Hollywood hat in „Ghostbusters“ einst Erwachsene gegen Gespenster antreten lassen. Das deutsche Kino setzt auf Kinderarbeit: ein auch noch ängstlicher Junge muss mit Spuk kämpfen. Aber er bekommt Hilfe – von einem Gespenst.
Stuttgart - Kinder und Erwachsene lachen nicht unbedingt über dieselben Dinge. Den Machern der Kinderbuchverfilmung „Gespensterjäger“ ist das bewusst. Die Autorin der Vorlage, Cornelia Funke, die beim Start der vierbändigen „Gespensterjäger“-Reihe 1993 am Anfang ihrer Schriftstellerkarriere stand, soll das Buch als eine „Abenteuergeschichte für lesefaule Achtjährige“ bezeichnet haben – eine treffende Charakterisierung.
Es geht um einen ängstlichen Elfjährigen, der im Keller ein Gespenst entdeckt, das niemand sonst sehen kann. Das harmlose Wesen wurde von einem wirklich gefährlichen Gespenst aus einer alten Villa vertrieben. Um ihm die Heimkehr zu ermöglichen und den anderen Spuk unschädlich zu machen, wendet der Junge im Verbund mit einer Freundin seiner Oma Tricks aus einem uralten Ratgeber an.
Nach diesen Motiven bastelten der Regisseur Tobi Baumann („Der Wixxer“, „Vollidiot“) und sein Drehbuchteam eine ausuferndere, aber immer noch kindgerechte Story. Aufgepeppt ist sie durch Anspielungen auf Produktionen wie „Ghostbusters“ oder „Men in Black“ und Dialoge, die an manchen Stellen auch große Zuschauer amüsieren.
Gute Geister, böse Geister
Der stille, aber fantasievolle Tom, hervorragend gespielt von dem britischen Jungen Milo Parker, lernt die Geisterjägerin Hedwig Kümmelsaft kennen. Anke Engelke, hier mit wilden grausträhnig-schwarzen Locken, überzeugt als Eigenbrötlerin ohne Sozialkontakte, die Kinder genauso wie Gespenster verabscheut. Sie gehört dem geheimen „CGI“, dem „Centralen Gespensterjäger Institut“ an, dessen Hauptquartier unter der Tarnkappe eines Fast-Food-Restaurants residiert.
Es dauert ein bisschen, bis sie Tom und dessen neuen Kumpel, das sehr knuddelige grüne Gespenst Hugo, ernst nimmt. Und dies auch nur angesichts der Bedrohung, die sie spürt, als sie einen grimmigen Eisdämonen in der alten Villa ortet, der das Wetter zu verändern scheint.
Meistens schnoddrig-cool
Gegen das frostige Ungeheuer gibt es aber ein Mittel: die Wärme echter Freundschaft. Das ist der einzig gefühlige Aspekt dieser schnoddrig-cool gestalteten Komödie. Dankenswerterweise führt sie Erwachsene aber nie als Knallchargen vor. Selbst wenn sich – peinlich für Kleine, amüsant für Große – Toms Vater (Christian Ulmen) abmüht, seinen Buben zu verstehen, den die Schwester nur „Psychozwerg“ nennt.
Würde „Gespensterjäger“ bei allen originellen Drehorten und Studiokulissen noch etwas mehr Lokalkolorit versprühen, könnten wir ihn – im Unterschied zu Cornelia-Funke-Bestseller-Verfilmungen wie „Tintenherz“ – sofort auf unsere Kinderfilm-Lieblingsliste setzen.
Gespensterjäger. Deutschland, Österreich, Irland 2014. Regie: Tobi Baumann. Mit Anke Engelke, Milo Parker, Christian Tramitz, Christian Ulmen, Karoline Herfurth. 99 Minuten. Ab 6 Jahren.