Galerie der Stadt "Ich habe gefunden, was ich gesucht habe" - Junger Künstler stellt in Sindelfingen aus
Im Schaufenster Junge Kunst stellt der Sindelfinger Leon Simonis Skulpturen aus, die zwischen Mensch, Tier und Pflanze changieren.
Im Schaufenster Junge Kunst stellt der Sindelfinger Leon Simonis Skulpturen aus, die zwischen Mensch, Tier und Pflanze changieren.
2001 wurde Leon Simonis in Sindelfingen geboren und besuchte dann das Gymnasium Unterrieden. 24 Jahre später kann man nun seine Ausstellung „Vessels of Unbecoming“ im Schaufenster Junge Kunst der Galerie der Stadt Sindelfingen bestaunen. Kreativ veranlagt war Simonis schon früh, er zeichnete und schuf Mode: „Mit unkonventionellen Materialien“, so der Künstler. Aber ohne die Förderung durch Lehrer wäre Leon Simonis wohl kaum an das Berufskolleg für Mode und Design der Kerschensteinerschule in Stuttgart gegangen. Von der Mode war der Schritt nah zu Skulptur, und so studierte er an der Universität der Künste Berlin und in Wien nun Skulptur und Raum.
Auch wenn er früher nichts wie weg aus Sindelfingen wollte – als queere Person fühlte er sich nicht zugehörig – ergab sich bei einer Führung der Kontakt zur Galerie. „Ich habe jetzt gefunden, was ich gesucht habe, und kann mit einem anderen Mindset zurückkehren“, so der Künstler. Beeindruckt von der Reife der Arbeiten ermöglichte ihm das Team der Galerie die Schau. Simonis’ Interesse am Stofflichen spiegelt sich in seiner Kunst wider, etwa in „A Manifesto of Unbecoming“. Der Skulptur, die Relikte und Andachtsobjekte evoziert, liegen medizinische Wirbelsäulen-Scans zugrunde. Deren Formen verschmolz er mit Fischgräten und thematisierte so den maritimen Ursprung des Lebens. Die Zahl 3 entspricht der Dreifaltigkeit und eröffnet einen Raum jenseits binärer Ordnungen, wie auch in der queeren Theorie. Die Skulptur ist in einer Metamorphose begriffen, denn Simonis wird noch eine Latexhaut ergänzen, die sie abwirft.
Latex ist auch in drei ellipsenförmigen Wandobjekten zu entdecken (die auf das Ei und die Unendlichkeit verweisen). Die Fenster der beiden Räume im Schaufenster Junge Kunst überziehen Latexhäute, in die Löcher gerissen sind, die Spitze ähneln und pflanzlich-skelettale Gebilde formen. Im zweiten Raum schwimmt inmitten eines Beckens die Skulptur „Victoria: The Becoming of A Beast“ – der Epoxidharz-Abguss eines Riesenseerosen-Blatts aus dem Botanischen Garten Wien. Pflanzliches und Tierisches verbinden sich, und ein Volksmärchen über Liebe, den Mond und eine Verwandlung und das Thema Tod und Taufe spielen mit hinein.
An der Wand sind drei Ellipsen mit Blatt-Strukturen zu sehen, die Leonis mit weichem Ziegenleder abgeformt hat – Hinweise auf gemeinsame Strukturen aller Lebewesen. Hinter einem schwarzen Chiffonvorhang im Kabinett schließlich ist eine mit Nickel verkleidete Kannenpflanze zu entdecken, deren Inneres mit einem lichtschluckenden Pigment für Teleskope aus der Raumfahrt ausgestattet ist. In dieser ambivalenten Installation zwischen Falle, Verführung und Beichtstuhl kann man sich seiner Sünden entledigen und Teil eines neuen Körpers werden.
Die Ausstellung geht noch bis bis zum 19. April, die Öffnungszeiten sind montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr sowie an Samstag, Sonn- und Feiertagen von 10 bis 17 Uhr.