Neue Digitalwährung Bitcoin bekommt goldene Konkurrenz

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Die Digitalwährung Bitcoin bekommt erneut Konkurrenz: Am Mittwoch soll „Bitcoin Gold“ an den Start gehen. Die Macher versprechen, die virtuellen Münzen an Inhaber herkömmlicher Bitcoins zu verschenken. In einem zweiten Schritt wollen sie die digitale Geldschöpfung revolutionieren.

Bitcoins sind eigentlich virtuelle Münzen, dies ist praktisch ein Gutschein. Foto: dpa
Bitcoins sind eigentlich virtuelle Münzen, dies ist praktisch ein Gutschein. Foto: dpa

Frankfurt - Das Jahr 2017 dürfte als Rekordjahr in die noch junge Geschichte der Digitalwährung Bitcoin eingehen: Seit Januar hat sich der Wert der virtuellen Münzen verfünffacht. Ein Bitcoin kostet mittlerweile über 5000 Dollar.

Angeheizt wird die Rekordjagd paradoxerweise durch die Schaffung von Parallelwährungen. Anfang August erblickte eine Variante namens Bitcoin Cash das Licht der Welt, am Mittwoch soll als weitere Alternative Bitcoin Gold hinzukommen.

So steht es jedenfalls auf der Website der Macher. Unter https://btcgpu.org/ informieren sie darüber, wie sie Bitcoin Gold unter die Leute bringen wollen: Jeder, der am Stichtag 25. Oktober über eine elektronische Geldbörse (Wallet) mit klassischen Bitcoins verfüge, bekomme Bitcoin Gold in gleicher Stückzahl geschenkt. Ob diese neue Währung jemals so viel wert sein wird wie ihr Vorbild, kann zwar noch niemand sagen. Aber die Chance auf eine kostenlose Beteiligung an dem neuen Projekt treibt in der Szene offenbar viele dazu, sich noch schnell mit Bitcoins einzudecken. Dass würde jedenfalls erklären, warum der Kurs der Digitalwährung in den vergangenen Wochen noch einmal kräftig gestiegen ist.

Auch bei Bitcoin Cash wurden die ersten Münzen verschenkt

Technisch ist der neue Geldregen kein Problem. Das hat die Einführung von Bitcoin Cash im August bewiesen: Auch damals bekamen alle Besitzer herkömmlicher Bitcoins die neuen virtuellen Münzen geschenkt. Möglich macht dies die allen Digitalwährungen gemeinsame technische Grundlage, die sogenannte Blockchain. Es handelt sich um eine Art elektronisches Register aller bisherigen Bitcoin-Transaktionen, das für alle Mitglieder des Netzwerks einsehbar ist.

Die Einführung einer Parallelwährung bedeutet in diesem Universum, dass auf die alte Blockchain sozusagen ein neuer Zweig aufgepfropft wird. Für Bitcoin-Cash-Transaktionen wurde eine neue Blockchain geschaffen, die neben der alten existiert. Mit Bitcoin Gold soll eine weitere entstehen. Die Frage ist nur: wozu?

Die Macher sprechen von „Demokratisierung“

Die Initiatoren kritisieren auf ihrer Website, das klassische Bitcoin-Netzwerk werde praktisch von einer kleinen Gruppe dominiert. Tatsächlich läuft ein Großteil des Bitcoin-Handels über chinesische Online-Börsen. Der dortigen Regierung allerdings ist die Digitalwährung ein Dorn im Auge, weil sie sich gut für anonyme Transaktionen eignet. Auf Druck der Behörden kündigten im September mehrere chinesische Online-Börsen an, den Umtausch der heimischen Währung Renminbi in Bitcoin einzustellen. Derartige Nachrichten haben der Digitalwährung immer wieder heftige Kurseinbrüche beschert.

Auch die Geldschöpfung im Bitcoin-Universum, das sogenannte Mining, ist heute stark konzentriert. Während es noch vor einigen Jahren für technisch versierte Laien am Heimcomputer möglich und auch einträglich war, ist dafür mittlerweile eine enorme Rechenkapazität nötig – weshalb neue Bitcoins hauptsächlich von Firmen mit speziellen Hochleistungsrechnern, sogenannten Asics, geschaffen werden. Auch hier sollen chinesische Unternehmen den Markt beherrschen. Das Mining finde zu 65 Prozent „in einem autoritären Staat statt, der Bitcoin hasst“, sagte der Spanier Alejandro Regojo, der als Pressesprecher für die neue Währung Bitcoin Gold auftritt, auf Anfrage dieser Zeitung.

Genau das wollen die Macher von Bitcoin Gold ändern. Ziel sei die Rückkehr zu einer „dezentralen, demokratischen Infrastruktur“, heißt es auf ihrer Website. Dafür werde ein neuer Mechanismus für das Schürfen digitaler Münzen entwickelt. Diesen könnten auch normale Computer wieder bewältigen. Die nötige Software soll bald auf der Website zur Verfügung gestellt werden. Genau wie bei herkömmlichen Bitcoins wird das System angeblich so konfiguriert, dass maximal 21 Millionen Münzen geschürft werden können, um eine Inflation zu verhindern. Der Gründer der Bitcoin-Gold-Initiative, Jack Liao, vertreibt über seine Hongkonger Firma Lightning Asic allerdings genau die Technik, der sein Team den Kampf angesagt hat. Pressesprecher Regojo erklärte, die angestrebte Dezentralisierung sei für Liao „wichtiger als seine Investments“. Ein Blick auf die Website von Lightning Asic zeigt allerdings, dass Liao auch Mining-Geräte für sogenannte GPU, das sind Grafikprozessoren für normale Computer, anbietet. Insofern könnte er durchaus auch davon profitieren, wenn über Bitcoin Gold das Minen am Heimcomputer wieder attraktiv wird.

Der Initiator vertreibt selbst Mining-Hardware

Kritik an der Initiative gibt es im Internet auch, weil der Chefentwickler anonym bleibt. Während fünf andere Führungsmitglieder des laut Regojo insgesamt 60-köpfigen Teams auf der Website mittlerweile mit Foto und Namen vorgestellt werden, wird der Chefentwickler dort nur mit dem Akronym h4x3rotab bezeichnet. Allerdings ist derartige Heimlichtuerei bei Digitalwährungen nicht ungewöhnlich: Auch die Identität der Person, die das ursprüngliche Bitcoin-Manifest verfasst hat, ist bis heute nicht sicher geklärt. Das Dokument wurde 2009 unter dem Namen Satoshi Nakamoto veröffentlicht. Mittlerweile haben aber in Patentanträgen diverse andere Personen die Erfindung für sich reklamiert. http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.bitcoin-waehrung-das-geld-der-zukunft.ab566644-990c-42aa-b19a-9f1999acfc5a.html