Neue Corona-Beschränkungen Veranstalter wollen Staatshilfe bis Sommer 2022

Die Hannover Messe, die weltgrößte Industrieschau, fand in diesem Jahr rein digital statt. Foto: dpa/Julian Stratenschulte
Die Hannover Messe, die weltgrößte Industrieschau, fand in diesem Jahr rein digital statt. Foto: dpa/Julian Stratenschulte

Die Branche bangt um ihre Existenz und fordert die Verlängerung der Staatshilfen. Sie hat viel Personal verloren – auch deshalb wird ein Neustart nach der Pandemie schwer sein.

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München - Es ist ein verzweifelter Hilferuf: „Wir werden alle untergehen“, warnt Kerstin Meisner. Sie ist Mitglied im gerade geschaffenen elfköpfigen Vertreterrat der Veranstaltungswirtschaft, die sich mit dem Hochlaufen der vierten Pandemiewelle hierzulande ihrem kollektiven Untergang näher sieht denn je. Denn die wieder verschärfte Bekämpfung des Coronavirus versetzt der Branche neue Tiefschläge im Rekordtempo.

Binnen fünf Tagen sei eine Stornowelle über sie hereingebrochen, die geplante Umsätze von rund hundert Millionen Euro vernichtet habe, bilanziert Meisner. Acht von zehn Unternehmen der Branche seien betroffen. Gleichzeitig habe die Politik beschlossen, Überbrückungshilfen und Kurzarbeit für die Branche Ende 2021 auslaufen zu lassen. Bleibt es dabei, stünden Pleiten und Jobverluste bevor, warnt der Vertreterrat der durchaus bedeutenden Branche. Hierzulande zählt sie rund 243 000 Unternehmen und zwei Millionen Beschäftigte.

Fast die Hälfte der Mitarbeiter ist weg

Zumindest war das vor der Pandemie so: „40 bis 50 Prozent der Mitarbeiter haben unsere Branche verlassen“, sagt Christian Eichenberger. Auch er ist Mitglied des Vertreterrats und weiß nicht, wie man Personal zurückbekommen soll. Zu ungewiss seien die Neustartchancen. Die Stornowelle trifft die sechstgrößte Branche des Landes mit in Normalzeiten gut 80 Milliarden Euro Jahresumsatz zu einem Zeitpunkt, als sie sich leicht zu erholen begann. Jetzt geht es wieder steil nach unten mit der Absage von Messen und Tagungen über Konzerte und Festivals bis Betriebsfeiern und Hauptversammlungen. Auf den Kosten dieser Absagen säßen nun die Firmen der Veranstaltungswirtschaft, deren Eigenkapital im Verlauf der Pandemie um im Schnitt 70 bis 90 Prozent abgeschmolzen sei, sagt Eichenberger.

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2020 musste die Branche einen Umsatzeinbruch von über drei Vierteln verkraften, hat das Ifo-Institut ermittelt. „2021 wird es wahrscheinlich schlimmer“, schätzt Eichenberger. Denn bis März 2020 lief es noch gut.

Eine Million Arbeitsplätze sind noch übrig

Die Veranstaltungswirtschaft stehe hinter der Verschärfung der Coronamaßnahmen, stellt Meisner klar. Der Staat müsse aber ihre Not lindern. Es gehe um gut eine Million Arbeitsplätze, die noch übrig sind. Ein Neustart danach sei vor allem mangels Personals keine ausgemachte Sache, stellt Eichenberger klar. Die Ausbildung in den Betrieben sei komplett zum Erliegen gekommen. Wenn der Staat nun nicht erneut Finanzhilfen zur Verfügung stelle, seien die Staatshilfen der vergangenen Monate sinnlos verbrannt, weil dann ein Pleitewelle komme, argumentiert Meisner.

Um das zu verhindern, hat die Branche einen 33 Punkte umfassenden Forderungskatalog formuliert. Er beinhaltet Staatshilfen für Firmen bis sechs Monate über das Auslaufen aller Coronabeschränkungen hinaus. Personal müsse man per Eingliederungshilfe von steuerfreien 1500 Euro zurück gewinnen. Handeln müsse jetzt noch die alte Bundesregierung, betonen Meisner und Eichenberger. Denn bis die neue sich formiert, sei es für viele Firmen zu spät. Auch eine Arbeitslosenversicherung für Soloselbstständige müsse die Politik endlich ermöglichen. Meisner fleht regelrecht in Richtung Politik: „Bitte lassen Sie uns nicht zur vergessenen Branche werden.“

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