Neue Ausstellung in der MHP-Arena Terrakotta-Armee marschiert auf

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Als es ans Sterben ging, hat sich der erste chinesische Kaisers Qin Shi Huang Di von einer 8000 Mann starken Armee begleiten lassen, der berühmten Terrakotta-Armee. Ein Teil dieser Krieger wird den Sommer über in der Ludwigsburger MHP-Arena gezeigt, am Mittwoch wurde die Ausstellung eröffnet.

Nicht nur Krieger, auch ein Gespann mit vier Pferden gehört zur Grabbeigabe. Foto: factum/Bach
Nicht nur Krieger, auch ein Gespann mit vier Pferden gehört zur Grabbeigabe. Foto: factum/Bach

Ludwigsburg -

Ludwigsburg - Alles an dieser Geschichte schreit nach Superlativen: Das Grabungsgelände ist so groß wie 58 Fußballfelder, die Funde sind 2200 Jahre alt, und es handelt sich um Relikte aus einer Zeit, die uns kaum ferner sein könnte: der Epoche des ersten chinesischen Kaisers Qin Shi Huang Di, der sich auch noch, als es ins Jenseits ging, von einer 8000 Mann starken Armee begleiten ließ, der berühmten Terrakotta-Armee. Ein Teil dieser Krieger wird den Sommer über in der Ludwigsburger MHP-Arena gezeigt, am Mittwoch hat Oberbürgermeister Werner Spec die Ausstellung mit einem Gongschlag eröffnet.

Jaana Klumpp, die Kuratorin der Ausstellung, erklärte in ihrer Einführungsrede, warum es sich bei den Exponaten aber nur um Repliken handeln kann: „Bisher ist nur ein Teil der 8000 Krieger überhaupt geborgen worden, und was man gefunden hat, war in viele Teile zerbrochen.“ Am Fundort in der Nähe von Xi’an, der Hauptstadt der nördlichen Provinz Shaanxi, stünden nur mühsam wiederhergestellte, sehr zerbrechliche Kämpfer, die man nicht transportieren könne. Aber die Kopien in der Ausstellung seien nicht weniger wert, es handle sich keineswegs um Stücke aus Massenfertigung, betonte Klumpp: „Jede der lebensgroßen Figuren wurden von Künstlern nach den Originalen geschaffen.“ Trotz der schieren Menge gleiche kein Gesicht dem anderen, vermutlich habe die Armee lebende Vorbilder gehabt.

Kopien ja, aber keine billige Massenware

Dass eine Ausstellung mit Kopien den Publikumszuspruch dämpfen kann, hat die Ludwigsburger Eventagentur All in one vor drei Jahren zu spüren bekommen, als sie ebenfalls in der Arena die Pharaonenausstellung „Tutanchamun – Reise in die Ewigkeit“ präsentierte. Der Agenturchef Michael Scholz ist dennoch zuversichtlich. In anderen Städten habe sich gezeigt, dass es eine sehr große Nachfrage nach der Terrakotta-Armee gebe – bisher war sie in 19 europäischen Städten zu sehen und lockte insgesamt eine Million Menschen an. Scholz kalkuliert mit 30 000 Besuchern in Ludwigsburg, wo die Schau bis zum 11. September gezeigt wird.

Obwohl in der MHP-Arena wegen der Hallengröße nur 130 Krieger präsentiert werden können, waren 14 Lastwagen nötig, um sie nach Ludwigsburg bringen zu können. Petra Thiel, die Leiterin des Heidelberger Konfu­zius­instituts, kleidete das aufwendige Unternehmen in eine Allegorie, indem sie eine chinesische Legende von einem 90-Jährigen erzählte, der Berge versetzen wollte. Auch die Ludwigsburger Ausstellungsmacher hätten gezeigt, „wie man Berge versetzt“. So brauche niemand den weiten Weg nach China auf sich zu nehmen, um die Terrakotta-Armee sowie weitere Funde aus der großräumigen Grabanlage des ersten Kaisers zu sehen.

Armee wurde erst 1974 entdeckt

Die Figuren sind zwar mehrere Tausend Jahre alt, sie waren aber die meiste Zeit den Blicken der Nachgeborenen entzogen. Erst 1974 wurden erste Figuren und ein paar Pfeilspitzen aus Bronze entdeckt. Von Bauern, die an dieser Stelle einen Brunnen hatten bohren wollen. Erst nach und nach wurde das ganze Ausmaß des riesigen Mausoleums bekannt. Im Jahr 1987 schließlich wurde die Grabstätte samt Terrakotta-Armee in die Weltkulturerbeliste der Unesco aufgenommen.

Noch gebe es viele Geheimnisse um die Bedeutung der Grabanlage, sagt Klumpp. Außerdem müssten die Archäologie und der Restauration noch viele Fortschritte machen, bis die Forscher in der Lage seien, alle Funde aus Xi’an zu bergen. Bisher sind nur 1800 der 8000 Soldaten ans Licht geholt. „Das wird sicher noch ein paar Jahrhunderte dauern, bis die übrigen geborgen werden können“, sagt die Kuratorin. Denn eigentlich seien die Krieger bemalt gewesen. Momentan wisse man jedoch nicht, wie man verhindern könne, dass der Lack nach der Berührung mit Luft abblättere.