Auch das alte Rathaus rechts im Bild wird an das neue Wärmenetz angeschlossen. Foto: vanti/Ralf Poller)
In Steinheim (Kreis Ludwigsburg) können alle Anlieger an der Ortsdurchfahrt an eine Heizzentrale angedockt werden. Allerdings sind dafür weitere Vollsperrungen nötig.
Christian Kempf
11.03.2026 - 08:41 Uhr
Eine enge Bebauung, viele potenzielle Abnehmer und wenig Spielraum für individuelle Lösungen wie eine Wärmepumpe: Die Steinheimer Altstadt ist prädestiniert dafür, über ein zentrales Wärmenetz beheizt zu werden. Das ist freilich keine neue Erkenntnis, galt aber eher als Zukunftsszenario. Überraschend ist deshalb, wie schnell die Leitungen nun verlegt werden sollen und der Beschluss dazu gefasst wurde.
Der Gemeinderat gab am Dienstag grünes Licht dafür, die Altstadt an die schon bestehende Heizzentrale vor der Riedhalle anzuschließen. Bereits ab April und bis August sollen die Rohre in der Marktstraße im Erdreich versenkt werden, von Mai bis zum Juli von der Riedstraße bis zum Steppi-Kreisel, verkündete Raphael Gruseck, Geschäftsführer der Wärmenetz Steinheim GmbH. Den Lückenschluss auf der Ludwigsburger Straße vom Kreisverkehr bis zur Marktstraße möchte man bis zum Bottwartalmarathon Mitte Oktober herstellen.
Wärmeleitung zusammen mit neuen Kanälen verlegen
Rund ums alte Rathaus werden aktuell neue Kanäle eingebaut. In dem Zug soll auch das Wärmenetz verlegt werden. Foto: Archiv (Christian Kempf)
Die Dringlichkeit hängt vor allem damit zusammen, dass aktuell in der Altstadt rund ums alte Rathaus das Kanal- und Wassernetz modernisiert wird. Demnächst werden sich die Bautrupps bis zur Marktstraße vorgeschafft haben. Im Windschatten dieses Projekts sollen auch gleich die Wärmerohre verbuddelt werden. Zu einem späteren Zeitpunkt wäre das praktisch nicht mehr möglich, gab Gruseck zu bedenken. Denn dann wären schon alle anderen Leitungen in der engen Straße verlegt und das Wärmenetz im Prinzip nicht mehr einzufädeln.
Dazu kommt, dass am Marktplatz in Bälde ein neues Rathaus errichtet wird. Ursprünglich sollte der Verwaltungssitz per Luft-Wärmepumpe beheizt werden. Nach 22 Uhr hätte das Gerät aus Lärmschutzgründen aber abgeschaltet werden müssen. Dann wären Heizstäbe angesprungen. „Ich glaube, es ist jedem klar, dass das vielleicht nicht die perfekte Lösung ist“, sagte der Bürgermeister Thomas Winterhalter. Folglich habe man untersuchen lassen, ob sich das Wärmenetz bis zum Rathaus verlängern ließe. Da noch Kapazitäten vorhanden sind, wird nun genau dies angestrebt.
Insgesamt ist der Abschnitt zwischen der Riedstraße und der Marktstraße rund einen Kilometer lang. Raphael Gruseck versicherte, dass sich alle unmittelbaren Anrainer entlang der Haupttrasse an der Höpfigheimer Straße, Ludwigsburger Straße und der Marktstraße sofort einklinken können.
Man treffe zudem Vorbereitungen, dass auch die Anlieger in den Seitenstraßen auf Sicht angeschlossen werden können. Die Bewohner im Gebiet Arkadien könnten sich bei Bedarf ebenfalls zeitnah einklinken, versicherte Thomas Winterhalter. Für spätere Bauabschnitte sei es möglich, ein ergänzendes Wärmenetz aufzubauen, zum Beispiel über eine Flusswärmepumpe an der Murr oder eine große Solarthermieanlage, sagte Gruseck.
Die Stadt möchte neben dem neuen Rathaus auch den bisherigen Verwaltungssitz über das Netz mit Wärme versorgen. Gleiches gilt für das ehemalige Gästehaus Lamm, das zu einem Wohnheim für Azubis umgestaltet werden soll.
Behörden müssen noch zustimmen
Der Wärmenetze-Fachmann Rapael Gruseck erklärt, dass sich die Leitungen vor der Marktstraße zu einem späteren Zeitpunkt nur unter einem hohen Aufwand noch verlegen ließen. Foto: Archiv (privat)
Die Kehrseite der Medaille ist, dass sich die Arbeiten nur unter Vollsperrung erledigen lassen. Genau deshalb möchte die Stadt das Teilstück in der Marktstraße jetzt in Angriff nehmen, wenn der Abschnitt ohnehin für Autos tabu ist. In die Ludwigsburger Straße solle die Baustelle auch erst wandern, wenn über die Murrer Straße ohnehin kein überregionaler Verkehr durch den Ort rolle, erläuterte Gruseck. Denn ungefähr zeitgleich werde die Murrbrücke zwischen Marbach und Murr erneuert und die Landesstraße dort gesperrt. Außerdem gehe ab dem Spätsommer der Bypass in der Marktstraße wieder auf.
Gruseck und der Bürgermeister hoffen, dass diese Argumente die übergeordneten Behörden überzeugen. Regierungspräsidium und Landratsamt müssen das Konzept nämlich noch abnicken.