Neue Chefin der Stuttgarter Kunstakademie Es muss saniert werden!

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Am Dienstag tritt an der Stuttgarter Kunstakademie die neue Rektorin Barbara Bader ihr Amt an. Sie will den Generationswechsel nutzen, um die Hochschule für die Zukunft zu rüsten. Vor allem will sie aber die Bauten und die Technik sanieren – Zeit wird’s, wie der jüngste Deckeneinsturz zeigt.

Barbara Bader möchte die Kunstakademie durchmischen – in jeder Hinsicht. Foto: Martin Lutz
Barbara Bader möchte die Kunstakademie durchmischen – in jeder Hinsicht. Foto: Martin Lutz

Stuttgart - Sie hat ihr neues Amt noch nicht einmal angetreten, da gibt es schon die erste Hiobsbotschaft. Wie berichtet, ist am Dienstag im Bildhauerbau der Stuttgarter Akademie der Bildenden Künste ein Dach eingestürzt, zwei Studentinnen wurden leicht verletzt. Das trübt die Freude: am kommenden Dienstag ist der Festakt, bei dem Barbara Bader in ihr Amt eingeführt wird. Sie ist neue Rektorin der Kunstakademie und folgt auf Petra Olschowski, die im Mai 2016 Staatssekretärin im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst wurde. Sie habe, so Bader, die Akademie „gut aufgestellt“ hinterlassen – bis auf den gewaltigen Sanierungsstau. Selbst wenn noch nicht geklärt ist, ob das Dach aus Altersgründen oder wegen einer Sprengung für S 21 eingestürzt ist, sind die Gebäude auf dem Weißenhof nicht im besten Zustand. „Es kann sein, dass wir heute nachmittag keine funktionierende Telefonanlage haben“, sagt Bader, „und im Keller tropft es.“

Viel zu tun also für die „mundfaule Schweizerin“, wie Bader von einigen Kollegen genannt wird. Denn wenn die 44-Jährige in eine Sitzungen geht, hört sie zu und sagt zum Schluss zwei, drei Sätze. Das war es. „Man denkt, man spricht dieselbe Sprache“, sagt Bader, „aber in der Schweiz pflegt man eher eine Kultur des Kompromisses, ist selten konfrontativ. Das ist hier anders.“

So zurückhaltend und zart Barbara Bader zunächst wirken mag, bisher ist sie ihren Weg durchaus zielstrebig gegangen. Begonnen hat sie als Grundschullehrerin, dann in Prag Bildnerisches Gestalten studiert und schließlich an der Universität Oxford ihren Master in Kunstgeschichte gemacht und promoviert. Nach Stationen an den Kunsthochschulen von Bern und Zürich ist sie seit dreieinhalb Jahren in Stuttgart Professorin für Kunstdidaktik und Bildungswissenschaften.

Die neue Chefin wünscht sich mehr Weitsicht

„Eine Zickzackbiografie“, nennt sie diesen Weg, der ihr aber Einblicke in verschiedenste Hochschulen gegeben hat, wovon sie jetzt profitieren kann. Denn an der Akademie steht ein Generationenwechsel an. In den kommenden Jahren wird ein gutes Drittel der Professorenschaft in Ruhestand gehen. Allein drei Malereistellen werden frei. „Diesen Fehler sollte man nicht noch mal machen, dass drei Professuren mit ungefähr gleich alten Menschen besetzt werden, die einen bestimmten Zeitgeist vertreten“, meint Bader, die eine klare Vision für die Akademie hat: „Insgesamt finde ich eine höhere Diversität, Männer, Frauen, Alter, Kunstauffassung sehr interessant.“ Wenn es nach ihr geht, sollte die scheidende Generation nicht einfach „durch eine nächste Generation, eine Kohorte ersetzt werden, die dann gemeinsam altert.“

Aber Barbara Bader kennt die Akademie gut genug, um zu wissen, dass sie Veränderungen nicht allein auf den Weg bringen kann. „Man muss Überzeugungsarbeit leisten. Letztlich entscheidet nicht die Rektorin, sondern das tun die zuständigen Studienkommissionen, Fachgruppen, der Senat.“ Sie hofft, dass dabei der „Blick fürs große Gesamte“ berücksichtig wird, „Weitsicht über den Rand hinaus wäre schön.“

Die Stuttgarter Akademie ist eine Mehrspartenhochschule, sie hat künstlerische, wissenschaftliche und gestalterisch-angewandte Fächer im Angebot. Diese möchte Bader stärker vernetzen, weil sie eine „interdisziplinäre Denkweise“ für wichtig hält. Bisher müssen sich die Studierenden früh für ein Fach entscheiden. „Das ist eine irreversible Entscheidung, man bekommt nicht die Chance, in andere Bereiche hinein zu schnuppern“, meint die neue Rektorin und würde die Grundklassen gern öffnen, statt wie bisher strikt nach Disziplinen zu trennen.




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