Neue Bienenvölker in Birkach 240 000 neue Mitbewohner

Es summt und brummt in Birkach. Am Nikolaus-Cusanus-Haus stehen seit Mitte Mai Bienenkästen der Stuttgarter Demeter-Imkerei Summtgart. Auch in Sillenbuch leben Völker der Initiative.

Tobias Miltenberger präsentiert stolz seine Bienen. Foto: Sophie Maier
Tobias Miltenberger präsentiert stolz seine Bienen. Foto: Sophie Maier

Birkach - Es summt, es brummt, es fliegt, es herrscht Hochbetrieb: Bei den sechs Bienenstöcken am Nikolaus-Cusanus-Haus kann man wahrlich von fleißigen Bienen sprechen. Am Zugangsschlitz herrscht eifriges Kommen und Gehen, und vor den Stöcken erinnern die Ein- und Ausflugschneisen der Bienen ein bisschen an die Landebahn des Flughafens.

Für die Bienen gibt es zurzeit viel zu tun

„Der Regen stört die Bienen nicht“, erklärt Tobias Miltenberger. „Die Pflanzen haben gerade viel Nektar, weil es viel geregnet hat und nicht zu heiß war.“ Für die Arbeiterinnen des Bienenvolks gibt es gerade also viel zu tun.

Miltenberger bildet gemeinsam mit David Gerstmeier die Stuttgarter Demeter-Imkerei Summtgart, die wesensgemäße und ökologische Bienenhaltung praktiziert. Seit Mitte Mai stehen sechs Bienenstöcke am Nikolaus-Cusanus-Haus, die von Summtgart betreut werden. Die Initiative dazu ging von Nikolai Keller aus, dem Leiter des Nikolaus-Cusanus-Hauses. „Wir haben schon lange den Wunsch, Bienen hier zu haben“, berichtet er. Und wenn schon Bienen, dann bitte eine wesensgemäße Haltung – „das entspricht dem anthroposophischen Betrieb und Konzept unseres Hauses“.

Liebe auf den ersten Blick

Über den Verein Mellifera, der ebenfalls auf wesensgemäße Bienenhaltung in seiner Lehr- und Versuchsimkerei setzt, kam der Kontakt zu Tobias Miltenberger und David Gerstmeier zustande, und dann bald darauf ein erstes Treffen vor Ort. „Für uns war es Liebe auf den ersten Blick“, sagt Nikolai Keller. Tobias Miltenberger gesteht, dass er zunächst skeptisch war – aus gutem Grund: „Wir bekommen so viele Anfragen, von denen nicht alle funktionieren.“ Beispielsweise ist den Imkern wichtig, wie die Menschen an den jeweiligen Standorten zu den Bienen stehen. „Wir wollen die Bienenstöcke nirgends hinstellen, wo es den Leuten egal ist, oder wo das vielleicht sogar negativ gesehen wird.“ Solche Bedenken haben sich aber schnell in Luft aufgelöst – und Miltenberger ist sich sicher, dass die wesensgemäße Bienenhaltung bestens zum Nikolaus-Cusanus-Haus passt.

Dazu gehört beispielsweise, dass die Königinnen zeit ihres Lebens bei ihrem Bienenvolk bleiben – und nicht etwa irgendwann durch jüngere, leistungsstärkere Königinnen ersetzt werden, wie in der konventionellen Imkerei üblich. Ebenso wenig werden ihnen die Flügel gestutzt, um sie am Ausfliegen zu hindern. Die beiden Imker ernten nur etwa 30 Prozent des Honigs, damit das Bienenvolk noch genügend Nahrung für sich selbst hat. Und die Waben bauen die Bienen ganz alleine – ohne vorgegebene Plastikplatten. „Der Gesamtorganismus des Bien und seine Integrität stehen bei uns im Vordergrund“, sagt Tobias Miltenberger. Er meint mit dem Begriff „Bien“ das ganze Bienenvolk. „Eine Lebensgemeinschaft, bei der Verantwortung miteinander und füreinander übernommen wird – das passt zu unserem Haus“, ergänzt Nikolai Keller.

Es kommt Leben in den Garten

Seit Mitte Mai stehen die sechs Bienenstöcke am Cusanus-Haus, und die Imker sind mehrmals pro Woche vor Ort, um bei den Völkern nach dem Rechten zu sehen. Vier weitere Bienenstöcke sollen in den nächsten Wochen hier angesiedelt werden. „Unsere Bewohner sind total begeistert, es gibt nicht eine einzige kritische Stimme“, sagt Nikolai Keller. „Mit den Bienen kommt Leben in den Garten – das ist eine ganz andere Atmosphäre.“

„Die Wertschätzung hier ist für uns natürlich toll“, sagt Tobias Miltenberger. Unterstützung suchen die beiden Imker auch noch für ihre Spendenaktion als Crowdfunding: Miltenberger und Gerstmeier möchten zwei Lastenfahrräder mit Elektroantrieb anschaffen, um ihre Imkerausstattung transportieren, aber zukünftig ohne CO2-Ausstoß zu ihren Bienenstöcken fahren zu können. Die sind neben Birkach auch in Möhringen, Stuttgart-West und Sillenbuch – hier auf dem Demeterhof Wais – untergebracht. Rund 4900 Euro kostet ein solches Fahrrad.

Und in nicht allzu ferner Zukunft wird es dann den Nikolaus-Cusanus-Honig geben – von den Bienen, die in Blumen und Bäumen rund ums Cusanus-Haus Nektar sammeln, und mit einem eigens gestalteten Etikett.

Unterstützung:

Wer bei der Spendenaktion von Summtgart mitmachen möchte, findet auf der Internetseite www.summtgart.de den Link zum Aufruf der Imker auf der Crowdfunding-Seite Ecocrowd. Bis 23. Juni kann man noch spenden.

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