Der Corona-Krisenstab im Kanzleramt steht in den Startlöchern. Er wird mit der von der Delta-Variante getriebenen vierten Welle alle Hände voll zu tun haben. Und es kommt noch eine neue Unbekannte hinzu – Omikron.

Leben: Markus Brauer (mb)

Die neu entdeckte Variante B.1.1.529 des Coronavirus bereitet weltweit zusätzliche Sorgen. Omikron ist mittlerweile in zahlreichen Ländern – auch in Deutschland – aufgetaucht. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die zunächst im Süden Afrikas entdeckte Variante als „besorgniserregend“ eingestuft. Mehrere Länder, darunter die Bundesrepublik, reagierten mit schärferen Reisebeschränkungen. Die Gesundheitsminister der führenden westlichen Wirtschaftsnationen (G7) wollen an diesem Montag dazu beraten.

Welche Symptome treten bei Omikron auf?

Die mit B.1.1.529 infizierten Menschen in Südafrika sind nach Angaben der dortigen Mediziner-Vereinigung (Sama) bislang nicht schwer erkrankt. Die Vorsitzende des südafrikanischen Ärzteverbands, Angélique Coetzee, sagt: „Die Patienten klagen meist über einen schmerzenden Körper und Müdigkeit, extreme Müdigkeit, und wir sehen es bei der jüngeren Generation, nicht bei den älteren Menschen.“

Es handele sich nicht um Patientinnen und Patienten, die direkt in ein Krankenhaus eingeliefert würden. Coetzee fügt hinzu, die Symptome der neuen Corona-Variante seien zwar ungewöhnlich, aber mild.

Die Patienten hätten unter starker Müdigkeit und körperliche Schmerzen gelitten. Keiner von ihnen habe einen Geschmacks- oder Geruchsverlust beklagt. „Ihre Symptome waren so anders und milder als die, die ich zuvor behandelt hatte.“

Erkranken mit Omikron Infizierte schwerer?

Der Leiter der Virologie in der Berliner Charité, Christian Drosten, blickt dennoch sorgenvoll auf die neue Variante. „Ich bin schon ziemlich besorgt im Moment“, sagte der Virologe im ZDF-„heute journal“. Man wisse nicht allzuviel über die neue Variante. Berichte über milde Verläufe hätten noch nicht sehr viel Substanz angesichts von nur gut 1000 Fällen. Hier müsse man die klinischen Verläufe abwarten.

Schützen Impfungen vor den Symptomen?

Laut Drosten sieht man, dass Omikron häufig bei jungen Leuten in Südafrika auftaucht und auch Menschen betrifft, die eine Erkrankung schon hinter sich haben. Er habe die Sorge, dass man die erste wirkliche „Immunflucht-Mutante“ vor sich habe.

Auch könne man noch nicht sagen, wie sich die Variante hierzulande verhalte, wo viele Menschen geimpft seien, so Drosten weiter. „Keiner kann im Moment sagen, was da auf uns zukommt. Das Einzige, was man wirklich mit Sicherheit sagen kann ist: Es ist besser, wenn man geimpft ist. Es ist noch besser, wenn man geboostert ist.“ Die verfügbaren Impfstoffe würden gegen einen schweren Krankheitsverlauf wohl schützen.

Was macht Omikron potenziell gefährlich?

Omikron besitzt im Vergleich zum ursprünglichen Sars-CoV-2 aus dem chiensischen Wuhan eine ungewöhnlich hohe Zahl von etwa 30 Aminosäureänderungen allein im Spike-Protein. Darunter sind Mutationen, von denen bekannt ist, dass sie mit einer stärkeren Übertragbarkeit in Verbindung stehen.

Hinzu kommen viele Mutationen, deren Bedeutung noch unklar ist. „Auch wenn wir den Effekt einzelner Mutationen aus den anderen Varianten kennen beziehungsweise abschätzen können, ist aktuell unklar, welchen Effekt diese Kombination an Mutationen haben wird“, erklärt Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie (DGfI).

Wie breitet sich Omikron aus?

Die Variante breitet sich offenbar schnell aus, aus vielen Ländern wurden inzwischen Fälle gemeldet, darunter Großbritannien, Israel, Dänemark, Belgien, Tschechien und Italien. In den Niederlanden wurden bei 13 Reisenden aus Südafrika Omikron-Infektionen festgestellt. Israel schließt seine Grenzen für Ausländer. Spanien lässt aus Großbritannien nur noch Geimpfte einreisen. Die Philippinen stellen vorübergehend den Flugverkehr aus sieben europäischen Ländern ein.

Wie könnte die Virus-Variante entstanden sein?

Die überraschend viele Mutationen tragende Corona-Variante Omikron könnte Experten zufolge in einem Patienten mit HIV oder einer anderen Form der Immunschwäche entstanden sein. Das sei denkbar und wahrscheinlich, ähnliche Befunde seien in anderen Fällen bereits publiziert worden, sagt Carsten Watzl.

In Menschen mit geschwächtem Immunsystem könne sich das Virus über viele Wochen vermehren, so Watzl. „Dabei können immer wieder vereinzelt Mutationen auftreten, die dem Virus eventuell keinen Vorteil bringen, die sich aber aufgrund der fehlenden Kontrolle durch das Immunsystem dennoch weiter vermehren können.“ Damit könnten zusätzliche Mutationen entstehen, die dann in der Kombination eventuell einen Vorteil brächten.

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