Neue Bahntrasse Hat die Bottwartalbahn bessere Chancen als die Ludwigsburger Stadtbahn?

Vor Jahrzehnten sind Bahnen von Marbach nach Heilbronn gerollt. Bald dürfte klar sein, ob die Trasse reaktiviert wird. Foto: Werner Kuhnle)

Die Untersuchung zur Strecke Marbach-Heilbronn verzögert sich. Unklar ist ohnehin, ob ein positives Ergebnis einen Bau zur Folge hätte – wenngleich der Bedarf laut Experten wächst.

Es wäre bemerkenswert, wenn die Ludwigsburger Stadtbahn Lucie oder auch nur Teile davon tatsächlich noch gebaut würden. Der Ludwigsburger Gemeinderat sagte Nein zu einer Trasse auf der eigenen Gemarkung. Damit fehlt gewissermaßen das Herzstück. In vermutlich nicht allzu ferner Zukunft wird man wissen, ob einem weiteren Millionenprojekt im Schienenverkehr ein ähnliches Schicksal blüht: der Bottwartalbahn, die zwischen Marbach und Heilbronn pendeln soll.

 

Aktuell ist für die Verbindung eine Standardisierte Bewertung in Arbeit. Dabei wird anhand fixer Kriterien geprüft, ob der volkswirtschaftliche Nutzen wirklich größer wäre als die mit dem Projekt verbundenen Kosten – wie von einer vorgeschalteten Machbarkeitsstudie prognostiziert. Bis spätestens April sollten die Ergebnisse vorliegen, hieß es im November 2024 bei der Vergabe der Planungsleistungen. Diesen Zeitplan kassiert das Landratsamt Ludwigsburg nun. Man rechne damit, dass die Bewertung bis Sommer vorliege, erklärt Pressesprecher Andreas Fritz.

In welche Richtung das Ergebnis geht, ist offen

Anscheinend lässt sich bis dato nicht einmal erkennen, in welche Richtung sich die Waage neigen könnte. Eine Aussage, auch tendenziell, sei nicht möglich, konstatiert Fritz.

So könnte es aussehen, wenn eine Stadtbahn zwischen Marbach und Heilbronn verkehrt. Foto: Hans-Joachim Knupfer

Doch selbst wenn die Expertise am Ende der Bahnstrecke einen positiven Kosten-Nutzen-Faktor attestieren und damit die Tür für großzügige Fördermittel weit öffnen würde, müsste das noch nichts heißen. Denn auch der Ludwigsburger Stadtbahn wurde ein hoher Wirkungsgrad bescheinigt. Aber unter anderem wegen der finanziell schwierigen Lage zog die Stadt Ludwigsburg die Notbremse.

Dass die wirtschaftliche Situation bei allen weiteren Schritten zur Bottwartalbahn ebenfalls ins Kalkül fällt, ist auch den Verantwortlichen im Landratsamt bewusst. Bei der Entscheidung zur Fortführung und Finanzierung des Projekts in den zuständigen Gremien müssten zahlreiche Faktoren wie der verkehrliche Nutzen, der mögliche Umsetzungszeitraum, aber eben auch die Haushaltslage in den Blick genommen werden, erklärt Pressesprecher Fritz. Aus Sicht der Kreisverwaltung könne die Bottwartalbahn jedoch „einen großen Beitrag zur Verbesserung der Mobilität in den Städten und Gemeinden von Marbach bis Heilbronn leisten, indem der ÖPNV deutlich attraktiver wird“. 

„Aus Sicht der Kreisverwaltung kann die Bottwartalbahn einen großen Beitrag zur Verbesserung der Mobilität in den Städten und Gemeinden von Marbach bis Heilbronn leisten, indem der ÖPNV deutlich attraktiver wird.“

Andreas Fritz, Pressesprecher Landratsamt

Bahnexperten weisen zudem darauf hin, dass es auch Positivbeispiele gibt und Schienenstrecken trotz knapper Kassen angeschoben werden – wie die Regional-Stadtbahn Neckar-Alb. Bei diesem Vorhaben sollen die drei Landkreise Tübingen, Reutlingen und Zollern-Alb besser vernetzt werden, eine Vielzahl neuer Haltepunkte entstehen. Bestehende Strecken sollen neu elektrifiziert, bestimmte Abschnitte auch zweigleisig ausgebaut werden und so eine dichtere Taktung ermöglichen. Ergänzend ist geplant, Trassen zu reaktivieren beziehungsweise neu zu bauen.

