Neue Ausstellung in Stuttgart-Schönberg Diese rebellischen Frauen muss man kennen

Auf Plakaten werden die „rebellischen Frauen“ in der Ausstellung vorgestellt. Foto: Bürgerverein Schönberg/Wilhelm Mierendorf

Die Ausstellung „Rebellinnen“ zeigt Frauen vom Mittelalter bis heute, die Pionierinnen in ihrer jeweiligen Rolle waren – einige von ihnen sehr bekannt, andere eher weniger. Die Historikerin Astrid Gehrig erzählt, warum sie die Ausstellung nach Schönberg geholt hat.

Filderzeitung: Rebecca Anna Fritzsche (fri)

„Rebellinnen – Frauen verändern die Welt“, heißt eine Ausstellung, die derzeit in Schönberg in der Himmelfahrtskirche zu sehen ist. „Darin werden Frauen aus dem deutschsprachigen Raum vorgestellt, die für ihre Überzeugungen und Rechte kämpften, die Gesellschaft prägten und sie ein Stück besser machen wollten“, erzählt Astrid Gehrig. Die promovierte Historikerin ist im Vorstand des Bürgervereins „Forum im Schönberg“.

 

Gehrig ist schon lange an frauengeschichtlichen Themen interessiert. „Dass Frauen zwar langsam, aber stetig in immer mehr männlich besetzte und männlich definierte Sphären vordringen, das sieht man in dieser Ausstellung.“ Viele der gezeigten Frauen seien Pionierinnen gewesen, die ersten Frauen in ihrer Position: die erste Professorin für katholische Theologie weltweit, die erste Bundestagspräsidentin, die erste Bundesministerin, die erste deutsche Frauenärztin. Zum Teil seien es bekannte Namen, zum Teil aber auch Frauen, die noch weniger oder gar nicht bekannt sind. Die Plakate sind mit Illustrationen der Frauen versehen, sie zeigen historische Dokumente und Wortlaute. Die älteste „Rebellin“ ist Argula von Grumbach (1492-1568), die jüngste die 1996 geborene Klimaaktivistin Luisa Neubauer.

Zwei „Rebellinnen“ leben im Nachbarstadtteil

Bei „Rebellinnen“ handelt es sich um eine Plakatausstellung, die über die Plattform „Ausstellung leihen“ verfügbar ist. Über diese Plattform werden bundesweit Ausstellungen kuratiert, produziert und verschickt. Da sie zum Evangelischen Presseverband für Bayern gehört, gibt es einen starken kirchlichen Bezug: sechs der 27 gezeigten Frauen sind Theologinnen oder haben einen direkten Bezug zur Kirche. Das war aber auch einer der Gründe, warum „Rebellinnen“ Astrid Gehrig angesprochen hat, wie sie erzählt: „Der Schwerpunkt auf Kirchenfrauen passt perfekt zu unserem Veranstaltungsraum, dem Gemeindesaal der Himmelfahrtskirche Schönberg.“

Und noch einen weiteren Grund gab es, warum Gehrig die Ausstellung nach Schönberg holen wollte: „Im Asemwald, unserer Nachbargemeinde, lebt seit vielen Jahren mit Dr. Ida Raming eine der Frauen, die in der Plakatausstellung gezeigt wird“, berichtet Astrid Gehrig. Die 1932 geborene Theologin und Autorin wurde 2002 zur römisch-katholischen Priesterin geweiht, 2006 zur Bischöfin. Die Kirche erkannte dies nicht an, weil sie eine Frau war; Raming wurde sogar exkommuniziert. „Die Stellung der Frau in der römisch-katholischen Kirche, insbesondere die Frage der Frauenordination, wurde ihr Lebensthema“, sagt Gehrig. Ida Raming, heute 92 Jahre alt, war sogar bei der Vernissage der „Rebellinnen“-Ausstellung zu Gast, zusammen mit Christel Hildebrand (89), einer der ersten Pfarrerinnen Württembergs, die ebenfalls Teil der Ausstellung ist. „Diese Frauen haben immer die Künste, die Wissenschaft, die Theologie sowie die politische Arena bereichert und inspiriert“, sagt Astrid Gehrig, „häufig genug wurden sie von der Kunstgeschichte, der Wissenschaftsgeschichte und den Kirchen vernachlässigt und übergangen.“

Die Ausstellung im Gemeindesaal der Himmelfahrtskirche Schönberg ist gemeinsam und ehrenamtlich organisiert von den beiden Bürgervereinen „Forum im Schönberg“ und „Wir im Schönberg“. Zunächst ist geplant, ab April einen Sonntag im Monat für Besucher zu öffnen. Der nächste Termin dabei ist der 13. April, von 14 bis 16.30 Uhr, dazu werden Kaffee und Kuchen angeboten.

Die aktuellen Ausstellungszeiten finden sich auf der Internetseite von „Wir im Schönberg“, www.im-schoenberg.de .

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