf lässt grüßen.

Der neunjährigen Mara ist nach der Fahrt die Freude ins Gesicht geschrieben: „Die Cowboys fand ich am besten – der Aufzug war aber schon etwas gruselig“, berichtet sie. Auf der Fahrt zum Bahnsteig gibt es nämlich gewisse Komplikationen, Funkenschlag und eine rasante Fahrt inbegriffen. Mehr soll des Nervenkitzels willen nicht verraten werden. Fakt ist aber: alles gehört zum Programm und endet gut. Kinder, die Angst vor Dunkelheit haben oder arg schreckhaft sind, sollten sich aber gut überlegen, ob sie eine Fahrt mit „Hans Dampf“ wagen. Der Park schreibt bis zum Alter von acht Jahren eine erwachsene Begleitung vor. Einem kleineren, zart besaiteten Jungen ist die Fahrt im Aufzug beispielsweise zu viel, er beruhigt sich erst während der simulierten Fahrt wieder einigermaßen. Die Wildwestbanditen liegen ihm offensichtlich eher.

Die meisten Gäste sind begeistert von der neuen Attraktion

Fast alle Fahrgäste sind von der virtuellen Weltreise aber angetan bis begeistert. „Genial“, „fantastisch“, so und ähnlich lauten die Kommentare beim Aussteigen. Auch Maras Vater Tobias Fink aus dem nahen Rudersberger Ortsteil Steinenberg ist von der technischen Umsetzung des Eisenbahn-Simulators beeindruckt: „Man bekommt wirklich das Gefühl vermittelt, dass sich die Bahn bewegen würde. Und die Effekte mit Wind und Regen sind auch klasse.“

Zur Eröffnung seiner neuen Attraktion hat der Schwaben-Park den Sänger Markus Becker engagiert. Der 53-Jährige mit dem knallroten Cowboyhut – Freunden von Ballermann-, Kinder- und Partymucke bekannt als Stimme hinter „Das Rote Pferd“ und „Hörst du die Regenwürmer husten“ – kämpft anfangs etwas mit der Soundqualität seines Playback-Hintergrunds, animiert das jüngere Publikum und selbst manche Erwachsene dann aber doch zum Mitsingen und Herumhüpfen.

Nach dem Konzert strömen die Besucher ins „Hans-Dampf“-Gebäude. Hundertprozentig fertig ist dieses trotz einer verlängerten Bauzeit noch nicht. „Da ist ja noch einiges im Rohbau“, meint ein Besucher mit Blick auf den noch sichtbaren Beton der Fassade. Auch die Lautstärke der liebevoll gestalteten, schwäbischen Ansagen der virtuellen Hansdampf-Crew sollte noch dem Pegel einer wartenden Kindermeute angepasst werden, um verstanden zu werden und die Gags besser zünden zu lassen. Auch die Leistung der KI-gesteuerten virtuellen Fahrkartenverkäufer hat noch Optimierungspotenzial. Das alles ändert nichts daran, dass „Hans Dampf“ in Zukunft eine der lohnenswertesten Attraktionen des Parks sein dürfte. Die Betreiber haben angedeutet, dass sie sich für die Fertigstellung des Bahnhofsgebäudes und dessen Umfelds etwas ganz Besonderes haben einfallen lassen. Man darf gespannt sein, wo die Reise noch hingeht.

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