Neue Australienwelt in der Wilhelma Die vier Koalas fliegen in der Economy Class nach Stuttgart

Wilhelma-Direktor Thomas Kölpin (Mitte) zeigt die erstmals fast fertige die Baustelle der Terra Australis. Foto: Lichtgut/Ferdinando Iannone

Die neue Australienwelt in der Stuttgarter Wilhelma ist fast fertig. Jetzt fehlen nur noch die Bewohner. Die Koalas machen sich demnächst auf die Reise in ihre neue Heimat.

Lokales: Iris Frey (if)

Down Under liegt ab sofort im ehemaligen Menschenaffenhaus – zumindest in der Stuttgarter Wilhelma. Dort sind die Arbeiten an der Australienwelt fast abgeschlossen. Am 25. Juli wird Terra Australis für die Besucher eröffnet. Besonders die neuen Bewohner werden mit Spannung erwartet. Anfang Juli sollen die Koalas in Stuttgart ankommen. „Die vier fliegen in der Economy Class. Die Flüge werden jetzt gebucht“, verrät Wilhelma-Direktor Thomas Kölpin bei der Führung über die Baustelle. Die Genehmigungen seien inzwischen alle da. Auch für die Überraschungstierart.

 

Wie werden die Koalas herfliegen?

Die Tiere werden nicht im Frachtraum, sondern im Passagierraum den langen rund 24-stündigen Flug mit Zwischenstopp in Dubai oder Singapur mit ihrer Chefpflegerin verbringen. Der Grund: Sie müssen ständig mit Eukalyptusblättern gefüttert werden. Denn, Koalas trinken so gut wie nichts, sondern sind komplett auf den Eukalyptus angewiesen.

Wie sieht die neue Australienwelt aus?

Das nun umgebaute Menschenaffenhaus ist kaum mehr wieder zu erkennen. Es ist 50 Jahre alt und galt 1973 als das modernste der Welt mit allen vier großen Menschenaffenarten. Jetzt ist hier die modernste Anlage für die Tiere aus Down Under geschaffen worden. Die Besucher tauchen jetzt ein in die Welt Australiens zu Eukalyptusbäumen, deren besondere Duft man auch riecht, sobald man den ersten Raum betritt. Es schließen sich Landschaften mit vielen Holz- und Baumresten, Höhlen, Klettermöglichkeiten, Sand und Steinen an. Die Tiere werden Anfang Juli einziehen.

Wie wird der Besucher im Haus in Bann gezogen?

Geschwungene Glasscheiben sorgen für ein aufgelockertes, freundliches Ambiente, welches die Tier- und Pflanzenwelt hautnah erleben lässt. Denn durch die bodentiefen Glasscheiben fällt die Trennung der Räume kaum auf. Im ersten Raum dominieren viele Bäume, Stämme, Eukalyptusbäume und Robinien mit gegabelten Ästen, in denen es sich die Koalas bald bequem machen können. Am Fuße werden bald Baumkängurus zu sehen sein. Durch das neu geschaffene Glasdach fällt genug Licht, welches für die Koalas notwendig ist. Sie und weitere Tiere sind übrigens auch draußen in den Außenanlagen zu sehen.

Wie aufwendig war der Umbau des Menschenaffenhauses?

Rund vier Jahre lang hat die Wilhelma in Eigenregie das Haus umgebaut. Mehr als 50 Unternehmen waren beteiligt. „Größte Herausforderung war für uns, das alte Gebäude bis auf den Rohbau wieder zurückzubauen“, erklärt Hans-Joachim Treiber, Leiter des Fachbereichs Technik und Bau. Schadstoffe wie Asbest und PCB mussten entsorgt und die Bausubstanz saniert werden. Es wurde auch beim Umbau auf Nachhaltigkeit geachtet, dass sich die Materialien gut recyceln lassen.

Warum gibt es vor dem ersten Nachtbereich eine Livecam aus Australien?

Bevor die Besucher vom Koala-Bereich in den Nachtbereich gehen, treffen sie auf einen Bildschirm mit Livecam. „Sie zeigt den Hafen von Sidney“, erklärt Kölpin. Damit erfahren die Besucher, ob es dort Tag oder Nacht ist. Denn in den nun kommenden Nachtbereichen wird genau die Helligkeit oder Dunkelheit sein, die exakt aktuell in Australien ist. Das bedeutet, ist bei uns Tag, ist dort Nacht. Tagsüber werden also die Besucher auf dunkle Räume treffen, in denen die Nachttiere der Wüste und des Waldes leben.

Was ist in den Nachtbereichen nicht erlaubt?

Dort dürfen die Besucher beim Fotografieren kein Blitzlicht verwenden, um die Tiere nicht zu stören.

Welche Funktion hat die Terra Australis noch?

Sie ist ein Artenschutzprojekt und soll auf den Klimawandel aufmerksam machen. Denn: Australiens Tier- und Pflanzenwelt leidet unter dem Klimawandel durch Überschwemmungen und Buschbrände. „Selbst die Eukalyptuspflanzen gehen bei den Buschbränden kaputt“, sagt Kölpin. In der Terra Australis sollen die bedrohten Tierarten als Reservepopulation gezüchtet werden. Darüber sollen die Besucher in der Terra Australis informiert werden und lernen: „Wir müssen unser Verhalten anpassen.“

Wie wichtig ist die eigene Eukalyptus-Zucht?

Die Wilhelma muss stets Futter für vier bis fünf Tage bereithalten. Somit hat sie eine kleine Reserve bei Lieferproblemen. Auf 320 Quadratmetern wurden 100 Eukalyptusbäume gezüchtet. Einige Bäume konnten schon als Klettermöglichkeit für die Koalas ins Australienhaus gesetzt werden. Ist der Baum kahl gefressen, wird er ausgetauscht. Die Wilhelma hat etwa 30 verschiedene Eukalyptus-Arten. Je nach Stadium brauchen auch weibliche Koalas, etwa wenn sie stillen, besondere Eukalyptus-Arten als Futter. Die Hauptfuttermenge kommt aus einer Gärtnerei in Leipzig. Erste Probelieferungen dazu gab es schon mit der Erfahrung. Die Äste senkrecht in Vasen zu liefern ist besser als waagrecht.

Stimmt es, dass der Eukalyptus die Koalas müde macht?

Die Eukalyptusblätter sind schwer zu verdauen. Das strengt die Tiere an. Doch der Eukalyptus enthält auch Giftstoffe, die die Wirkung haben, dass sie müde werden. „So ein bisschen high sind sie schon“, sagt Kölpin.

Welche Tierarten werden zu sehen sein?

In der Australienwelt werden zehn bis zwölf Tierarten zu sehen sein, neben den vier Queensland-Koalas und Baumkängurus unter anderem Bürstenschwanz-Rattenkängurus, Fuchskusus, Kurzkopfgleitbeutler, Tüpfelbeutelmarder, Kaninchenbeutler, Schaufelfußmäuse und Kowaris.

Wann können die Koalas & Co das erste Mal in der Wilhelma besucht werden?

Am 25. Juli wird die Terra Australis mit Tier- und Pflanzenwelt für alle Besucher geöffnet sein.

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