In Schorndorf ist eine neue Archäologieausstellung speziell für Kinder eröffnet worden. Mitmachen ist hier ausdrücklich erwünscht.

Rems-Murr : Frank Rodenhausen (fro)

Schorndorf - Von den Alamannen über die Römer und die Kelten bis in die Steinzeit: Im Schorndorfer Stadtmuseum können sich die Besucher archäologisch in der Zeit zurückgraben. Und das nicht nur im übertragenen Sinn.

Mitmachen ist in dem neuen Konzept, das sich vornehmlich an Kinder im Alter zwischen acht und zwölf Jahren sowie deren Familien richtet, ausdrücklich erwünscht. Und so erhält man gleich an der ersten Station der Ausstellung in dem Gewölbekeller am Kirchplatz nicht nur einen kleinen Überblick über die wichtigsten Schorndorfer Fundstücke aus den verschiedenen Epochen, sondern neben Klemmbrett, Pinsel, Fundzettel und Maßband auch ein Schäufelchen in die Hand. Mit dem kann man sich buchstäblich durch verschiedene Erdschichten graben – und mit ein bisschen Glück auch ein Replikat einer Scherbe oder Münze finden.

Recycletes Spiralarmband einer Alamannin

Die echten Exponate, wie etwa der Schmuck eines 12 bis 15 Jahre alten allamannischen Mädchens, das im Jahr 1955 in einem früheren Grab im Schorndorfer Cristallerweg gefunden wurde, sind wie gewohnt in klassischen Vitrinen ausgestellt. Ein Spiralarmband etwa, das mehr als tausend Jahre älter ist als der andere Schmuck, weist darauf hin, dass die Alamannen durchaus Hinterlassenschaften früherer Kulturen aufgehoben und gewissermaßen recycelt haben. Das Fundstück ist 1955 im Christallerweg entdeckt worden, wo vor gut 1000 Jahren vermutlich ein allamannischer Friedhof gewesen ist. An einer Hörsäule neben dem stummen Zeugnis erfährt man allerdings an konkreten Beispielen, wie die Alamannen gelebt, was sie gekocht und gegessen, was sie angehabt haben.

Die Idee, die Schorndorfer Ortsgeschichte so aufzubereiten, dass sie auch für Kinder interessant und erlebbar ist, hat die Museumsleiterin Andrea Bergler schon länger umgetrieben. Nun hat sie diese aus den Erfahrungen mit der vor einem Jahr neu eröffneten Forscherfabrik heraus zusammen mit ihren wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen Nina Raczek und Nadja Bühler umgesetzt. Am Sonntagnachmittag ist die Schau von Oberbürgermeister Matthias Klopfer offiziell eröffnet worden.

Römerfunde und ein Dinoabdruck

Die meisten Funde, die in Schorndorf entdeckt wurden, stammen aus der Römerzeit, aus dem zweiten und dritten Jahrhundert nach Christus. In dieser Abteilung aber sind nicht nur ein alter Brunnen oder gut erhaltene Weihesteine zu sehen, die bereits im 18. Jahrhundert am Schorndorfer Grafenberg entdeckt wurden. Die Besucher können auch in einer Art Memory ihr Wissen um die verschiedenen Götter prüfen oder an einer Hörstation einiges über den römischen Alltag erfahren.

Weniger umfangreich, dafür umso beeindruckender sind die Hinterlassenschaften aus der Steinzeit: Ein riesiger Stoßzahn eines Mammuts, der 1973 in der Nähe des Burgschlosses entdeckt wurde, ist unter den ausgestellten Exponaten oder ein mehr als 200 Millionen Jahre alter Dinosaurierfußabdruck, der einst im Teilort Weiler hinterlassen wurde.

Längst nicht alle Funde sind aus dem eigenen Fundus. Zu sehen sind im Stadtmuseum auch Leihgaben des Landesmuseums Stuttgart, des Landesdenkmalamts oder des archäologischen Museums Konstanz – fast alles jedoch wurde in der Umgebung von Schorndorf entdeckt. „Wir haben in der Ausstellung die letzten 200 Millionen Jahre abgedeckt“, sagt die Schorndorfer Museumsleiterin Andrea Bergler.

Ein Rätsel für die Nachwelt

Auch für die Nachwelt hat man etwas hinterlassen. In einer mehrbödigen Vitrine am Eingang sind die verschiedenen Epochen auf einen Blick geordnet. In das oberste Fach, über einem 400 bis 700 Jahre alten Spinnwirtel und einer 1400 bis 1450 Jahre alten allamannischen Klinge, liegt eine rosafarbene Wärmflasche. Diese hat die wissenschaftliche Volontärin Nadja Bühler gestiftet, sie sei ihr von Geburt an ein treuer Begleiter gewesen, sagt sie. In Schorndorf wird man in tausend Jahren ganz bestimmt wild darüber spekulieren, wofür das mal gut gewesen sein soll.