Neue Bäderhilfe der DLRG Schnelle Eingreiftruppe gegen Badschließungen

Gemeinsam gegen Bäderschließungen (von links): Michael Scholz (DLRG-Sprecher), Rainer Schuh (Geschäftsführer Bäderhilfe GmbH), Bäderleiter Michael Welz und Schwimmmeisterin Karin Reiss. Foto: Stefanie Schlecht

Die DLRG will mit ihrer Bäderhilfe GmbH dafür sorgen, dass Freibäder im Kreis trotz Personalnot geöffnet bleiben. In Böblingen gab es schon die erste Bewährungsprobe.

Böblingen: Edmund Langner (edi)

Ausgerechnet am bisher heißesten Tag des Jahres muss das Böblinger Freibad wegen akuter Personalnot schon am Mittag schließen. Der Ausfall an diesem Mittwoch, 2. Juli, sorgt für Unmut im Netz und einen Massenandrang in umliegenden Freibädern. Genau für solche Fälle gibt es die Bäderhilfe GmbH. Für die schnelle Eingreiftruppe der DLRG wird dieser Mittwoch zur ersten Bewährungsprobe.

 

Ein kurzer Blick zurück: Im Herbst 2024 schlugen die acht Ortsgruppen des für den Kreis Böblingen zuständigen DLRG-Bezirks Glems-Schönbuch Alarm. In einigen Freibädern war es wegen Personalengpässen zu reduzierten Öffnungszeiten und vorübergehenden Bäderschließungen gekommen. Zwar verstärken Rettungsschwimmer der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) in den Sommermonaten das hauptamtliche Personal in acht von neun Freibädern im Kreis. Allerdings stößt dieser ehrenamtliche Einsatz immer mehr an seine Leistungsgrenze – zumal zu den DLRG-Kernaufgaben beispielsweise auch die seit Corona massiv nachgefragten Schwimmkurse und die Rettungsschwimmerausbildung zählen.

Die Belastungsgrenze war erreicht. Aufgeben kam für die DLRG allerdings nicht in Frage. „Ohne Zugang zu Schwimmbädern können unsere Kinder nicht mehr Schwimmen lernen und die Ertrinkungszahlen steigen“, sagt Michael Scholz, Pressesprecher bei der DLRG-Ortsgruppe Herrenberg. Also entschied man sich für eine ungewöhnliche Lösung: die Gründung eines Unternehmens.

Am 30. März 2025 erfolgte die notarielle Eintragung, seit 1. Mai, zum Beginn der Freibadsaison in Sindelfingen, hat die Bäderhilfe GmbH den Betrieb aufgenommen. Geschäftsführer ist Rainer Schuh. Das Mitglied der DLRG-Ortsgruppe Weil der Stadt bringt langjährige Erfahrung als Führungskraft im Außendienst eines großen Versicherungskonzerns mit.

Mit der Bäderhilfe leistet der DLRG-Bezirk Glems-Schönbuch Pionierarbeit

Mit der Gründung der Bäderhilfe leistet der Bezirk Glems-Schönbuch Pionierarbeit innerhalb der DLRG. „Im Vordergrund steht bei uns immer das Ziel, Schließzeiten unter allen Umstände zu vermeiden“, sagt Schuh. Darüber hinaus erhofft man sich, mit einem möglichen Überschuss Kostensteigerungen bei den Mitgliedsbeiträgen abfedern zu können.

Rainer Schuh war trotz aller Berufserfahrung überrascht, wie viele bürokratischen und finanziellen Hürden es anfangs zu überwinden galt. „Ich verstehe jetzt viel besser, warum es Firmen gibt, die nicht einmal ihr erstes Jahr überleben“, sagt der Bäderhilfe-Chef. Positiv überrascht zeigt er sich dagegen vom großen Interesse für den Job. Statt der ursprünglich angepeilten zehn Mitarbeitenden sind es inzwischen 19 Personen, die entweder als Teilzeitkraft von Mai bis September in Böblingen, Sindelfingen und aktuell auch Hildrizhausen bereitstehen oder auf Minijob-Basis bei Bedarf auch im Winter im Hallenbad aushelfen können. „Es geht nicht darum, ganze Schichten abzudecken, sondern Spitzen aufzufangen“, erklärt Schuh. Zur Bäderhilfe gehören Studenten und Schüler in Abschlussklassen, Vorruheständler, ein Pensionär und Hausfrauen.

Nach nur zweieinhalb Monaten ist es für eine erste Bilanz noch zu früh. Die bisherigen Erfahrungen sind aber bereits vielversprechend. Im Böblinger Freibad sorgte die Bäderhilfe jedenfalls dafür, dass sich die Schließung auf einen Nachmittag beschränkte. Zwar war es laut Rainer Schuh nicht möglich, sofort eine vorgeschriebene Fachkraft für Bädertechnik aufzutreiben. Schon am Tag danach, am Donnerstag, 3. Juli, war das Bad aber wieder durchgehend geöffnet – Dank Bäderhilfe und ehrenamtlichen DLRG-Leuten sowie der Unterstützung des Freibads Sindelfingen. Von dort durfte die Bäderhilfe kurzfristig eigenes Personal nach Böblingen abziehen. „Die waren sehr kooperativ“, sagt Schuh, „auch weil sie wissen, dass sie selbst einmal vor dieser Situation stehen könnten.“

„Wir haben bis jetzt nur positive Erfahrungen gemacht“, sagt Michael Welz, Bäderleiter der Stadtwerke Böblingen. Ohne die Unterstützung der Bäderhilfe sei ein Freibadbetrieb in gewohnter Form gar nicht mehr möglich. Hauptgrund ist ein Gutachten der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen (DGfdB), das die Stadtwerke Böblingen vor zwei Jahren erstellen ließen. Das Gutachten stellte fest, dass die bisherige Zahl an Schwimmmeistern und technisch ausgebildeten Fachkräften gemessen an Beckengröße und Gefahrenanlagen wie Rutschen und Sprungturm nicht ausreicht. Die Stadtwerke standen unter Zugzwang. „Das Gutachten ist rechtlich bindend. Falls etwas passiert, wird das herangezogen“, erklärt Welz.

Ob die Bäderhilfe auch bei anderen DLRG-Bezirken Schule machen wird? Noch gibt es laut Pressesprecher Michael Scholz keine konkreten Anfragen. „Aber das Interesse ist auf jeden Fall da.“

Bäderhilfe GmbH

Zweck
Die Bäderhilfe GmbH mit Sitz in Herrenberg hat sich die Aufrechterhaltung von Schwimmbädern zum Ziel gesetzt – etwa durch Dienstleistungen im Bereich der Wasseraufsicht oder Kurs- und Ausbildungsangebote.

Vergütung
Inhaber des Rettungsschwimmabzeichens in Silber bekommen 18 Euro pro Stunde, für Fachangestellte mit Kenntnissen in Bädertechnik gibt es einen Stundenlohn von 24 Euro plus Zuschläge am Wochenende und an Feiertagen.

Rechtslage
Die zuletzt in einem Leserbrief in unserer Zeitung vorgeschlagene Maßnahme, bei Personalnot „wie früher“ doch einfach Kräfte aus der Mineraltherme abzuziehen, ist laut Stadtwerke Böblingen keine Option: zum einen, weil die Therme mittlerweile auch im Sommer gut ausgelastet sei, vor allem aber, weil man speziell die vorgeschriebenen Fachkräfte für den Bäderbetrieb gebraucht hätte.

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