Alfred Kühn wird neuer Geschäftsführer des DRK-Kreisverbands Ludwigsburg. Bei seiner Vorstellung sind auch vergangene Probleme, mit denen der Verband für Schlagzeilen sorgte, Thema.

Ludwigsburg : Anna-Sophie Kächele (ask)

Alfred Kühn stellt sich seit dem 1. Juli der Aufgabe, einen Verband mit Historie zu führen. Der DRK-Kreisverband Ludwigsburg ist mit seinen 330 Haupt- und 3000 Ehrenamtlichen für seinen Rettungsdienst, seine mobilen soziale Dienste wie dem Menüservice, seine Schulsozialarbeit und die Flüchtlingsbetreuung bekannt – aber auch für die ein oder andere Schlagzeile.

 

Nachrichten über Verschuldung, Rettungssanitäter, die wohl nicht rechtzeitig Lohn bekamen, und eine Auszubildende, die sich derzeit vor Gericht verantworten muss, weil sie versucht haben soll, Kollegen mit Medikamenten zu vergiften. Heute befindet sich der DRK-Kreisverband „in ruhigen Fahrwassern“, sagt Präsident Gerd Maisch. Das soll mit dem neuen Geschäftsführer so bleiben. Alfred Kühn weiß, auf was er sich eingelassen hat, und bringt Qualitäten aus verschiedenen Bereichen mit. Der 40-Jährige hat seine Karriere im Rettungsdienst begonnen und später als Praxisausbilder, bei der kassenärztlichen Vereinigung Hessen, den Johannitern und dem Arbeiter-Samariter-Bund gearbeitet.

Kühn will Ehren- und Hauptamt stärker verzahnen

Eigentlich, sagt er selbst, sei er kein Mensch, der gerne im Mittelpunkt steht. Seine Arbeit soll genug über ihn aussagen. „Meine Intention war es immer, Menschen zu helfen oder Menschen beizubringen, anderen zu helfen“, sagt der studierte Gesundheitsökonom bei einem Pressegespräch. Die Gesellschaft benötige Menschen, die füreinander da seien. Kühn ist auf Wolfgang Breidbach gefolgt, der nach sechs Jahren als Geschäftsführer in den Ruhestand gegangen ist.

Für seine neue Aufgabe hat er sich verschiedene Ziele gesetzt: In Zukunft will er Haupt- und Ehrenamt stärker durch Veranstaltungen und Fortbildungen verzahnen, Themen wie KI einbringen und den Rettungsdienst finanziell zukunftsfähig aufstellen.

Bereichsleiter Steffen Schassberger und Präsident Gerd Maisch (von links) bei der Vorstellung des neuen Geschäftführers Alfred Kühn (rechts) Foto: Dennis Zinkel/DzFotografie

Doch wie steht der Kreisverband finanziell da? „Was das laufende Geschäftsjahr betrifft, sieht es gut aus“, sagt Präsident Maisch. 2023 hätte man einen kleinen Gewinn von 100 000 Euro erwirtschaften können. Bis man die sechs Millionen Verlustvortrag ausgeglichen habe, würden jedoch noch etliche Jahre vergehen. „Aber mit den geringen Überschüssen kommen wir klar.“ Schwierig sei es, wenn von Landkreis und Stadt weniger Fördermittel kommen. Gewisse Angebote wie die Migrationsberatung für Erwachsene, die vom Bund gefördert werden, könnten nur mit einer weiteren Finanzierung gestemmt werden.

Ebenfalls essenziell für das DRK: Ehrenamtliche und die 25 000 Fördermitglieder. Die Frage, wie man die Zahl letzterer permanent erhöhe, komme jährlich auf. „Die Haustürwerbung ist ein schwieriges Medium, trotz aller Nachteile ist es aber die beste Methode“, sagt Bereichsleiter Steffen Schassberger. Wenn der Mensch bereit sei zuzuhören, bekomme er einen Eindruck von der Vielfältigkeit des DRKs.

DRK ist nicht nur Blaulicht

Denn das sei eben nicht nur Blaulicht, „es gibt auch einen Wohlfahrtsbereich“. Ein Beispiel: die Sozialkompetenzhilfe für jugendliche Straffällige bei Jugendgerichtshilfeverfahren. Das Bild, das die Menschen vom DRK im Kopf hätten, sei nicht vollumfänglich, so Schassberger. Daran müssten sie arbeiten. In Ludwigsburg funktioniere die Anwerbung neuer Fördermitglieder aber noch relativ gut – anders sieht es in Städten wie Stuttgart aus.

Alfred Kühn hat sich in seiner neuen Heimat Bönnigheim mit seiner Frau und zweijährigen Tochter gut eingelebt. Der gebürtige Dresdner empfindet die Menschen als „herzlich, warm und offen“. Die Gewinnung neuer Ehrenamtlicher und Fördermitglieder, die schwierige Besetzung der Stellen im Rettungsdienst, die Digitalisierung: Alfred Kühn mangelt es nicht an Herausforderungen. In seiner Rolle hat er eines vorab versprochen: Was gut läuft, bleibt gut.