Neue Bibliothek Die alte Stadtbücherei schließt

Von Thomas Borgmann 

Der Countdown für den Umzug der Stadtbibliothek an den Mailänder Platz beginnt am Montag. Die Eröffnung soll am 24. Oktober sein.  

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Stuttgart - Ingrid Bussmann, die Chefin der Stadtbücherei, weiß kaum noch, wo ihr der Kopf steht. Seit Monaten beherrscht ein einziges Thema ihre Gedanken: "Eine Besprechung jagt die andere. Am 24. Oktober, dem Tag der Büchereien in Baden-Württemberg, wollen wir die neue Stadtbücherei am Mailänder Platz eröffnen. Der Umzug vom Wilhelmspalais hinüber ins neue Haus wird ein logistischer Kraftakt wie es ihn in Stuttgart noch nie gegeben hat." Doch trotz aller Hektik hat sich Ingrid Bussmann ihre Begeisterung bewahrt: "Die neue Bibliothek ist ein kultureller Meilenstein", sagt Ingrid Bussmann, die dem Eröffnungstag in zwei Monaten heftig entgegenfiebert.

Ein logistischer Kraftakt

Für das alte Wilhelmspalais am Charlottenplatz ist schon der Samstag ein historischer Tag: es wird geschlossen, was in der Praxis bedeutet, dass dort fortan keine Bücher mehr ausgeliehen werden können. 1965 eröffnet, damals unter dem offiziellen Namen Zentralbücherei, hat das nach dem Zweiten Weltkrieg wiederaufgebaute Palais, einst der Wohnsitz des letzten Königs von Württemberg, seine Bestimmung nach rund 46 Jahren verloren.

Ingrid Bussmann sagt: "Wir haben in und um Stuttgart rund 100000 ,Kunden', die einen Bibliotheksausweis besitzen. Sie können bis zum 1. Oktober ihre ausgeliehenen Bücher ins Wilhelmspalais zurückbringen und sich dort auch gleich neue Ausweise besorgen." Die alte Stadtbücherei werde also noch nicht komplett geschlossen, sondern bleibe den ganzen September lang als Anlaufstelle erhalten. Unverändert lasse man übrigens die Nutzungsgebühren: 15 Euro pro Jahr; wer unter 18 Jahren alt sei, könne das Angebot auch weiterhin kostenlos nutzen.

Apropos Angebot. In der alten Stadtbücherei im Wilhelmspalais, die mit ihren 6400 Quadratmetern eine der kleinsten großstädtischen Zentralbüchereien in ganz Europa gewesen ist, wurden 420000 Bücher und andere Medien vorgehalten. Sie alle müssen nach einem exakten Masterplan in das neue Stammhaus im Europaviertel transportiert werden; der Umzug startet in der übernächsten Woche. Das neue Domizil bietet 20200 Quadratmeter Bruttogrundfläche, davon sind 11500 sogenannte Programmfläche.

"Bibliothek des 21. Jahrhunderts"

Ingrid Bussmann ist sichtlich stolz darauf, "dass wir für den Kubus am Mailänder Platz ein völlig neues Konzept erarbeitet haben". Nicht von ungefähr hatte OB Wolfgang Schuster das Projekt lange Jahre als "Bibliothek des 21. Jahrhunderts" gepriesen, ehe der Gemeinderat den offiziellen neuen Namen gab: Stadtbücherei am Mailänder Platz. Der Neubau hat fast 80 Millionen Euro gekostet, mehr als vier Millionen davon fließen allein in die Inneneinrichtung.

Noch ist die neue Bibliothek teilweise eingerüstet. Der Grund: als der Rohbau fertig war, hagelte es Kritik wegen seiner Farbgebung. Sowohl vielen Ratsmitgliedern als auch dem Technikressort der Stadt war die Fassade zu dunkelgrau und außerdem zu uneinheitlich. Deshalb musste in den vergangenen Wochen nachgearbeitet werden. Der Technikbürgermeister Dirk Thürnau, in dessen Ressort der Neubau fällt, sagte am Freitag: "Die Nacharbeiten an der Fassade müssen bis zum 31. August fertig sein. Durch eine Beschichtung, die das Wasser abhält und die vor allem heller ist und gleichmäßig aufgebracht wurde, sieht das Gebäude jetzt so aus, wie wir uns das von Anfang an vorgestellt hatten." Die Kosten für die Nacharbeit müsse die verantwortliche Baufirma tragen.

Im nächsten und im übernächsten Jahr soll in unmittelbarer Nachbarschaft der neuen Bibliothek mit dem Bau der Sparkassenakademie sowie mit dem Bau des lange umstrittenen Einkaufszentrums der ECE, zu dem auch Wohnungen gehören, begonnen werden. Aber auch das alte Wilhelmspalais am Charlottenplatz wartet auf eine neue Zweckbestimmung: Weil Stuttgart die einzige deutsche Großstadt ist, die kein Stadtmuseum besitzt, sind die Kulturverwaltung und der Gemeinderat übereingekommen, die sich an der Kulturmeile bietende Chance zu nutzen. Die Vorarbeiten laufen bereits seit Jahren. Erst kürzlich wurde der Kostenrahmen auf 32 Millionen Euro festgelegt, Bund und Land werden knapp elf Millionen Euro an Zuschüssen beisteuern. Mit dem Umbau soll im Herbst 2013 begonnen werden - 2016 will man das Stadtmuseum einweihen.

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