Neue Daimler-Strategie Smart soll mit chinesischer Hilfe durchstarten

Daimler-Vorstandsmitglied Britta Seeger und Dirk Adelmann, Chef von Smart Europa, präsentieren den Showcar  aus deutsch-chinesischer Gemeinschaftsproduktion. Foto: dpa/Sven Hoppe 11 Bilder
Daimler-Vorstandsmitglied Britta Seeger und Dirk Adelmann, Chef von Smart Europa, präsentieren den Showcar aus deutsch-chinesischer Gemeinschaftsproduktion. Foto: dpa/Sven Hoppe

Das deutsch-chinesische Gemeinschaftsunternehmen Smart präsentiert auf der IAA in München ein SUV als Showcar. Es soll zeigen, wohin die Reise beim Neustart geht, um die Marke auf Erfolgskurs zu bringen.

Wirtschaft: Harry Pretzlaff (hap)
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München - Die Zukunft von Smart nimmt Formen an. Als Vorboten des vollelektrischen SUV, das im nächsten Jahr auf den Markt kommen soll, präsentiert das 2019 gegründete Gemeinschaftsunternehmen von Daimler und Geely auf der Automobil-Ausstellung IAA ein Showcar. Es zeigt, wo die Reise beim Neustart der Marke hingehen soll. Für das Design ist Mercedes-Benz zuständig, entwickelt wird es vom Joint Venture in China mit Unterstützung von Geely – dort wird der Wagen auch produziert.

Vertriebschef muss der Showcar-Präsentation fernbleiben

„Unsere Firma hat jetzt knapp 600 Mitarbeiter, davon über 80 in Europa. In den wesentlichen europäischen Märkten haben wir bereits Tochtergesellschaften gegründet“, sagt Daniel Lescow im Telefoninterview aus dem chinesischen Hangzhou, das rund eine Stunde mit dem Schnellzug von Shanghai entfernt liegt, wo sich die Geely-Zentrale befindet. In Hangzhou hat die Vertriebsgesellschaft des Joint Ventures ihren Sitz. Der frühere Daimler-Manager ist bei der neuen Smart Automobile Co. Ltd weltweit als Vizepräsident in führender Position für Vertrieb, Marketing und Service zuständig. Weil das Reisen zwischen China und Deutschland wegen Corona derzeit schwierig ist, ist Lescow nicht zur Präsentation des Showcars Concept #1 nach München geflogen. Die Hygieneregeln in China sind sehr strikt.

Erstes neues Serienmodell wird 2022 vorgestellt

Das fertige Serienmodell der rein elektrischen nächsten Generation Smart soll laut Lescow im ersten Halbjahr 2022 vorgestellt werden. Im gleichen Jahr soll es schon auf den Markt kommen, erst in China und voraussichtlich im ersten Quartal 2023 in Europa. Zum Preis oder zu den Absatzzielen will er sich noch nicht äußern. Er verrät nur so viel: „Kompakte elektrische SUV sind eines der am stärksten wachsenden Fahrzeugsegmente, und wir wollen ein substanzielles Volumen erreichen“, so Lescow.

Stromer soll bis zu 430 Kilometer mit einer Ladung schaffen

Und die Technik? Das neue Serienmodell von Smart soll Reichweiten bis zu 430 Kilometer nach dem Prüfstandard WLTP schaffen. Es werde diverse Batterien mit unterschiedlichen Reichweiten geben, sagt er.

„Wir haben die großartige Gelegenheit genutzt, um die Marke neu zu erfinden“, hat Daimler-Chefdesigner Gordon Wagener im Mai angekündigt, als erste Skizzen und Details quasi als Appetithappen veröffentlicht wurden. „Es ist ein visionärer Ansatz.“ Smart solle „schöner, sportlicher und cooler“ werden. Als Zielgruppe haben die Marketingexperten vor allem junge Familien im Blick, die „nachhaltig elektrisch mobil und Trendsetter der urbanen Mobilität sein möchten“.

Nicht alles wird beim Serienmodell so aussehen wie beim Showcar. Was man aber schon sicher sagen kann: Der erste neue Smart hat ein großes Panoramadach und versenkbare Türgriffe. Das Interieur soll sehr geräumig wirken, sagt Lescow, obwohl die äußeren Abmessungen kompakt seien. Sprachsteuerung und ein digitaler Schlüssel sollen Standard sein.

Formore-Prototyp landete vor dem Start in der Schrottpresse

Schon vor zehn Jahren war bei der 1997 gestarteten Daimler-Tochter Smart ein SUV in Arbeit. Der Formore – so hieß das Modell – wurde jedoch kurz vor der Premiere gestoppt. Die Prototypen landeten in der Schrottpresse. Es war eine von vielen kuriosen Episoden in der Geschichte dieser Kleinwagenmarke, die einst mit der Partnerschaft von Daimler mit dem Schweizer Erfinder der Swatch-Uhr, Nicolas Hayek, begann.

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