Neue Bar in Ludwigsburg Mit Gin auf die Mätresse anstoßen

Von Sandra Dambacher-Schopf 

Die neue Bar Grävenitz holt barocken Charme in die Gegenwart und bringt damit Leben in die ehemaligen Wohnräume der Mätresse von Herzog Eberhard Ludwig.

Die beiden  Chefs vom Grävenitz sitzen selbst gern im Kaminzimmer Foto: factum/Granville 3 Bilder
Die beiden Chefs vom Grävenitz sitzen selbst gern im Kaminzimmer Foto: factum/Granville

Ludwigsburg - „Darf man da hinsitzen?“ ist oft die erste Frage von Gästen im Grävenitz in der Ludwigsburger Marstallstraße. Denn der erste Blick geht meist nach rechts ins Kaminzimmer mit Barock-Möbeln und dem Bild der Namensgeberin Gräfin Wilhelmine von Grävenitz. Sie war einst über 20 Jahre lang die Mätresse von Herzog Eberhard Ludwig. In den Räumen der heutigen Bar hat sie früher gewohnt.

Trendgetränke und barocken Charme zusammengebracht

Im vermeintlichen Museumszimmer sind Couch, Stühle und Tisch zum Benutzen da. Vor allem, um mit einer der verschiedenen Gin- oder Craft-Beer-Sorten anzustoßen. Die Idee, Trendgetränke und barocken Charme zusammenzubringen, hatten die beiden Schulfreunde Andreas Hoheneder und Islam Kryeziu. Ihre Vorgänger waren, nachdem sie im März 2016 eröffnet hatten, nach etwas mehr als einem halben Jahr wieder ausgezogen. „Das waren Bekannte von mir“, sagt Hoheneder. Sie haben es nicht geschafft, Leben in die Bar zu bringen, obwohl das Marstall-Center und die Barockführungen durch die Stadt die kleine Nebenstraße inzwischen lebendiger gemacht haben.

Sich selbst rechnet er bessere Chancen aus: „Wir haben ein riesiges Netzwerk“ – vor allem durch Islam Kryeziu, der seit 2008 Chef der Bar Flint in der Stadt ist – ein vor allem bei Studenten beliebtes Lokal mit lauter Musik und gelegentlichen Konzerten. „Das wird jetzt aber kein zweites Flint“, sagt Kryeziu. „Das wird das genaue Gegenteil – eher etwas für die Flint-Gänger von früher, die heute erwachsen geworden sind.“ DJs wird es hier nicht geben. Aus den Boxen tönt in einer Lautstärke, bei der sich jeder unterhalten kann, moderner Jazz. Am Wochenende soll dann aber schon mal Indierock laufen. Aber nicht zu laut. Es soll gemütlich bleiben.

Mit Apfelkuchen von der Mama

Bequem lassen sich in den 50er-Jahre-Sesseln im großen Barraum auch die angebotenen Quiches, Muffins oder Kuchen verspeisen. „Der beste kommt von meiner Mutter“, sagt Hoheneder. Ein Apfelkuchen. Aber nicht nur dieser stammt aus seiner Familie. Er ist der Sohn des früher stadtbekannten gleichnamigen Reifenhändlers. Ein Kunstwerk aus Lastwagen-Laufstreifen hängt deshalb an der Wand. Künstler Branko Šmon hat die alten Teile in seinem Keller gefunden, festgestellt, dass sie aus der Firma des Vaters seines neuen Auftraggebers stammen und kurzerhand Kunst daraus gemacht. Eigentlich war er für die außergewöhnlichen Holzmöbel im Winter- und Biergartenbereich zuständig. „Das ist bei uns wie in einer Zeitreise“, sagt Hoheneder. Sie fängt somit im Barock an und geht hin bis zur aktuellen Kunst.

Die Grävenitz war schon zu Gast

Der „Grävenitz“ gefalle es – gemeint ist Sabine Servinho-Lohmann, die heute die Mätresse bei Führungen mimt. „Sie hat uns bereits besucht und wird nun unser Model für die Homepage“, sagt Hohenender. Mit guter Werbung hofft der hauptberufliche Grafikdesigner der Bar zum Durchbruch zu verhelfen. „Wir wissen aber, dass wir jetzt erst einmal einen langen Atem brauchen.“