Neue Ausstellung im Museum Ritter Farbenfrohe Kunst mit Köpfchen und Humor

Beat Zoderer mit seinem Werk „Moleküle“ aus dem Jahr 2021. Foto: Andreas Zimmermann

Beat Zoderer kombiniert geometrische Formen mit gewitzten Ideen. Das Museum Ritter zeigt eine Werkausstellung im ganzen Haus.

Schon seit 1998 ist die Sammlerin Marli Hoppe-Ritter mit dem Schweizer Künstler Beat Zoderer bekannt. In der Schau „Der Nimbus des Alltäglichen“ kann man sich nun einen Überblick über Zoderers Werk verschaffen.

 

Wie der Titel ankündigt, bedient sich der Künstler in seinen so humorvollen wie hintersinnigen Arbeiten gern Materialien aus dem Alltag. Der Autodidakt und gelernte Hochbauzeichner, der zunächst in Architekturbüros arbeitete und heute in Wettingen und Genua lebt, begann 1979 als frei schaffender Künstler mit Sperrmüll: Dekonstruieren und dann wieder neu zusammensetzen, das war das Prinzip. „Billig Bill“ heißt eine Arbeit mit Gestängen, Holz und Stoffen aus ineinander geschachtelten Quadraten, die in der Tat billigst zusammengeschustert wirkt. Doch darin spielt Beat Zoderer auf die Züricher Schule der Konkreten und deren Vertreter Max Bill an. „Konkretes Barock“, eine weitere Arbeit mit Witz, besteht aus einem goldenen Barockrahmen, der mit Beton (Concrete!) ausgegossen ist.

Ende der 80er wandte sich Zoderer Schreibwaren zu und arrangierte mit Etiketten vibrierend-ornamentale Kompositionen. In der Arbeit „Departement 1–VII“ von 1993 aus der Sammlung bildete er aus Ordnern sieben Quadratformen. Er bezog sich damit auf die Gliederung in Verwaltungseinheiten der Schweiz.

Rechte Winkel sind nicht akkurat

Beat Zoderer experimentiert ständig mit den Techniken: Er stempelt, spannt bunte Wollfäden, perforiert Bleche mit Rastern und erzeugt so auf vielfältige Art ins Räumliche oder Reliefhafte strebende Kompositionen. Das Material fand er im Baumarkt. Die „Partitur N. 1“ von 2007 zum Beispiel mit rhythmisch angeordneten, bunten Holzrechtecken und -Quadraten entfaltet ihre Wirkung im Vorbeigehen.

Ausschnitt aus „Verschachtelung N° 1“, 1998 Foto: Gerhard Sauer

Obwohl rechte Winkel in der Schau allgegenwärtig scheinen, sind diese jedoch nie akkurat, und auch die Abstände zwischen den Arbeiten orientieren sich am Augenmaß. Beat Zoderer liebt es spontan und pragmatisch. Meist bevorzugt er bunte, ungemischte Farben, aber nicht ausschließlich. Weiße Leerstellen und Negativräume sind für den Künstler ebenfalls von Bedeutung. Die monumentale, 2007 für das Museum geschaffene Arbeit „Hommage an das unreine Quadrat“ mit Kasimir-Malewitsch-Anspielung etwa setzt sich aus 70 Quadraten und Rechtecken zusammen, die in verschiedenen Techniken und Nuancen weiß gefärbt sind.

Zoderer und die Malerei

In jüngster Zeit wandte sich Beat Zoderer der Malerei zu und fokussierte sich auf spitzwinklige Trapezformen. „Keilbild“ heißt dann auch eine Arbeit von 2019. Und ein Diptychon von 2021 imponiert mit raffiniert sich überschneidenden Linien und spitzen Winkeln.

In einem weiteren Raum betritt man eine Art Atelier. Inmitten von Modellen seiner Arbeiten kann man Beat Zoderer im Film „Kalkül trifft Zufall“ beim Schaffen beobachten.

Ausschnitt aus dem Werk „Transparente Ordnung“ aus 1992 Foto: André Huber

Der Künstler nutzte übrigens auch immer wieder Kreisformen. Im Erdgeschoss ist zu erleben, wie Zoderer einen Kreis und ringförmig ausgeschnittene Bänder faltet oder in Form von großzügigen, vielfarbig reflektierenden Schlaufen von der Wand hängen lässt. Schwarze Kugeln in der Arbeit „Moleküle“ von 2021 komplettieren den Formenreichtum.

Im Museum steht übrigens bald das 20-Jahr-Jubiläum an: Am 6. September steigt ein Familienfest mit kreativen Aktivitäten.

Öffnungszeiten

Die Vernissage
Die Ausstellungseröffnung ist für Samstag, 17. Mai, um 17 Uhr geplant.

Die Ausstellung
an sich ist dann bis zum 21. September zu sehen, jeweils dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr. Montags ist die Schau geschlossen. Weitere Infos gibt es online unter https://www.museum-ritter.de

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