Neue Bibliothek Stuttgart Der trockenste Scherz des Jahres

Von  

Der Springbrunnen in der Bibliothek Stuttgart plätschert bis zu seiner Nachbesserung nicht mehr. Eine wahrhaft märchenhafte Geschichte.

Die Quelle des Wissens ist in der Bibliothek vorübergehend versiegt. Foto: Heiss 2 Bilder
Die Quelle des Wissens ist in der Bibliothek vorübergehend versiegt. Foto: Heiss

Stuttgart - Es war einmal ein Baumeister aus Korea, der vor vielen Jahren von einem mächtigen Rat in Stuttgart beauftragt wurde, ein Haus für die Bücher zu bauen. Im Volk der Schwaben war man begeistert von den Plänen des Baumeisters, weil die von ihm geplante Bibliothek dereinst von einer Wasserfläche umgeben sein sollte. Die Philosophen unter den Schwaben sprachen von wunderschönen Reflexionen - und sie meinten dabei das Wasserbecken, aber auch die klugen Gedanken, die aus diesem Entwurf emporsprudelten.

Doch viele Jahre plätscherten dahin, bis die stolze Bibliothek in der Stadt Gestalt annahm. Die Väter der Stadt gaben 79 Millionen Euro aus ihrer Schatulle - doch leider rann ihnen das Geld so schnell durch die Finger, dass sie die Pläne für das Wasserbecken rund um die Bibliothek wieder begraben mussten.

 

Da wurde der Baumeister aus Korea sehr traurig. Und mit ihm klagten auch seine Auftraggeber, weil sie doch das Wasser liebten und so stolz waren auf ihre Mineralbäder und auf ihren Nesenbach, den sie einst zubetoniert und in den Untergrund verbannt hatten.

 

Das schlechte Gewissen plagte sie alle sehr. Da fiel ihnen eine geniale Lösung ein: Wenn schon außen das Wasserbecken eingespart wurde, so sollte doch im Inneren der Bibliothek ein kleines Wasserspiel die Sinne der Besucher erfreuen.

Quelle des Wissens ist versiegt

Und so kam es, dass am großen Tag der Eröffnung aus allen Himmelsrichtungen wichtige Menschen in die Bibliothek strömten, um dem Haus die Ehre zu erweisen. Der Baumeister aus Korea war da, genau wie König Wolfgang und seine Statthalterin Ingrid, die das Haus der Bücher leitet.

Die Menschen staunten, als sie durch das Haus lustwandelten. Manch einer blickte wie ein Hans-guck-in-die-Luft zur Decke empor, als er plötzlich "plitsch-platsch" mitten in dem kleinen Wasserspiel stand. Denn leider hatten die weisen Planer vergessen, den kleinen Brunnen farblich von der Umgebung abzuheben.

Und so liefen einige Besucher triefsockig durch die Bibliothek, während um sie herum ein lautes Gelächter anschwoll. Seitdem hat die Bibliothek ihre Quelle des Wissens klammheimlich versiegen lassen - der Baumeister soll nachbessern. Manche Märchen enden ganz schön trocken.

Sonderthemen