Frau Walther, warum wollten Sie ausgerechnet Bürgermeisterin in Schönaich werden?
Der Wunsch, etwas Neues zu machen, war schon eine Weile da. Ich suche ständig neue Herausforderungen. Durch meine Tätigkeit im Stab des Sindelfinger Oberbürgermeisters Vöhringer habe ich große Einblicke in die Themenvielfalt einer Stadtverwaltung erhalten. Und es erwuchs der Wunsch, auch selbst zu gestalten. Dann habe ich im Winter den Artikel gelesen, dass Daniel Schamburek Schönaich verlässt und ich dachte: Ich fahr da mal hin und schau es mir an.
Und was war Ihr Eindruck vom Ort?
Ich bin mit meiner Familie eine Stunde in Schönaich herumgefahren – und gelaufen. Und wir haben uns sofort wohl gefühlt. Man merkt, dass die Leute gern hier leben. Die Häuser sind mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Und es gibt unglaublich viele Angebote wie Kunst- und Werkschule, Musikschule, Mediothek, Freibad, für die sich Leute mit viel Herzblut engagieren. Was uns sofort aufgefallen ist: Es fehlt eine Ortsmitte. Die haben wir vergeblich gesucht.
Was sagen Ihre beiden Söhne, dass Sie nun Bürgermeisterin sind?
Sie haben sich gefreut. Ich habe sie ja ganz bewusst einbezogen in den Wahlkampf. Nicht aktiv, indem ich sie überall mitgenommen habe. Das wollte ich nicht. Sondern ich habe mit ihnen zum Beispiel meine Rede für die offizielle Vorstellung geübt.
Und wie war die Reaktion?
Sie haben mich gelobt und mit ausgedachten Fragen zu Schönaich gelöchert. Das war eine gute Vorbereitung für die Fragerunde bei der Vorstellung.
Was glauben Sie, warum die Schönaicher Sie gewählt haben? Weil Sie eine Frau sind? Oder weil Sie den Blick von außen mitbringen?
Ich denke, es ist eine Mischung.
Haben Sie keine Angst in ähnliche Querelen wie Ihr Vorgänger zu geraten, der sich mit dem Rathausteam und dem Gemeinderat überworfen hatte?
Zu diesen Querelen kann ich nichts sagen, da ich nicht dabei war. Aber ich weiß: Konflikte gibt es immer und überall. Wichtig ist, rechtzeitig mit den Leuten zu reden, bevor es eskaliert. Darauf bin ich gut vorbereitet, ich habe im vergangenen Jahr nebenberuflich eine Fortbildung zur Mediatorin gemacht. Ich denke, Kommunikation ist eine meiner Stärken. Und ich habe bereits im Wahlkampf gesagt: Die ersten hundert Tage nehme ich mir ganz bewusst Zeit - ich möchte ein starkes Team im Rathaus und ein starkes Team im Gemeinderat. Ich weiß, die Erwartungen an mich sind hoch, etwas zu schaffen. Aber dafür müssen wir erst die Grundlage legen. Und dafür brauche ich ein starkes Team.
Sie sind vor 17 Jahren als Au-pair-Mädchen nach Deutschland gekommen. Warum zog es Sie hierher?
Meine Mutter war mit dem evangelischen Kirchenchor aus Kiew ein paar Mal in Deutschland gewesen. Sie war begeistert von dem Land. So hat sie zum Beispiel Väter allein mit ihren Kindern auf den Spielplätzen gesehen, was damals in der Ukraine sehr unüblich war. Als ich selbst mit dem Kirchenchor nach Deutschland kam, habe ich mich sehr wohl gefühlt. Was mir damals aufgefallen ist: Alle Menschen sind mir sehr freundlich und offen begegnet. Daher entschied ich mich für ein Au-pair-Jahr in Deutschland und bin dann doch hier geblieben.
Gab es im Wahlkampf Vorbehalte gegen Ihre Herkunft?
Nein, ich habe nur positive Reaktionen erhalten. Eine Frau sagte: „Sie kommen aus dem Ausland. Was Sie schon alles erlebt haben, das ist toll.“
Und wie sind Sie in die Politik gekommen?
Durch mein Engagement als Elternbeiratsvorsitzende in Kindergarten und Schule in meinem Wohnort Renningen. Wir haben alle Parteien besucht, um für eine Ganztagesbetreuung zu werben. Im SPD-Ortsverein habe ich mich so wohl gefühlt, dass ich beschloss, Mitglied zu werden.
Hat Ihre Arbeit im Sindelfinger Rathaus Sie auf Ihre Tätigkeit in Schönaich vorbereitet?
Auf jeden Fall. Ich habe in Sindelfingen eine für mich sehr bereichernde und spannende Zeit verbracht: Durch die Erfahrungen, die ich als Leiterin der Abteilung Bauverwaltung und als operative Leitung im Stab des Oberbürgermeisters sammeln durfte, fühle ich mich sehr gut gerüstet für das verantwortungsvolle Amt.
Und was hat Ihr bisheriger Chef Bernd Vöhringer zu Ihrem Weggang gesagt?
Er hat mir zur Wahl gratuliert und gesagt, dass er sich sicher ist, dass ich die neue Herausforderung in Schönaich gut meistern werde.
Was möchten Sie gern in Schönaich zügig anpacken?
Dringlich ist die Sanierung des Skateparks für die Jugendlichen. Und für die Senioren die Erweiterung der Diakoniestation. Der demografische Wandel schreitet voran und wir müssen rechtzeitig darauf reagieren. Wichtig ist mir auch eine kluge Nachverdichtung. So müssen Neubauprojekte so geplant werden, dass auch die entsprechende Infrastruktur dafür da ist. Also zum Beispiel die Kinderbetreuung. Perspektivisch sind die Themen Ortsmitte und Begegnungsmöglichkeiten für die Menschen wichtig. Ich bin sehr zuversichtlich, dass diese Themen durch die Bürgerinnen und Bürger in die Erarbeitung des Ortsentwicklungskonzeptes, die nun ansteht, eingebracht werden. Selbstverständlich gibt es weitere wichtige Themen, die ich gemeinsam mit dem Gemeinderat angehen werde.
Werden Sie mit Ihrer Familie nach Schönaich ziehen?
Vorerst nicht. Vielleicht erweist es sich als gut, wenn ich mir weiter den Blick von außen bewahre. Vielleicht stelle ich aber in zwei oder drei Jahren auch fest, dass es für die Gemeinde, meine Familie und mich gut wäre, nach Schönaich zu ziehen. Das werden wir sehen.