Das Gesamtprojekt setzt sich aus neun Einzelstrecken zusammen. „Davon sind alle in unterschiedlichen Umsetzungsstadien. Zwei sind bereits ausgebaut, elektrifiziert und modernisiert“, sagt Andrea Müller, Pressesprecherin des zuständigen Zweckverbands. Nicht verwirklicht wird eine Stadtbahn durch Tübingen hindurch. Das wurde per Bürgerentscheid verhindert. Vielleicht taugt diese Konstellation als Fingerzeig für die Ludwigsburger Lucie und die möglichen Äste nach Markgröningen und zwischen Remseck und Pattonville, weil das Gesamtprojekt Regional-Stadtbahn Neckar-Alb dennoch weitergeführt wird.

Oder eben auch für die Bottwartalbahn, weil deutlich wird, dass auch in diesen Zeiten Megaprojekte auf der Schiene möglich sind. Hans-Joachim Knupfer von der Bürgeraktion Bottwartalbahn streicht hervor, dass der Bedarf an der Verbindung von Marbach nach Heilbronn nicht nur weiter bestehe, sondern sogar wachse. „Nach der Potenzialermittlung des Landes werden 15.000 Fahrgäste pro Tag erwartet, das ist realistisch und bedeutet auch viele Umsteiger vom Pkw“, konstatiert er. Das Autofahren werde auch nicht billiger, gibt Knupfer zu bedenken.

Fachmann: Tempo-30-Zonen bremsen Busse weiter aus

Der Bahnfachmann Hans-Joachim Knupfer streicht die Vorteile einer Bahnverbindung durchs Bottwartal hervor. Foto: Archiv (Werner Kuhnle)

Er betont zudem, dass der Busverkehr ebenfalls „enorm teuer“ werde. Elektromodelle würden zum Maß der Dinge, kosteten aber das Doppelte. Davon abgesehen werde in den Ortsdurchfahrten zunehmend Tempo 30 ausgewiesen, was für Anwohner und die Sicherheit zwar sinnvoll sei. Der Busverkehr werde dadurch aber „noch langsamer, als er es schon ist“. Für Straßenbahnen spreche auch, dass sie nach Plan unterwegs seien und die Straßen nicht weiter verstopften.

Knupfer sieht auch keine Konflikte bei der Streckenführung der Bottwartalbahn, selbst Kreisel wie auf der potenziellen Strecke in Steinheim seien kein Problem. Das Landratsamt versichert zudem, dass kritische Punkte bei einer Fortführung des Projekts mit den beteiligten Kommunen detailliert besprochen würden. „Dabei sollen auch die betroffenen Bürgerinnen und Bürger frühzeitig eingebunden werden, um gute und nachvollziehbare Lösungen zu finden und eine breite Basis für eine eventuelle Umsetzung dieses Großprojekts zu schaffen“, erklärt Pressesprecher Andreas Fritz.

Offene Fragen

Baustart
Das Landratsamt Ludwigsburg erklärt zwar, dass die Standardisierte Bewertung zur Bottwartalbahn bis zum Sommer vorliegen soll. Offen ist aber, wann der Bau beginnen könnte. Die weiteren Schritte und deren zeitlicher Horizont hingen maßgeblich vom Ergebnis der Untersuchung „und den anschließenden Beratungen in den kommunalen Gremien ab“.

Keine Prognosen
Unklar ist auch, wie viel Geld für den Bau einer Schienenstrecke von Marbach über Murr, Steinheim, Großbottwar, Oberstenfeld, Beilstein, Ilsfeld, Talheim und Sontheim nach Heilbronn investiert werden müsste. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt seien dazu „noch keine verlässlichen Prognosen“ möglich, teilt das Kreishaus mit.

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