Für die Städte im Hochrheintal wird die „Mini-Autobahn“, wie sie oft genannt wird, als sinnvolle Umgehungsstraße angesehen. „Wir sind die einzige Kurstadt in Deutschland, die von täglich 25 000 bis 28 000 Fahrzeugen belastet ist, darunter viele Lkw“, klagte der Bürgermeister von Bad Säckingen, Alexander Guhl (SPD), in der Sitzung.
Ein Brückenbauwerk „schmerzt“
Nicht das Wie gebaut wird, sondern „wann die Bagger rollen“ interessierte Guhl und die Gemeinderäte am meisten: Denn mit der von der Deges vorgestellten Streckenführung am Abschnitt zwischen Schwörstadt und Bad Säckingen sind fast alle zufrieden. Von den 9,5 Kilometer der Strecke werden 3,9 Kilometer teuer in zwei Tunneln versteckt, ein Naturschutzgebiet wird umfahren, allenfalls eine Brücke über das Wehra-Tal wird als störend empfunden: „Die Talquerung wird uns wehtun, wir sind die Kommune, die am stärksten betroffen ist“, sagte der Bürgermeister von Wehr, Michael Thater. Ein Autobahnbau sei ein einschneidender Eingriff, aber die Deges, die bundesweit Autobahnen baut, habe „gut“ gearbeitet und die beste von neun Trassenvarianten vorgestellt.
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Für Aufsehen allerdings sorgte die von Deges-Projektleiter Johannes Kuhn vorgestellte Prognose für den Verkehr auf der fertigen A 98 im Jahr 2040. Eingerechnet worden sind Annahmen über den Verkehrszuwachs, aber auch Erkenntnisse aus den Kommunen, welche Wohn- und Gewerbegebiete sie noch planen: Rund um Bad Säckingen könnten auf der A 98 täglich bis zu 42 000 Autos rollen, so Kuhn. „Die Autobahn wird Verkehr anziehen. Zwar sollen auch die Schweizer Autobahnen ausgebaut werden, aber wir erwarten, dass täglich bis zu 12 300 Autos aus der Schweiz die A 98 nutzen.“
Für die Eidgenossen ist die quasi parallel laufende A 98 eine Alternative für die N 3 zwischen Rheinfelden-Ost und der N-3-Abfahrt Eiken. Allenfalls bei grünen Politikern kam da Kritik auf. Diese Verkehrszahlen im engen Hochrheintal erschreckten sie, bemerkte eine Gemeinderätin der Grünen, man habe doch eine Verkehrswende vor sich.
Als „unendliche Geschichte“ wird die 1970 begonnene Planung der A 98 hingegen von ihren Befürwortern empfunden. Erst im September 2025 wird mit dem Beginn eines Planfeststellungsverfahrens bei Bad Säckingen gerechnet, im März 2027 könnte es abgeschlossen sein, bis Baubeginn könnte es 2030 werden. Aber noch weiter zurück liegt der Planungsstand für den östlich gelegenen 18 Kilometer langen Abschnitt zwischen den Orten Hauenstein und Waldshut-Tiengen.
Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) hat sich im Juni dafür stark gemacht, dort statt an eine Autobahn an einen dreispurigen Ausbau der B 34 zu denken und dementsprechend an den Bundestag appelliert, das bestehende Ausbaugesetz zu korrigieren. Der seit einem Jahrzehnt bestehenden Bürgerinitiative Pro Basistunnel mit ihren 100 Aktiven hat das Auftrieb gegeben. „Wir haben in kurzer Zeit sechs neue Mitglieder gewonnen“, so der Vorsitzende Jörg Roth.
Man könnte die B 34 aufrüsten
Mit Zeitungsanzeigen wirbt die Bürgerinitiative jetzt für eine softe Variante der A 98. Ein Graus ist den Aktivisten eine mögliche „Bergtrasse“ der A 98 in diesem Gebiet, die mit Brückenbauwerken sieben idyllische Täler des Südschwarzwaldes überqueren würde – der Reiz der Landschaft und der von anmutigen Weilern wie Birndorf oder Kuchelbach mit ihren Streuobstwiesen wäre dahin. „Der Nachteil der Bergtrasse ist das Durchschneiden landwirtschaftlicher Gebiete und des Naturschutzgebiets Alb-Tal, in dem Gämsen, Uhu und Eisvögel zu Hause sind“, sagt Roth. Auch wäre der Flächenverbrauch um 100 Hektar höher als bei einer Trasse im Tal. Die Bürgerinitiative – und immerhin zwei von drei Gemeinderäten betroffener Städte – befürworten eine Variante im Tal, also eine Nutzung der bestehenden Bundesstraße 34 und ihre Aufrüstung mit Überholspuren und Lärmschutzwänden. Oder, wenn es sein muss, auch die Aufwertung der B 34 zu einer Regionalautobahn. Der Vorteil wäre auch eine Anbindung der am Rhein gelegenen Gewerbegebiete an diese Straße, sagt Roth. Und die Idylle hält sich an der B 34 in Grenzen – der Blick geht hier hinüber zum Atomkraftwerk Leibstadt auf der Schweizer Seite. Mit einem rund fünf Kilometer langen Tunnel bei Waldshut-Tiengen ließen sich auch die Stauprobleme der Stadt lösen – und um ein Viertel billiger als die Bergvariante wäre die im Tal auch: „Warum an hohen und teuren Ausbaustandards für die A 98 festhalten, angesichts der Klimafrage, der Verkehrswende und knapper werdenden Finanzmitteln? fragt Roth. Die Deges aber hat noch gar nicht entschieden, welche Trasse sie bevorzugt.